Die offenen und verschlossenen Türen der Kirche. Zur Predigt des Papstes am 17.3.15

Wir alle sind kath.net sehr dankbar, dass uns die Redaktion die Predigten von Papst Franziskus bei seiner täglichen Messe in St. Marta zur Verfügung stellt. Wenn man sie sorgfältig liest, führen diese Predigten immer zum Kern der Botschaft Christi. So ist es auch mit dieser Predigt von den offenen Türen der Kirche.
Noch nie hatte eine der täglichen Papstpredigten so viele Kommentare wie diese. Eine Reihe von Kommentatoren konnte die Worte von Papst Franziskus schwer verstehen und annehmen. Hier noch einmal die Predigt im Bericht von Armin Schwibach:
http://www.kath.net/news/49851
Das Unverständnis mancher äusserte sich in der Frage: Wo sind denn die Türen der Kirche verschlossen? Sie hätten sich hier eine deutlichere Erklärung des Papstes gewünscht. Ohne die Kritiker kritisieren zu wollen, möchte ich einfach – es sei mir erlaubt – einige meiner Gedanken zu dieser Predigt hier niederschreiben.
Der Papst selbst spricht von den verschlossenen Türen des Herzens: „Wer bist du“, so Franziskus, „dass du die Tür deines Herzens vor einem Mann, vor einer Frau verschließt, die besser werden wollen, die wieder in das Volk Gottes zurückkehren wollen, weil der Heilige Geist ihr Herz aufgewühlt hat?“.
Die Kirche, so haben wir alle aus der Heiligen Schrift gelernt, ist ein Haus aus menschlichen Steinen, in dem Du und ich ein lebendiger Stein sind. Ich glaube, der Fehler bei vielen Christen liegt darin, dass sie erwarten, dass jemand der umkehrt, dieses auch „in Vollendung“ tut. Das geschieht auch sehr oft. Gott sei Dank! Aber noch öfter geschieht es, dass ein Mann oder eine Frau einen leisen Impuls des Heiligen Geistes erhält, der ihn/sie in Bewegung versetzt und hilft, sich langsam und noch ein wenig im Dunklen vorwärts zu tasten und  dabei in den Augen mancher Mitchristen Fehler macht oder den Nebel noch nicht durchdrungen hat. Aber Umkehr ist in den meisten Fällen ein langer Prozess. Ein Beispiel: Zu meinem geistlichen Vorgesetzten, der auch mein Firmpate war, dem Dominikanerprior von Düsseldorf, kam jahrelang ein verheirateter Mann zu Beichte und Seelsorge der meinte, seine Bedürfnisse in einem Bordell stillen zu müssen. Es war wie eine Sucht. Da er sehr vermögend war, bezahlte er im „Venusberg“ jeden Monat eine größere Summe und legte die gleiche Summe in den Opferstock der Dominikanerkirche. Er sagte: „Pater Prior, ich bin ein Schwein, aber ich bin SEIN Schwein.“ Und unser Prior ermutigte ihn immer wieder mit Geduld und Liebe und schlug ihm keineswegs mit dem Evangelium auf den Kopf. Der hohe gespendete Betrag war fest in das Budget des Klosters eingeplant. Nach Jahren kam der Cellerarius des Klosters zum Prior und meldete Diebstahl; denn der regelmäßig gespendete hohe Betrag fehlte im Opferstock. Der Prior aber konnte ihn beruhigen und ihm sagen, dass dieser Betrag in Zukunft nicht mehr gespendet würde. Er hatte am Sonntag im Hochamt „Gottes Schwein“ strahlend mit seiner Ehefrau Hand in Hand in der ersten Reihe sitzen sehen. Gott war einen langen Weg mit ihm gegangen und unser Pater Prior hatte ihm geduldig jahrelang gezeigt, dass Jesus ihm ein Tür geöffnet hatte, die niemand mehr schließen kann (siehe Apok.)
Viele Christen bringen diese Geduld nicht auf. Und genau das meinte der Papst in seiner Predigt. Gottes Wege sind nicht unsere Wege und seine Geduld ist so unendlich wie sein Erbarmen. „Gottes Schwein“, das nun zu Gottes Schaf wurde, brauchte nie wieder Ehebruch zu beichten, weil der heilige Geist ihm in einem langen Prozess erkärt hatte, was Liebe wirklich ist.
Ein zweites Beispiel, von dem ich meine, dass es deutlich macht, was der Papst sagen will, ist dieses. Vor Jahren beichtete ich in dem meiner Heimatstadt Wuppertal nahen Marienwallfahrtsort. Ich begann etwas zögerlich und der Pater fuhr mich sofort an und forderte mich auf, nicht die Zeit des Beichtvaters zu vertrödeln. Ich dachte: Ein wenig Verdemütigung tut dir ganz gut und hielt meinen Mund. Nach der Beichte, habe ich mich aber doch gefragt, ob ich nicht dem Pater hätte Folgendes sagen sollen: „Stellen Sie sich vor, ich wäre jetzt ein Mann gewesen, der nach 30-40 Jahren flotten Lebens ohne Gott und Kirche vom Heiligen Geist den Impuls bekommen hätte, klar Schiff zu machen und sein Leben in Ordnung zu bringen. Wie hätte der wohl auf Ihre Grobheit reagiert? Sie hätten ihm die Türe zum Haus Gottes endgültig vor der Nase zugeschlagen.“
Das ist doch genau das, was Papst Franziskus in seiner für mich sehr erbauenden Predigt sagen wollte. „Die Geduld ist die Vollendung der Liebe“, sagt der heilige Kirchenvater Ambrosius. Und wir sind gerufen mit Papst Franziskus diese Tür zur lebendigen Kirche Christi offenzuhalten, so wie der Herr uns „eine Türe geöffnet hat, die niemand mehr schließen kann.“

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Die offenen und verschlossenen Türen der Kirche. Zur Predigt des Papstes am 17.3.15

  1. Bazillus sagt:

    Eine tolle Erläuterung zur Predigt des Papstes. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen außer einem Dank!

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