Der Journalist ein Hirte, der Leser (Hörer, Zuschauer) das Schaf?

Am 24. Januar 2013 schrieb die Cicero-Online Redakteurin Petra Sorge einen höchst bemerkenswerten Artikel über die Medienmacht : „Der Journalist als Hirte, der Rezipient als Schaf“. Darin sagt die Autorin gleich zu Beginn, man könnte glauben, dass der Medienrezipient wie ein Schaf gemächlich seinem Herrn, dem Meinungsmacher in Rundfunk und Presse hinterhertrotte und das ihm Angebotene in „vorgerupften Portionen“ verdaue. Eine außerordentlich zutreffende Ansicht! Die Macht der Medien, so meine ich, beruht vornehmlich auf der Bereitwilligkeit der „Leser-Hörer-Zuschauer-Schafe“, alles zu schlucken, was die Medien ihnen vorkauen. Oder doch nicht? Eine sehr seriöse Studie über das Ansehen der wichtigsten Berufsstände brachte unlängst das Ergebnis, dass zumindest die politischen Moderatoren mit den Bänkern zusammen an vorletzter Stelle im Ansehen der Bevölkerung stehen.
Frau Sorge weist auf die Agenda-Setting-Theorie hin. (Anm.: Diese in einer Studie entwickelte Theorie – Chapel Hill USA 1968 – sagt aus: die Massenmedien bestimmen die öffentliche Meinung, in dem sie gewisse Themen besonders hervorheben) Sorge meint, dass diese Theorie dort besonders funktioniere, wo es um die Bewertung des politischen Führungspersonals geht. Das scheint zu stimmen. Sie erläutert das am Beispiel der FDP-Größen. Wir können aber hinzufügen, dass diese Theorie gewiss auch auf die katholische Kirche und ihre leitenden Persönlichkeiten, hier besonders auf den Papst zutrifft.
Petra Sorge stellt im weiteren nun fest, dass es auch ein zu Viel an Berichterstattung gibt, das einen gewissen Overkill mit sich bringt und einen Punkt, an dem die Schafe nicht mehr so brav hinter ihren Medien-Hirten herspazieren.
Das mag für die Politik zutreffen. Das beste Beispiel dafür ist, dass nahezu alle Medien – vornehmlich die öffentlich-rechtlichen Anstalten – kaum ein gutes Haar an der Bundeskanzlerin Angela Merkel lassen mit dem Ergebnis, dass die Kanzlerin zur Zeit bei der Bevölkerung ein unglaublich hohes Ansehen genießt, das ihre so von den Medien favorisierte Konkurrenten der Opposition sehr blaß aussehen läßt.
Dieser Overkill läßt sich allerdings so gut wie gar nicht bei der unisonen Berichterstattung über die katholische Kirche und ihre Amtsträger feststellen. Das muß eigentlich sehr deprimieren. Aber Petra Sorge gibt am Schluß ihres  beachtenswerten Artikels einen für uns sehr wichtigen Hinweis, dem wir noch etwas nachgehen wollen. Sie weist auf Lücken in der Agenda-Setting-Theorie, ja manchmal sogar auf einen Umkehreffekt hin, der durch das Internet zustande kommt. Auch die Mainstreammedien könnten diesen Prozess nicht ignorieren, weil hier das Internet schneller auf das reagiert, was in der Bevölkerung gärt. Und hier liegt die große Chance für uns. Im Web sind die vielen betont römisch-katholischen Seiten, angeführt von Kath.Net und die zahllosen hervorragenden katholischen Blogger bestens aufgestellt. Hier wurde von katholischen zum Teil medienerfahrenen „Laien“ nichts verschlafen. Und das Internet ist eben eine Konkurrenz und ein Korrektiv des grün-linksliberalen Medieneinheitsbreies. Viele Menschen fühlen sich immer mehr durch diese linke Einheitsfront, in der alle das Gleiche reden, abgestoßen. So haben wir zwar Grund zum Optimismus, aber dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen; denn noch immer gilt weitgehend die Agenda-Setting-Theorie für alles, was unsere Kirche betrifft.
Deshalb sollten wir immer wieder im Web, auf unseren Veranstaltungen und Kongressen die Menschen auffordern, sich vom Einheitsbrei der Leitmedien, der manchmal bis zum Meinungsterror geht, frei zu machen, kritischer diesen „Medienhirten“ gegenüber zu werden und sich nicht die Meinung von ihnen bilden zu lassen. Unsere Leitmedien sind die Schriften des Alten und Neuen Testamentes, das Wort Gottes, und die Aussagen des Lehramtes. Diese müssen wieder gelesen werden und zwar im Original und nicht in der Interpretation der kirchenfeindlichen, säkularen Medien und der ungehorsamen Amtsträger und Theologen. Dabei sollten wir daran denken, dass der Brief an die Hebräer (Ende 3. Kapitel) den Ungehorsam in Beziehung zum Unglauben setzt, worüber noch zu reden sein wird.

Michael Schneider-Flagmeyer

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Der Journalist ein Hirte, der Leser (Hörer, Zuschauer) das Schaf?

  1. Gertraud Neldner sagt:

    „Im Fernsehen haben sie gebracht, dass ….“.
    „In der Zeitung steht, dass ….“.
    Wie oft höre ich solche Aussagen!
    Die TV- und Pressemeldungen werden vom u n -kritischen Publikum meist für bare Münze genommen.
    Dass die Sender oder Presseorgane sich aber einer gewissen Linie verpflichtet fühlen, sieht es oder weiß es nicht.
    Die Konsumenten, die unwissenden „Schafe“ (nicht abwertend gemeint), fressen brav das teilweise gefärbte, geschönte, umgedeutete (Nachrichten-)Futter, dass man ihnen vorsetzt und fühlen sich sogar noch bestens informiert.
    Da ich der Ansicht bin, dass die Meldungen und Kommentare, die wir zu hören bekommen,
    erst durch ein kontrollierendes Sieb mussten, kann eine gehörige Portion Misstrauen sicher nicht schaden.
    Misstrauen in diesem Sinne (und nicht als Charaktereigenschaft) würde ich gern als Einladung zu eigenständigem Denken verstanden wissen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*