Bruder Wolfgangs Weg nach Auschwitz

Vielen Menschen stellt sich ein Leben lang die Frage nach Gott nicht. Fritz Rosenbaum aus Witten an der Ruhr verhielt sich dagegen anders. Ihn beschäftigte schon von Jugend an die Frage nach Gott.
Fritz Rosenbaum wurde am 27. Mai 1915 in einer streng gläubigen jüdischen Familie geboren. Sein erster Spielkamerad war ein katholischer Nachbarsjunge. Mit ihm ging er schon in der Grundschulzeit täglich in die katholische Frühmesse. Das blieb seinen Eltern nicht lange verborgen. Als er älter wurde und zusammen mit seinem Freund auf die Realschule kam, nahm er auch Kontakt mit dem katholischen Pfarrer Rechmann auf. Schließlich sagte sein Vater zu ihm: „Wenn du katholisch wirst, bist Du enterbt.“ Das traf den kleinen Fritz sehr, wohl weniger, weil er ein beträchtliches Erbe zu erwarten hatte, sondern eher, weil ihm die wachsende Distanz zu den Eltern wehtat. Fritz Rosenbaum las weiterhin mit großem Interesse die Bibel. Die Jesusgeschichten des Neuen Testaments fesselten den Jungen ungeheuer. Pfarrer Rechmann sah die familiären Schwierigkeiten und zögerte daher, Fritz Rosenbaum zu taufen. Als dieser jedoch zum Pfarrer sagte: „Wenn ich Jesus habe, dann ist mir alles andere egal“ wurde er nach intensivem Unterricht getauft. Darüber berichtete später Pfarrer Rechmann: „Diese Unterrichtsstunden werde ich nie vergessen. Ich habe nie eine Seele gefunden, so hungrig nach Wahrheit und Heilandsliebe.“ Seinen religiösen Interessen konnte Fritz während eines Ferienaufenthalts auf einem Bauernhof in der Eifel ungestört nachgehen. Das Leben auf dem Land gefiel ihm so sehr, dass er dort bleiben und Bauer werden wollte. Als sein Vater aber plötzlich starb, kehrte er zurück ins Elternhaus, um seiner Mutter eine Stütze zu sein. Nun lernte auch die Mutter den katholischen Glauben kennen und ließ sich schließlich taufen. Im Zusammenhang mit der so genannten Reichskristallnacht 1938 fiel Fritz Rosenbaum auf der Straße einer Gruppe von SA-Leuten in die Hände. Um weiteren Schlägen zu entkommen, sagte er, dass er katholisch sei. Da wurde er noch heftiger blutig geschlagen. Im gleichen Jahr wollte Rosenbaum in ein Franziskanerkloster eintreten, um sich ganz Christus zu widmen. Doch der Klosterobere zögerte zunächst, da er selbst erst vor kurzem aus einem KZ entlassen worden war; denn nach dem päpstlichen Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ waren viele Priester unter falschen Anschuldigungen verhaftet worden. Der Papst hatte gegen die rechtlosen Zustände und ideologischen Verirrungen der Nationalsozialisten protestiert. Schließlich nahm der Franziskanerobere den jungen Kandidaten doch auf. Zu seinem besseren Schutz schickte er ihn jedoch bald in ein Kloster jenseits der niederländischen Grenze. Als jedoch 1940 deutsche Truppen die Niederlande überraschend besetzten, war Fritz Rosenbaum wieder gefährdet. Deshalb versteckte man ihn unter dem Namen Wolfgang in einem Kloster im Inneren der Niederlande. Nur der dortige Obere durfte wissen, dass der neue Klosterbruder Wolfgang Jude war. Die SS fand aber die wahre Identität von Bruder Wolfgang heraus. Am 26. Juli 1942 haben alle katholischen Bischöfe der Niederlande gemeinsam von allen Kanzeln heftig gegen die Judendeportationen protestiert. Wie die bekannte Edith Stein wurden daraufhin aus Rache über 600 katholisch getaufte Juden verhaftet und nach Auschwitz zur Vernichtung abtransportiert. Satanische Menschen wie die SS-Leute reizt man nicht ungestraft. Die Bischöfe haben zwar ein mutiges Zeichen gesetzt – aber ein grausames Resultat erzielt. Wolfgang Fritz Rosenbaum erreichte nach dem Tod sicher die so ersehnte Nähe zu Christus. Aber musste der Weg zu Christus der bittere Weg nach Auschwitz sein? Gottes Wege sind unerforschlich.

Eduard Werner

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