Die Kirche hat noch Reserven.

Der nachfolgende Artikel von Prof. Hubert Gindert soll nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen, sondern den mutlos gewordenen Katholiken zeigen, dass es in der Geschichte immer wieder bedeutende Ereignisse gab, die wieder hoffen ließen in scheinbar auswegslosen Lagen. Viele loyale Katholiken wenden sich an das Forum Deutscher Katholiken und dessen Vorsitzenden in fast depressiver Stimmung über die Lage in ihren Ortskirchen. Denen soll hier geantwortet werden. (Die Redaktion)

Die Christen sind vom Evangelium her aufgefordert, für die Wahrheit einzustehen und auch dafür zu kämpfen.
Die katholische Kirche in Deutschland steht in einer Krise. „Die Kirchen sind leer, die Ansichten der Getauften zu Ehe, Familie, Sexualmoral und Glück unterscheiden sich kaum noch von denen der Nichtchristen“. (George Weigel, kath.net 22.5.15) In dieser Situation sehnen sich die Gläubigen nach Hoffnungsträger, die sich nicht mit der Krise abfinden, nach Hirten die mit Bekennermut vorangehen und die Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Lähmung und Verzagtheit in Hoffnung, Mut, neues Selbstbewusstsein und Aufbruchsstimmung umwandeln. Manchmal kann die Kirche etwas von der „Welt“ lernen. Ein Beispiel:
Am 18 Juni 1940 richtete General De Gaulle einen Appell an die Franzosen. Das war ein historisches Ereignis mit weitreichenden Folgen. Frankreich hatte den Kampf gegen Deutschland eingestellt. Das ganze Land stand unter einer Schockwirkung. Der gebrochene Widerstandswille hatte eine Vorgeschichte. Die historische Erfahrung, dass ein Land bereit sein muss, seine Freiheit gegen aggressive Nachbarn zu verteidigen und das auch deutlich zu machen, war vergessen worden. Trotz der von Hitler befohlenen Aufrüstung, waren die Verantwortlichen in Frankreich nicht bereit, die Armee zu modernisieren. De Gaulle hatte vier Denkschriften verfasst, um auf die Dringlichkeit dieser Aufgabe hinzuweisen. Nachdem Hitler Österreich dem Reich einverleibt hatte und die Tschechoslowakische Republik zwang, seine erpresserischen Forderungen zu akzeptieren, nahm Frankreich diesen Vorgang hin, obwohl es vertraglich zum Beistand verpflichtet war. Als dann Hitler einen Korridor von Polen forderte, um einen Landzugang zu Danzig herzustellen, bestand erneut Kriegsgefahr. Von französischen Gazetten wurde das Geschehen mit der Überschrift „Mourir pour Danzig?“ (Sterben für Danzig?) kommentiert. Wegen des gelähmten Widerstandswillen und der unzureichenden Bewaffnung waren die französischen Streitkräfte dem deutschen militärischen Ansturm nicht gewachsen. Sie kapitulierten. Da wandte sich De Gaulle von London aus an die Franzosen: „Die Regierung hat den Kampf gegen die Deutschen eingestellt. Aber ist damit das letzte Wort gesagt? Muss deswegen die Hoffnung verschwinden? Ist deswegen die Niederlage endgültig? Nein! Glaubt mir, der in Kenntnis der Ursachen spricht, Frankreich ist deswegen nicht verloren. Denn Frankreich ist nicht allein! Es hat ein gewaltiges Imperium hinter sich. Es kann mit Großbritannien, das den Kampf fortsetzt und die Meere beherrscht, einen Block bilden. Frankreich kann wie Großbritannien die gewaltige Industriemacht der USA nutzen. Dieser Kampf ist nicht auf unser unglückliches Land begrenzt. Es ist ein Weltkrieg. Die Flamme des Widerstandes darf nicht erlöschen!“
General Jaques Massu beschreibt die Situation. Er war damals als junger Kolonialoffizier in Afrika. Zusammen mit anderen Offizieren hatte er im fernen Tschad mit Entrüstung und tiefer Niedergeschlagenheit von der Niederlage erfahren. Als sie den Appell De Gaulles hörten, stellten sie sich ihm sofort begeistert zur Verfügung um den Kampf von Afrika aus fortzusetzen.
Das liest sich alles sehr „säkular“ und hat scheinbar nichts mit der religiösen Krisensituation in Deutschland zu tun. Aber der Aufruf De Gaulles ist ein Beispiel, wie Menschen wieder aufgerichtet werden. Auch die religiöse Auseinandersetzung, in der wir stehen, ist ein Kampf, wenn auch ein geistlicher – und es gibt Parallelen: Auch die lehramtstreuen und romverbundenen Katholiken Deutschland sind nicht allein. Sie sind nicht isoliert, sondern Teil der weltumspannenden Universalkirche. Es gibt eine Minderheit der deutschen Bischöfe, die sich nicht dem Druck der veröffentlichten Meinung und der im ZDK vertretenen katholischen Organisationen beugen. Es gibt Bischofskonferenzen in Europa, so in Polen, der Slowakei, Italien, Spanien, in Afrika, Asien und Lateinamerika, die dem Zeitgeist widerstehen.. Die Ursachen für die religiös-kirchliche Situation in der deutschen Ortskirche sind bekannt. Sie wurden aber nicht abgestellt. Die Stimmen der deutschen Ortsbischöfe, die aussprechen, was der Glaube der katholischen Kirche ist, werden von den Gläubigen begeistert aufgenommen. Die neuen Medien helfen, dass es neben den offiziellen Kanälen auch andere Möglichkeiten der Information für die Gläubigen gibt. Hinzu kommen Ressourcen, die im säkularen Bereich nicht zur Verfügung stehen. Das sind die tausende von Katholiken, die heute mit ihrem Leben Zeugnis für den Glauben geben. Es ist aber vor allem die Zusage des Herrn, dass der Heilige Geist über die Wahrheit wacht und dass die Mächte der Unterwelt die Kirche nicht überwältigen können.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Die Kirche hat noch Reserven.

  1. Michael Rieger sagt:

    Die Kirche hat noch Reserven… Schon vor längerer Zeit wurde eine evangelische Kirche ein paar Straßen weiter umgewidmet und veräußert, an eine muslimische Gemeinde. Der hochaufragende Turm hat sicherlich dazu beigetragen, dass die neuen Besitzer Gefallen an diesem Objekt gefunden haben. Der Verkauf liegt schon eine gewisse Zeit zurück, die Umarbeiten haben sich hingezogen und so prangte auf dem hohen Turm weithin sichtbar noch ein goldenes Kreuz. Bis heute morgen. Jetzt ist es verschwunden, hin und fort und weg. Ein wahrer Schlag in die Magengrube. Was bleibt, ist ein Loch, eine Leerstelle, ein Nichts. Wir alle wissen, welches Symbol dort alsbald aufgerichtet werden wird. Nun könnte man einwenden, ja, das machen die Evangelen halt so, die Protestanten verkaufen ihre leeren Kirchen an die Moslems, das ist schon übel, das ist Selbstaufgabe und die natürliche Folge all der liberalen Larifari-Töne aus dieser Ecke. Auch wenn es erhebliche Differenzen gibt, sieht es bei den Katholiken aber nicht so viel besser aus, was die leeren Kirchen in unserem Land angeht – und die aktuellen Nachrichten aus Holland sind auch keine Ermunterung (1000 katholische Kirchen müssen wahrscheinlich schließen). Ich bin aber auch, wie Herr Gindert, davon überzeugt, dass die Kirche noch manche Reserven hat – es ist aber unstreitig, dass sie diese Reserven jetzt und heute mobilisieren muss. Sonst bleiben auch von den anderen Kreuzen, die noch in den Himmel ragen, nur Leerstellen übrig, Lücken und Fragezeichen. Sonst bleibt der geistliche Kampf, der längst begonnen hat, nur eine Phrase. Sonst bleiben all die Bemühungen, die auch hier angestellt werden, vergebliche Wehklage. Und das darf nicht sein. – Als ich eben gesehen habe, wie das Kreuz verschwunden war, nicht mehr da war, unwiederbringlich verloren war an diesem Ort (und dass es ein evangelischer Ort war, soll uns hier eben keine Beruhigung sein), war mir klar, dass mit dem Kreuz eine Substanz verschwunden ist, ein Symbol, das für all das steht, was uns mit dem Kern unserer Geschichte verbunden hat. Wenn wir also auch künftig eine Geschichte haben wollen, dann dürfen die Reserven nicht länger ungenutzt bleiben, dann müssen sie als der große Schatz, den wir hüten, so sichtbar wie nur möglich zum Funkeln gebracht werden.

  2. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Nun, militärisches Aufraffen zum Kampf gegen eine militärische Übermacht scheint etwas anderes zu sein als letztlich einen geistlicher Kampf gegen den Zeitgeist eines immer säkularer werdenden Glaubens, der sich mit der staatlichen Gesetzesmacht zunehmend kompatibler zeigt. Nationalpatriotismus ist bei den Menschen wohl leichter erreichbar als eine innerkatholisch geistige Erneuerung. Die Entweltlichung raus aus dem Steuersystem findet nicht viele ernsthafte Befürworter. Zu wohlig ist der finanzielle Reichtum. Zunächst einmal müssen sich die katholischen Christen erst einmal finden in den Gemeinden und Diözesen und sich vernetzen wollen. Die Weltkirche anderer Länder haben leider auch mit sich selbst eigene Probleme, diesem Zeitgeist wirksam zu begegnen und mischt sich nicht in fremde Diözesen anderer Länder ein, höchstens ein Machtwort des Papstes. Wir müssen uns da schon selbst aus dem Sumpf ziehen. Es nutzt auch nicht viel, die Älteren zusammen zu trommeln. Es muss eine geistliche Erneuerung im Jugendbereich geben. Von wem soll diese kommen? Es zieht Jugendliche ja mehr zu anderen Religionen, z. B. zum Islam als zum Katholizismus. Die Jugendlichen lassen sich z. B. in Sachen kath. Sexualmoral kaum mehr etwas erzählen. Die Jugendlichen wollen Antworten auf die Dreieinigkeit. Allgemeinplätze sind in, keine hochtheologischen Differenzierungen sind gefragt, nach dem Vakuum der jahrzehntelangen Abstinenz kath. Aus- und Fortbildung. Lieber werden Fronleichnamsprozessionen ökumenisch gestaltet denn als Zeichen bekennenden katholischen Brauchtums verstanden. Die Manie, alle Religiionen am liebsten unter ein Dach zu stellen, lässt allzuviele Jugendliche religiös immer beliebiger und relativistischer denken und nicht nur Jugendliche. Für sie ist es doch egal, ob jüdisch, islamisch, evangelisch oder katholisch. Erst einmal Bestandsaufnahme machen, seinen Standpunkt klar herausarbeiten und verkünden. Das aber kann nur Kleininselverkündung sein. Inwieweit diese Erfolg haben wird gegen eine katholische Kirche in Deutschland, deren Schiff so bibelkritisch und zeitgeisthörig und gottbeliebig taumelig glaubt, ist ohne den Hl. Geist wohl kaum zu schaffen, zumindest nicht nach menschlichem Ermessen. Zu groß ist die die zeitgeisthörige innerkatholische Lobby sowohl in der Kirchenführung als auch an der Basis, die das Kirchenschiff auf dem Kurs in die relativisitische Ecke des Glaubens steuert, als dass ihr da nennenswerter Widerstand entgegentreten kann. Offenischtlich müssen erst tragische Ereignisse stattfinden, um zu einer innergeistlichen Reinigung zu kommen. Ein „verkündeter“ Jesus wird da wohl nicht weiterheilfen, wenn diese Ereignisse eintreten, wohl jedoch ein historischer Jesus, dem abgenommen werden kann, dass er der Weg die Wahrheit und das Leben ist, ist da wesentlich glaubwürdiger.

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