Eine Pariser Affäre?

„Paris wartet auf Okay für schwulen Vatikan-Botschafter“, so meldet der Österreichische Rundfunk ORF am 10.04.2015 auf seiner Internetseite.
http://religion.orf.at/stories/2704513/
Präsident Hollande hatte Laurent Stefanini im Januar für das Amt des neuen Vatikanbotschafter nominiert und ließ mitteilen, dass dieser „einer unserer besten Diplomaten ist“. Er war bereits von 2001-2004 als Botschaftsrat in der französichen Botschaft beim Vatikan tätig und wird von der Regierung als praktizierender Katholik und als ausgewiesener Experte für Religionsfragen bezeichnet. Warum sollte ein solcher Mann also nicht Botschafter beim Heiligen Stuhl werden?
Die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ glaubte zu wissen, dass der Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois und der Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, der 13 Jahre lang „Aussenminister“ des Vatikans war, den Kandidaten Stefanini unterstützen. Frankreich hatte bereits 2007 einen homosexuellen Diplomaten für den Botschafterposten vorgeschlagen. Damals erhielt die französiche Regierung keine Antwort aus dem Vatikan und ernannte nach mehreren Monaten einen anderen Kandidaten.
Das erinnert uns daran, dass der ehemalige Aussenminister der USA, Henry Kissinger, die  fast 2000jährige Erfahrung und das Geschick der vatikanischen Diplomatie im ersten Band seiner Memoiren hoch pries. Wir haben auch aus diesem Grunde und grundsätzlich dem Heiligen Stuhl in solchen Fragen keine Lehre und auch keine Ratschläge zu erteilen.
Trotzdem bleibt die Frage in diesem Fall zu stellen: Warum sollte ein homosexuell-veranlagter Mann, der praktizierender Katholik ist, und das heißt nach unserem Verständnis nach dem Evangelium und der Lehre der Kirche zu leben, nicht Botschafter beim Heiligen Stuhl werden? Schließlich haben homosexuelle Menschen beiden Geschlechtes im Laufe der Geschichte ganze Reiche regiert. Demnach könnte man Paris durchaus zustimmen, wenn in diesem Fall nicht einige Auffälligkeiten vorhanden wären.
Die sozialistische Regierung Frankreichs bezeichnet Stefanini als einen ihrer besten Diplomaten. Das glauben wir ihr durchaus und man könnte diese Ernennung als große Wertschätzung der Weltzentrale der katholischen Kirche verstehen. Denn einen seiner besten Diplomaten sendet man nur in eine Hauptstadt, die für das Land von besonderer Wichtigkeit ist wie Washington, Moskau, Peking, London, Berlin etc, schließlich ist Frankreich ja „die älteste Tochter der Kirche“. Aber eben genau diese Regierung hat in der Ignorierung der Millionenproteste (einschließlich von Homosexuelle-Gruppen) gegen die Homo-Ehe bewiesen, dass diese hohe Wertschätzung der katholischen Kirche und ihrer Lehre sehr in Frage gestellt werden kann.
Und so besteht der Verdacht, dass der sozialistische Präsident Hollande die Botschafter-Ernennung dazu benutzen will, die Gender-Ideologie anderen Staaten und hier dem Heiligen Stuhl unter allen Umständen aufzudrücken, wie das im Westen inzwischen in einer Reihe von Staaten, ja sogar in Organisationen der UN üblich ist. Mit diesem Verdacht soll die Qualitäten Herrn Stefaninis als Diplomat und als Mensch keineswegs abgewertet werden. Schließlich wird er bei Ablehnung oder Schweigen des Heiligen Stuhls ein Beschädigter bleiben, obwohl diese Beschädigung in der breiten Öffentlichkeit des Westens als zu preisendes Märtyertum gefeiert werden wird.
Und so kann diese Pariser Affäre als keine Affäre sondern als eine bewußte Provokation bezeichnet werden,  so wie es katholische Kritiker in Frankreich ausdrücken.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Eine Pariser Affäre?

  1. Eduard Werner sagt:

    In der Tat ist hier von einer bewussten Provokation auszugehen. Die Vertreter der Homolobby (und auch mancher Sozialisten) sind sehr missionarisch gesonnen. In Deutschland fordern sie in den Schulen nicht nur die Toleranz, sondern auch die Akzeptanz homosexueller und transsexueller Lebensformen. Der französisch Präsident sollte die Nichtbeachtung seines Personalvorschlags verstehen und einen anderen Personalvorschlag machen.

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