Daniel Deckers Blick auf die katholische Kirche in der FAZ.

Das waren noch Zeiten, als die auch heute noch von vielen Lesern als Flaggschiff des seriösen Journalismus empfundene Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) über Redakteure verfügte, die in Sachen katholische Kirche kompetent, fair und seriös, wenn auch manchmal sehr kritisch berichteten. Heute hat sie nur noch Daniel Deckers, der, obwohl an der Jesuitenhochschule St.Georgen in Frankfurt in Theologie promoviert, sich auf die Seite der „liberalen Kirchenkritiker“ geschlagen hat, an denen nichts liberal ist. Er folgt dem Zeittrend vieler sich noch katholisch nennender Theologen, die mitunter auch auf Lehrstühlen an einem Rahmen nach ihrem Geschmack basteln und an dem Bild (Christus und sein Evangelium) offensichtlich nicht interessiert sind.
Wehmütig erinnert sich der erfahrenen Leser der FAZ an die Zeiten, in denen Vilma Sturm Jahre lang für den Rheinischen Merkur (damals noch sehr katholisch) und später mehr als 20 Jahre für die FAZ als Redakteurin tätig war. Vilma Sturm, von Heinrich Böll eine „heimatlose Katholikin“ genannt, deren – vosichtig ausgedrückt – bunte und unorthodoxe Biographie und deren Linkskatholizismus mitunter deutsche Prälaten ins Schwitzen und in Rage brachten, war auch eine heftige Kritikerin der Institution Kirche. Aber im Gegensatz zur heutigen „Kirchenkritik“ und zu Daniel Deckers wiesen ihre Artikel doch immer wieder eine unbestreitbar echte Beziehung zum Evanglium auf. Tempi passati! Das ist Daniel Deckers alles fremd. Er betrachtet die Kirche wie ein parteipolitscher Kommentator die gegnerische Partei.
(Auf diesem blog hat Hubert Gindert am 17.1.13 – „Auch ein Stil“ – schon einmal sich mit Daniel Deckers und seiner Schreibe auseinandergesetzt.)
Nun hat Daniel Deckers am 28.1.13 in der FAZ wieder zu einem Rundumschlag gegen die Kirche ausgeholt unter dem Titel „Die katholische Kirche wird wieder durchgeschüttelt -Auf die Deutsche Bischofskonferenz kommen schwierige Personalentscheidungen zu und Fragen nach der Zukunft von Kardinal Meisner“.
Hier stellt er zunächst einmal Betrachtungen und Vermutungen über die Nachfolge von Erzbischof Zollitsch an der Spitze der Bischofskonferenz an, die das Vertrauen in seine Kompetenz in Sachen katholischer Kirche eher nicht bestärken. Die Nennung der Bischöfe Ackermann, Overbeck und Trebartz van Elst als mögliche Nachfolgekandidaten für Erzbischof Zollitsch muten ein wenig naiv an.
Dann holt Deckers allerding die große Keule hervor.
Er vermutet, dass Papst Benedikt seinen „langjährigen Widersacher“ Kardinal Lehmann, von der Leitung seines Bistum entbinden und ihn damit aus der Bischofskonferenz entfernen könnte. Deckers hat das Denken und Handeln Von Papst Benedikt noch nie begriffen. Wie sollte er auch, wenn er sich das Brett der „sprunghaften Feindseligkeit“ ( Benedikt XVI.) vor den Kopf genagelt hat. Und nun folgt eine Passage, die Deckers Haltung zur Kirche besonders charakterisiert und deshalb hier wiedergegeben werden soll. Er nennt Kardinal Meisner den „bedingungslosen Statthalter Johannes Pauls II. sowie Benedikts XVI in Deutschland“ und führt dann aus, dass der Kardinal, der 1979 „von Papst Johannes Paul II dem Erzbistum oktroyiert wurde“ erst im Februar 2014 mit der Feier seines 25-jährigen Jubiläums seine Amtszeit beenden will, gemäß seiner eigenen mehrfachen Erklärungen. „Dieser Zussicherung will man in Köln nicht recht trauen, schließlich ist es das Jahr des Glaubens, nicht des Wissens.“ Den letzten Satz mag Deckers wohl für ein gelungenes Wortspiel halten. Ich nenne es einfach infam.
Deckers vermutet, dass der Kölner Kardinal noch gut drei Jahre über seinen 80. Geburtstag hinaus im Amt bleiben will, weil er Priester und Laien aus dem Erzbistum gebeten hat, ihm Vorschläge für die Nachfolger von Weihbischof Koch, jetzt Bischof von Dresden-Meißen, zu machen; denn in der Weltkirche sei es üblich, dass man einem in drei Jahren ausscheidenden Bischof keinen neuen Weihbischof mehr zuordnen will, um dessen Nachfolger nicht einzuschränken. In diesem Zusammenhang nennt er den Leiter des Kölner Priesterseminars, „der dem Opus Dei nahesteht“. So soll noch eben schnell ein möglicher neuer Weihbischof suspekt gemacht werden; denn Deckers gehört ja zu denen, die das Opus Dei suspekt machen.
Und nun unterstellt Deckers dem Papst eine Lex Meisner und das, was er den andern Bischöfen verwehrt habe, nämlich die erheblicher Verlängerung über das 80. Lebensjahr hinaus. Diese Mutmaßung habe vieles für sich, denn dann „wäre der Papst auch weiterhin aus erster Hand über alles im Bilde, was sich in der katholischen Kirche in Deutschland zuträgt“. Kardinal Meisner als Zuträger. Das ist ja nun so infam, wie naiv und unwissend. Als wenn der Papst nicht noch beliebig mehr andere Quellen in Deutschland hat.
Nein, ein Kirchenexperte ist Daniel Deckers nicht! Von den großen Leistungen Kardinal Meisners weiß er nichts. Er hat ihm sicher so wenig zugehört wie Papst Benedikt und katholische Spiritualität ist nicht Deckers Sache. Daniel Deckers ist wohl der Meinung, der Papst und der Kölner Kardinal würden so kleinkariert und taktiererisch denken wie er selbst. Und so schwingt er seine grobschlächtige Keule weiter. Bischof Trebatz van Elst, der an der Weihe von Erzbischof Gänswein in Rom teilnahm, bescheinigt er, an Unterwürfigkeit gegenüber dem Papst sich nicht einmal von Kardinal Meisner überbieten zu lassen. Nun, überbieten läßt sich auch Daniel Deckers nicht, nämlich an Bösartigkeit.
Erzbischof Gänswein wird von Deckers als „Versorgungsfall“ nach dem Ende dieses deutschen Pontifikates deklariert. Sollte der Stuhl des Erzbischofs von Köln erst nach dem Tode Benedikts verweisen, „wäre die Heimkehr Gänsweins als Nachfolger Meisners nur noch eine Formsache“. Dass Gott, der Herr, alleine entscheidet, wann wer wo abtritt, kommt Deckers gar nicht in den Sinn, weil er zu geistlichen Dingen offensichtlich kein Verhältnis hat. Arme FAZ und ihre Abonnenten. Oder sollte man nicht auch sagen: Armer Daniel Deckers. Ob er wohl jemals die Kirche und ihre Botschaft verstehen wird? Man möchte es ihm wünschen.
Den katholischen Abonnenten aber sei gesagt: Wenn ein Jüngling ein Mädchen freit, wird er sich dann bei den Feinden seiner Braut über sie erkundigen oder wird er nicht lieber zu denen gehen, die seiner Braut nahe stehen und sie lieben?

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Daniel Deckers Blick auf die katholische Kirche in der FAZ.

  1. Koloman Trinkl sagt:

    Ich komme heute über Googel zum ersten Mal auf diese Seite und kenne sie folglich nicht. Aber dieser Artikel über Daniel Deckers spricht mir aus der Seele, habe ich doch heute auf FAZ-online wieder einen Artikel von Deckers gelesen, der einem als Bürger der BRD und als Katholiken die Haare zu Berge stehen läßt. Solche Ausdrücke, wie er sie über die Kirche verwendet, hätte ich alten Kommunisten und Nazis zugetraut, nicht einem Redakteur der FAZ. Schade.

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