Karl Leisner

Die katholische Jugend in Deutschland hat auch aus der NS-Zeit Glaubenszeugen und Vorbilder. Einer von ihnen war der selige Karl Leisner. Der Historiker Christoph Kösters äußerte über Leisner, „es ist selten, dass es einen so eindeutig christlichen und katholischen Widerstand (gegen den Nationalsozialismus) gegeben habe wie bei Leisner … Kennzeichnend für ihn (war) vor allem seine tiefe Christus- und Kirchenfrömmigkeit sowie seine Marienverehrung“. Hinzu kommen „das Bekenntnis zur Feindesliebe und sein Märtyrer-Zeugnis gegen das Unrecht des Nationalsozialismus“ (Tagespost vom 17.3.2015).

Geboren am 28. Februar 1915 in Rees und aufgewachsen im niederrheinischen Kleve, zeichnete er sich schon als Schüler durch eine betont katholische Haltung und intensive Frömmigkeit aus. Leisner wuchs in den innerkirchlichen Erneuerungsprozess der zwanziger Jahre in Deutschland hinein, der in Frankreich bereits Jahrzehnte zuvor als „Renouveau Catholique“ (Katholische Erneuerung) eingesetzt hatte und für den Namen wie Charles Peguy, Maxence van der Meersch, Georges Bernanos, Paul Claudel, Jaques Maritain u.a. stehen.

Der Erneuerungsprozess der katholischen Jugend in Deutschland führte zu „einem neuen Selbstbewusstsein und zu einem neuen Auftreten nach außen“. Die Parole lautete: „Alles für Deutschland – Deutschland für Christus!“ Das ist heute ganz gegen die politische Korrektheit, weil es auch Vaterlandsliebe und begeistertes Engagement zum Ausdruck bringt; Eigenschaften, die heute weithin verpönt sind. Das macht aber gerade diese katholische Jugend um Karl Leisner vorbildhaft für heute, weil selbst bei den sogenannten neuen geistlichen Bewegungen die Gefahr besteht, nur ein spirituelles Binnenleben zu pflegen, statt sich auch den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie der Genderideologie, der Massenabtreibung und dem Hinausdrängen von Religion und Kirche aus dem öffentlichen Raum zu stellen.

Die erneuerte katholische Jugend um Karl Leisner bekam ihre Bewährungsprobe in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, in der „Schlacht der Meta-Geister“, um die Worte von Karl Leisner zu gebrauchen. Die Nazis wollten keine geistige Auseinandersetzung um die besseren Ideen. Sie setzten vielmehr die errungene politische Macht zur Unterdrückung und Ausschaltung der Konkurrenz im Kampf um die Jugend ein. Der Katholische Wandervogelbund wurde aufgelöst, das Jugendhaus in Düsseldorf geschlossen. Karl Leisner wurde 1934 Diözesanführer der katholischen Jungschar. Zusätzlich studierte er Theologie. Trotz Unterdrückung und Behinderung durch die Nazis wurde eine Werbeoffensive für die katholische Jugend in der Diözese Münster durchgeführt. „In ländlichen Regionen wurde sie ein großer Erfolg und führte zu einem enormen Anstieg der Mitgliederzahlen“ (Kösters). Die Nazis schlugen zurück und verboten 1935 jede öffentliche Betätigung der katholischen Jugendverbände. Karl Leisner war in dieser Auseinandersetzung nie bereit, Kompromisse mit den Nationalsozialisten einzugehen. Die Katholiken wurden in den Kirchenraum abgedrängt. Dennoch gaben sie, inspiriert von Karl Leisner, durch vermehrte Teilnahme an Wallfahrten und Prozessionen ein öffentliches Zeugnis für ihren Glauben.

Als Karl Leisner 1939 in St. Blasien zur Kur weilte, wurde er aufgrund einer Bemerkung über das Attentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller denunziert, verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Er betrachtete die Zeit im KZ als „Bewährungsprobe christlicher Tugenden“. Im KZ wurde er, bereits todkrank, heimlich zum Priester geweiht. Er starb 1945 wenige Wochen nach der Befreiung den Tod eines Glaubenszeugen für Christus.

Hubert Gindert

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