Der Versuch das Empörungspotential zu mobilisieren

Papst Franziskus hat am 4. Februar 2015 während der Generalaudienz in einfühlsamer Weise – wer den Text der Ansprache nachliest, wird das bestätigen – über die Vaterrolle in der Familie gesprochen. Wenn man sieht, was Medien daraus gemacht haben, sollten wir uns nicht wundern, wenn immer mehr Menschen sagen, sie bräuchten solche Zeitungen nicht mehr, denn sie würden für dumm und unfähig angesehen, sich auch anderweitig informieren zu können. Was war geschehen? Papst Franziskus sprach in seiner Rede über die notwendige Festigkeit des Erziehers. Im Wortlaut heißt dies: „Ein guter Vater vermag abzuwarten und aus tiefstem Herzen zu vergeben. Gewiss, er vermag auch mit Festigkeit zu korrigieren: Es ist kein schwacher, nachgiebiger, gefühlsseliger Vater. Ein Vater, der korrigiert, ohne zu beschämen, weiß auch zu beschützen ohne Mühen zu scheuen. Einmal habe ich bei einer Versammlung von Ehepaaren einen Vater sagen hören: ‚Ich muss meinen Kindern manchmal einen Klaps geben… aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu beschämen‘. Wie schön! Er hat ein Gefühl für die Würde. Er muss bestrafen, er macht das auf die richtige Weise, und dann geht es weiter“. Daraus wird beispielsweise in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (7./8. 2. 15) ein Obertitel „Will der Papst Prügel erlauben?“ und ein Untertitel „Franziskus löst mit Äußerung zur Kindererziehung Empörung aus“. Im Text heißt es dann weiter „Die Prügel, von denen er gesprochen hat, fallen auf ihn selbst zurück: Nach dem Papst Franziskus bei seiner wöchentlichen Generalaudienz sich dem Thema Züchtigung von Kindern angenommen hat, geht über dem Kirchenoberhaupt eine Welle der Empörung nieder“. Medienberichte dieser Art erinnern an den Ausspruch von Prof. Norbert Bolz: „Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man aber, dass sie mit Moral gar nichts am Hut haben. Es geht auch nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Sensation… Es geht um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen. Dieses Potential wird ausgebeutet. Das ist die Logik der Massenmedien“. (Die Tagespost 14.3.2013, S. 11)
Folgerichtig heißt es im Text der AZ: „…in Deutschland erntete der Papst Kritik vom Kinderschutzbund bis hin zur SPD-Familienministerin Manuela Schwesig“. Um der Bedeutung des aufgeblasenen Popanz Gewicht zu geben, wird die Angelegenheit noch in einem eigenen Kommentar der AZ „Der Irrtum des Papstes“ bemüht: „Körperliche Züchtigung von Kindern ist in 39 von 193 Staaten der Welt verboten, darunter auch in Deutschland und in Österreich … Die Welt ist sich nicht einig, ob es zulässig ist, Kinder zu schlagen oder nicht. Auch in Deutschland ist diese Haltung bekannt, dass ein Klaps auf den Hintern manchmal nicht schadet. Dem ist jedoch vehement zu widersprechen: Wer Kinder schlägt, wenn auch nur ein bisschen, der tut ihnen unrecht“. Bei so viel Einfühlungsvermögen in die Kinderseele drängen sich einige Fragen auf: Ein „Klaps“ hat nach unserem Sprachverständnis nichts mit „prügeln“ zu tun! Noch wichtiger scheint die Frage: Haben jene, die sich derart über einen Klaps echauffieren, auch schon einmal darüber nachgedacht, was es für eine Kinderseele bedeutet, wenn Kleinkinder im Alter von einem Jahr oder darunter, die Mutter entbehren müssen, weil sie – vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen – in die Kitas abgeschoben werden, damit möglichst die letzte arbeitsfähige Frau zum Wohl einer zunehmend kapitalistischen Wirtschaft arbeiten muss? Haben sich die Empörer schon einmal Gedanken darüber gemacht oder evtl. sogar protestiert, dass bei uns jedes Jahr wehrlose, ungeborene Kinder im Umfang einer Großstadt abgetrieben werden? In welcher heuchlerischen Gesellschaft leben wir eigentlich?

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Aprilheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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2 Antworten auf Der Versuch das Empörungspotential zu mobilisieren

  1. Mathias Wagener sagt:

    Verstellungen und Verdrehungen sind leider an der Tagesordnung. Man mache sich nichts vor, der Großteil der Medien ist der Kirche nicht gut gesonnen, wenn das zum Anfang des Pontifikats auch einmal anders ausgesehen haben mag. Sobald man meint, Angriffspunkte zu finden – notfalls mit gehöriger Umdichtung – wird man versuchen, den Kübel mit Dreck auszuschütten.

  2. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Der Papst hat der Medienmeute eine Steilvorlage geboten. Den Klaps auf den Hintern mit der Würde eines Kindes zu koppeln, ist für deutsche Ohren völlig ungewohnt.
    Ich weiß nicht, ob ein Klaps auf den Po irgendetwas mit Würde zu tun hat.

    Für deutsche Ohren ist die Abtreibung rechtmäßig ok, das Abschieben von Kindern vom Kreißsaal aus in die Kindertagesstätte ok, der Entzug einer Bezugsperson ist ok und die Sexualfrüherziehung für alle möglichen Sexualgeschlechter ist auch ok, die Pädophilie war zu Grüner Zeit auch ok, die muslimische Kinderehe ist auch ok, das Kinderschlagen – aber nur, wenn es in schützenswerten anderskulturellen Gesellschaften geschieht – ist auch ok. Die Überbetonung des Tieschutzes im Hinblick auf den Kinderschutz ist auch ok, die Kinderarbeit in anderen Ländern ist auch ok, der Analphabetismus in einigen Ländern ist auch ok, die Kinderarmut in der Welt ist auch ok, die Kindersoldaten sind auch ok und die Kinderarmut mitten in Deutschland ist selbstverständlich auch ok. die psychischen Fehlentwicklungen von Kindern und Jugendlichen sind auch nicht der Rede wert, denn wir haben ja geschultes Fachpersonal, das Mobben von Kindern in der Schule ist auch ok.

    Ein Klaps zu Erziehungszwecken ist selbstverständlich ein Unding. Da sind sie wieder: Die Moralapostel, die es nicht schaffen, dieses Klapsverbot auch in den anderen 154 Staaten dieser Erde zu verbieten.

    Allerdings müssen wir auch diesen Moralaposteln eines zugute halten: Ein Klaps kann ausarten bei Gemütern, die ihre Aggressionen nicht im Griff haben. Davon gibt es leider zu viele. Kindesmisshandlungen beginnen mit einem Klaps. Insofern halte ich das Klapsverbot für berechtigt, aber Kindern Erziehungsexperimenten auszusetzen, die die Identität eines Menschen zerstören ist m. E. noch bedenklicher. Wenn es aber im Einzelfall wirklich nur ein Klaps war, dann sollte dies nicht überbewertet werden.

    Ich kenne noch die Zeiten, in denen der Rohrstock in der Schule regierte und die schlagende Hand des Vaters und der Mutter durchaus gegenwärtig war, wenn in der Schule oder von anderer Seite Klagen über das Benehmen über uns Kindern laut wurden.
    Diese Zeiten sind vorbei und das ist auch gut so. Der Artikelschreiber legt jedoch die Finger in die Wunde: Die Heuchelei und das Messen mit mehrerlei Maß der Medienmeute ist kaum überbietbar.

    Wann wird über Kinderehen in anderen Kulturen geschrieben, wann wird über Fatwen berichtet, die das Kinderschlagen erlauben?

    http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M5a59fbbce3e.0.html
    In der verlinkten Fatwa wird relativ zum Schluss auch so ganz nebenbei das Schlagen von Kindern behandelt. Das aber ist keine Zeile wert.

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