„Den Himmel gibt’s echt!“ – Eine Betrachtung zum Pfingstfest 2015

„Der Heilige Geist – die unbekannte Gottheit“, so ist oft zu hören. Aber Bibelleser wissen es besser. Denn vielfach sind die Erklärungen vor allem des Neuen Testamentes über den Heiligen Geist.
Wie stellen wir uns ihn vor? Es gibt eine reichhaltige hervorragende Literatur auch in deutscher Sprache über den Heiligen Geist und sein Wirken. Stellvertretend nenne ich nur zwei Werke: das Standartwerk „Der Heilige Geist“ von Yves Kardinal Congar OP und „Die Gaben des Geistes Jesu“ von P. Prof. Norbert Baumert SJ. Aber zu diesem Pfingstfest 2015 möchte ich besonders an die Worte Jesu erinnern, dass den Kindern das Reich Gottes gehört und dass, wenn wir nicht das Reich Gottes annehmen wie die Kinder, wir auch nicht hineingelangen werden. Die „Kleinen“ stehen unter dem besonderen Schutz Gottes; „denn ihre Engel schauen immer das Antlitz Gottes“. Und Jesus dankt Gott dem Vater, dass er Sein Geheimnis den „Großen“ und „Weisen“ verborgen hat, den „Kleinen“ es aber offenbart hat.
Hans Urs von Balthasar schreibt dazu in einer Weihnachtsbetrachtung, dass die Rationalen erst über die Barrieren ihr Vorurteile hinweg klettern müssen, um zur Erkenntnis zu gelangen.
Und nun möchte ich von einem kleinen fast vierjährigen Bub berichten, der für eine kurze Zeit in den Himmel aufgenommen wurde und dessen Vater, ein evangelischer Pastor, Todd Burpo, ein Buch darüber geschrieben hat. Den Titel hat sein Söhnchen ausgesucht: „Den Himmel gibt‘s echt.“ („Heaven is for real“ im Hänssler-Verlag)
Im März des Jahres 2003 erkrankte der fast vierjährige Colton Burpo an einer Blindarmentzündung mit Perforation, die eine ausgedehnte Bauchhöhlensepsis nach sich zog, die zunächst nicht richtig erkannt wurde. Die Ärzte gaben ihn nach zwei Operationen auf. Die im amerikanischen bibel-belt lebenden Eltern bestürmten den Himmel unterstützt von ihrer ganzen Gemeinde und der kleine Junge genas. Ein paar Wochen danach begann er von seinem Aufenthalt im Himmel zu erzählen. Und er berichtete Dinge, die biblisch korrekt waren und die ein so kleines Bübchen gar nicht wissen konnte. Ein Beispiel dafür: Die Mutter hatte in der Frühzeit einer Schwangerschaft ein Kind verloren. Und die immer noch tief verletzten Eltern hatten das den beiden lebenden Kindern, die ja noch so klein waren, verschwiegen. Nun sagte Colton der Mutter, dass er zwei Schwestern habe, was diese verneinte und ihn auf seine lebende Schwester verwies. Aber Colton erzählte, wie im Himmel ein kleines Mädchen auf ihn zugelaufen wäre und ihm gesagt hätte, sie sei seine Schwester und sie sei im Bauch der Mutter gestorben. Die Eltern wussten nicht einmal, dass das verlorene Kind ein Mädchen war.
Ich will hier dieser ganzen Geschichte nicht vorgreifen, sondern dem Leser die Lektüre dieses wunderbaren Buches ans Herz legen. Aber eine Aussage des kleinen Colton will ich doch noch berichten, weil es den Heiligen Geist betrifft. „Weißt Du, Papa, dass Gott drei Personen ist?“ Woher soll ein kleiner Bub dieses große Geheimnis des Glaubens erfassen, das ja nicht einmal der Großteil der Theologen begreift?
Der Vater fragt: wie sieht denn der Heilige Geist aus? „Hmm. Das ist schwer … Er ist irgendwie blau.“
Eine unglaubliche Aussage! Zunächst, sagt der Bub in seinen kindlichen Worten, dass man den Heiligen Geist nicht richtig beschreiben kann, dass er aber Person ist; denn Colton hat auf einem Kinderstühlchen neben ihm gesessen. Dann assoziieren wir die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit eher mit dem Weiß der Taube und mit dem Rot des Pfingstfeuers. In der Darstellung der hochschwangeren Maria im Tempel auf dem Isenheimer Altar des Matthias Grünewald in Colmar trägt die anbetende Muttergottes, die Braut des Heiligen Geistes, eine Flammenkrone und ihr Haupt ist von einem leuchtend roten Nimbus umgeben.
Warum sieht der kleine Colton ihn also als „irgendwie blau“? „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde… und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ Blau ist die Farbe des Himmels und des Himmlischen. Nach antiker Naturauffassung war das Himmelsgewölbe etwas Feststehendes. „Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen, ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes“ (Ps.33,6) Durch den Hauch seines Mundes, den Heiligen Geist, wurde auch dem Menschen das Leben eingehaucht. Blau ist die Farbe des Himmels, den wie die Erde Gottes Hauch geschaffen hat. Blau ist die Farbe des Mantels der allerseligsten Jungfrau und ewigen Braut des Heiligen Geistes. Blau hat auch an der Farbe des Purpurs teil. (Dorothea Forstner OSB: Die Welt der Symbole)
Der (blaue) Himmel, geschaffen durch den Geisthauch, ist es , den der Heilige Geist in uns Menschenkindern entstehen und wachsen lässt. Der heilige Paulus drückt das so aus: „Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und das der Geist Gottes in euch wohnt?“ Der Dichter Angelus Silesius fasst all dieses in dem Vers zusammen: „Halt an! Wo läufst Du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du ihn anderswo, du fehlst ihn für und für.“
Der Heilige Geist ist es, der in uns den Himmel bewirkt und uns dieses gewahr werden lässt. Und so können wir verstehen, dass der Heilige Geist, der höher ist als all unser Begreifen, aber unsere Herzen in Christus Jesus bewahrt, wie Paulus im Philipperbrief sagt, auch „irgendwie blau“ ist wie es das kleine Kind Colton gesehen hat.
Bitten wir an diesem Pfingstfest den Heiligen Geist intensiv, dass Er in uns den Himmel Gottes bewirkt und wachsen lässt und uns an alles erinnert, was Jesus gesagt hat.
In diesem Sinne allen Lesern ein gesegnetes, „blaues“ Pfingstfest.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf „Den Himmel gibt’s echt!“ – Eine Betrachtung zum Pfingstfest 2015

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Eine große Aussage des kleinen Colton, der die nicht mehr lebende kleine Schwester im Himmel gesehen haben will. Sie macht deutlich, dass die Beseelung des Menschen offensichtlich mit Vereinigung von Ei- und Samenzelle beginnt. Die vielen abgetriebenen Kinder der Erde sind hoffentlich an demselben guten Ort, wobei diese von ihren Müttern und Anverwandten nicht gewollt waren. Mögen sie alle Liebe an diesem Ort finden, von dem Colton erzählt hat, eine Liebe, die sie von ihren Müttern und Tötungsbefürwortern wohl im irdischen Leben nicht erhalten hätten. Eine mehr als erfreuliche Aussage.
    Worte können offenbar den Heiligen Geist nicht beschreiben so wie Gott unbeschreiblich ist.
    Danke für den Text.

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