„Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst?“ (Ps. 8,5)

„Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass Du sich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk Deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt.“
Mit diesen Worten beschreibt der Psalmist, der große König David, „ein Mann nach Gottes Herzen“, was wir sind nach dem Willen Gottes und was wir auch wirklich sein sollen.
Aber in dieser Beschreibung ist auch eingeschlossen, dass der Mensch am Ende Rechenschaft ablegen muss, über seine „Herrschaft“ über die Schöpfung. Die Herrscher über Israel wussten sich Gott gegenüber verantwortlich, wie die Herrscher der heidnischen Völker den Göttern. Die Herrscher unserer Zeit in einer säkularisierten Welt in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie in den Medien sollten sich, wenn sie schon nicht mehr an Gott glauben, dem Volk verantwortlich fühlen. Dabei wird uns heute tagtäglich mehr vor Augen geführt, was geschieht, wenn der Mensch sich selbst aus der Verantwortung Gott gegenüber entlassen will, was ihm letztlich nicht gelingen wird.
Während meiner Mitarbeit in der Krankenhausseelsorge, hatte ich Gespräche mit einer todgeweihten Patientin, die mir immer wieder sagte: „Lassen wir Gott mal einen Moment aus dem Spiel.“ Ich versuchte ihr zu erklären, dass man Gott nicht aus dem Spiel lassen könne; denn Er sei immer mit im Spiel zu ihrem und zu unser aller Heil, weil „Er nicht fahren lässt das Werk seiner Hände“. In dieser Situation der Ausschließung Gottes aus unserer Welt und unserem Tun befinden sich immer mehr die Völker Europas und des Westens.
Am Sonntag dem 19.4.15 war im „Presseclub“, der jeden Sonntag vom WDR verantwortet und geleitet wird, die Rede von der Familie, von der demoskopischen Situation und im Zusammenhang damit von den Möglichkeiten der Medizin und der Humanbiologie, die Gestaltung des Menschen nach eigenen Interessen manipulieren zu können. Dass kein Vertreter der Kirchen und des Lebensschutzes anwesend war, versteht sich inzwischen von selbst.
Wir wollen hier nicht die ganze Palette der Möglichkeiten auflisten. Jeder, der die Diskussion darüber eingermaßen in der Öffentlichkeit verfolgt, weiss, was gemeint ist. Das führt dazu, dass eine 64jährige Frau nun Vierlinge bekommt und geht soweit, dass man das Genom des Menschen nach eigenen Wünschen inzwischen zusammenbasteln zu können glaubt von verschiedenen „Vätern“ und „Müttern“. Geschlecht, Haut und Haarfarbe, Ausschluß von gewissen Leiden kurz ein Kind aus der Retorte soll in der schönen neuen Welt möglich sein. Es wird in der Tat alles getan, was machbar ist und damit viel mehr als bekannt wird. Und die Wertfreiheit der Wissenschaft ist dabei der Wert an sich. Wir dürfen überzeugt sein, dass hinter den Kulissen noch viel mehr experimentiert wird, als wir uns vorstellen können. Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass Wissenschaftler versucht hatten ein Mischwesen aus Schwein und Mensch zu „erschaffen“. Die Büchse der Pandora ist längst geöffnet und wir müssen alles tun, dass die Menschen Gott wieder ins Spiel zurückholen, weil nur ER diese Büchse wieder schließen kann.
Die Diskussion im „Presseclub“ verlief gar nicht so schlecht, wie von manchen Leuten befürchtet wurde. Wir wollen uns damit auch nicht weiter beschäftigen.
Uns geht es darum, was wir tun können, um die Menschen wieder auf den Weg zu weisen, den Gott ihnen zu ihrem Heil aufgezeigt hat und der in der Heiligen Schrift klar beschrieben wird; denn „es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“.
Wir müssen uns als Christen der ungeheuren Gefahr bewusst sein, in der die Welt sich befindet. Wir dürfen die Ethik nicht den Wissenschaftlern alleine überlassen. Unter ihnen befinden sich zahllose höchst verantwortungsbewußte Menschen. Aber darüber dürfen wir nicht vergessen, wie viele Wissenschaftler allen Ideologien und den damit verbundenen Diktaturen gedient haben, die die Menschheit gerade im letzten Jahrhundert an den Rand der Vernichtung gebracht haben. Und das geschieht auch noch heute. Nicht umsonst zitiert Papst Franziskus immer wieder die verstörende Vision des frühvollendeten jungen Priesters Robert Hugh Benson in seiner Zukunftsvision „Der Herr der Welt“.
Was können wir kleine Leute denn gegen dieses Unheil aus der Büchse der Pandora, d.h. aus dem Schlund der Hölle stammend, tun? Sind wir nicht machtlos?
Nein! Das sind wir nicht, weil Gott „allen die Ihn (Christus) in ihr Herz aufnehmen, die Macht gibt, Kinder Gottes zu sein“ (Prolog zum Johannes-Evangelium). Und das ist die höchte Macht, die dem Menschen auf Erden gegeben ist. Wer kannn das ausdenken? Unser Glaube ist es, der die Welt verändert. Die großen Lehrer der Kirche haben uns den Weg gewiesen und der heißt: Kontemplation und Aktion.
Unermüdlich dürfen und sollen wir unsere Hände erheben, um unseren wahren Herrscher anzuflehen, aufzustehen und „Seine gewaltige Macht aufzubieten und uns zur Hilfe zu kommen; Sein Angesicht über uns leuchten zu lassen, dann ist uns geholfen“. (Ps 80, 2-4).
Aber wir sollen auch die Aktion nicht vernachlässigen. Wir sind berufen, Zeugen Christi zu sein bis an die Grenzen der Erde. Deshalb wollen wir Christus bitten, uns die rechte Sprache zu verleihen und uns den richtigen Weg zu zeigen und den Menschen die Herzen, Augen und Ohren öffnen; denn Er hat selbst gesagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh.15,5)
Wir müssen unsere Stimme laut und mutig erheben, um den Verantwortlichen ihr schreckliches Tun vor Augen zu stellen. Wir tun das an Christi statt fest vertrauend auf das Wort Davids, der den 8.Psalm beginnt und beendet mit dem Ausruf: „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist Dein Name auf der ganzen Erde.“

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf „Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst?“ (Ps. 8,5)

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Wie der werte Kommentator schon beiläufig bemerkte: Dass kein Vertreter der Kirchen und des Lebensschutzes anwesend war, versteht sich inzwischen von selbst.
    Genau das ist ja die Krux. Die Stimme der Kirche, die Stimme von Christen wird ja in dieser säkularen Welt, in der ohne Gott alles machbar zu sein scheint, nicht mehr gehört und sie soll auch nicht mehr gehört werden. Der Bezug zu Gott wird ja gerade geleugnet. Im Gegenteil, diese säkulare Welt wird hingehen und die Meinung und die Moralvorstellung der Christen in absehbarer Zeit strafrechtlich verfolgen lassen, weil sie für irgendeine Gruppe diskriminierend ist. Die EU hat den Gottesbezug nicht in ihrer Verfassung aufnehmen wollen. Da wissen wir, wo der Hase herläuft.
    Die Stimme laut, klar und unmissverständlich erheben, ist sicher mehr als wichtig und auch richtig. Allerdings wird diese Stimme immer als religiöse Stimme mit Bezug auf Gott zu erheben sein. Das aber ist bereits für viele Bürger ein Gräuel, kaum ertragbar und ja im wahrsten Sinne „unerträglich“. Religion steht für viele Menschen bereits als Hauptgrund für Kriege und Ausgrenzungen und elitäres Denken. Der Religionshass nimmt zu – auch im Zuge der Islamisierung. Alle Religionen werden in einen Topf geworfen von Atheisten und Humansten, die Religionen als schädlich ansehen. Diese aber haben den Marsch durch die Institutionen geschafft und sind jetzt am regierungsamtlichen Ruder.
    Die Handlungen des Experiments am Menschen sind letztlich aus atheistischem Gedankengut erwachsen. Wer das Leben danach leugnet, also die Auferstehung des Herrn leugnet, dem stehen im Grunde keine mentalen Grenzen mehr im Weg, das Leben hier so zu gestalten wie die eigeneIndividualität dies zulässt.
    Wie sollen wir konkret gegensteuern? Ich persönlich sehe da leider pessimistischer in die Welt als der werte Autor. Die Zeit der Kirchenlehrer damaliger Zeiten sind vorbei. Papst Benedikt XVI, den ich hier einmal als großen Kirchenlehrer einordne, hat kaum Lobby, möglicherweise in späterer Zeit. Seine Worte interessiert die Vertreter der Wissenschaft nicht. Religion wird eher zum Schimpfwort, zum Bremser des Spaß- und Fun-Kultur einschließlich der Wissenschaftsträger wahrgenommen. Moral der chrstlichen Art wird als gesellschaftliche Spaßbremse angesehen. Junge Leute haben in Massen ganz den Bezug zum Christentum verloren. In dem Maße, in dem sich das Christentum als Volksfrömmigkeit verflüchtigt oder „verdunstet“, in dem Maße wächst die Wissenschaft mit grenzenlosem Experimentierwillen.
    Der Dreieine Gott bewahre uns vor Frankensteins Experimentierlabor. Aber der Mensch ist schon mitten drin.
    Aber vielleicht steht am Ende jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis Gott selbst, dessen Existenz von ihr gar so verleugnet wird? Ich denke, da brauchen wir keine Angst zu haben. Die Auferstehung Jesu ist wissenschaftlich unerklärlich und wird es auch bleiben. Daran dürfen wir unsere Glaubenshoffnung festmachen.

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