Das deutsche Martyrologium – Zeugen für Christus

Im Dezember 2014 ist das deutsche Martyrologium „Zeugen für Christus“ in sechster Auflage erschienen. Das Jahrhundertwerk umfasst in zwei Bänden 1828 Seiten. Gegenstand dieses Werkes ist das Leben und Sterben von über tausend katholischen Märtyrern und Märtyrerinnen in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Zeit des Kommunismus sowie aus den Missionsgebieten in Afrika, Südamerika und in Asien. Diese Sammlung von Märtyrer-Biographien wächst ständig, da immer wieder heldenhafte Dokumentationen aus dem 20. Jahrhundert bekannt werden. Jetzt konnte das Martyrologium um exakt 101 Märtyrer-Biographien erweitert werden – eine Sammlung von Sternen am Himmel einer bedrohlich anmutenden Welt.
Es ist bewundernswert, dass in unserer so schnelllebigen Zeit auch 70 Jahre nach Kriegsende diese umfangreiche Erweiterung des Martyrologiums noch geleistet werden konnte. Dafür gebührt dem Herausgeber, Herrn Prälaten Prof. Dr. Helmut Moll, seinen 160 ehrenamtlichen Mitarbeitern und dem Schöningh-Verlag in Paderborn Dank und Anerkennung.
Zu den Neuaufnahmen in das Martyrologium gehört beispielsweise auch das Portrait des Konvertiten Generalmajor Helmuth Stieff, der ursprünglich dem Nationalsozialismus zuneigte. Erst die Ereignisse bei der Reichspogromnacht 1938 öffneten ihm die Augen, so dass er zum Gegner Hitlers wurde. Nach dem gescheiterten Attentat Stauffenbergs am 20. Juli 1944 wurde auch Generalmajor Stieff verhaftet und zum Tode verurteilt. Kurz vor der Hinrichtung konvertierte er zum katholischen Glauben. Die Märtyrer im Teil Nationalsozialismus kommen aus recht verschiedenen Kreisen. Es waren Judenhelfer, Kriegsdienstverweigerer, Beichtpriester, Gegner der Euthanasie, Gegner der NS-Ideologie, Friedensaktivisten und auch Hörer ausländischer Rundfunksender. Wenn man ihnen noch eine katholische Grundeinstellung nachweisen konnte, hatten sie keine Chance mehr.
Zahlreich sind auch die Reinheitsmartyrien. Viele Frauen, auch Klosterfrauen, wurden von sowjetrussischen Soldaten überfallen, vergewaltigt und ermordet. Auch die Opfer dieses Verbrechens gegen die Menschenwürde werden in diesem Werk gewürdigt, soweit ihr Schicksal dokumentiert werden konnte.
Aus den Missionsgebieten sind es überwiegend Schwestern und Missionare aus dem Orden der Steyler Missionare, die in Afrika und Asien das Evangelium verbreiten wollten und zugleich wirtschaftliche und soziale Entwicklungshilfe leisteten. Der Verbreitung des Evangeliums traten Kommunisten und vor allem auch japanische Soldaten entgegen, die den Buddhismus als einigendes Band für Asien behalten wollten. Daher wurden vor allem gegen Ende des Krieges 1945 viele Priester und noch mehr Klosterschwestern ermordet.
Schon die Apostel haben bei ihrem gewaltsamen Tod die Stafette für ein authentisches Christentum über zwei Jahrtausende weitergereicht bis in unsere Tage. Manche Sonntagspredigt und manche Religionsstunde wäre überzeugender, wenn Priester und Lehrer vor ihrem Einsatz das Martyrologium „Zeugen für Christus“ zu Rate ziehen würden.
Eduard Werner 

Helmut Moll: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Schöningh-Verlag 2015, 6.Aufl. Euro 98;- ISBN 978-3-506-78080-5

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