Die Befreiung am 8. Mai 1945

Die Alliierten dachten bei der Eroberung Deutschlands im Frühjahr 1945 nach eigenem Bekunden zwar nicht an die Befreiung der Deutschen, sondern vielmehr an die Eroberung Deutschlands und die Zerschlagung des Nationalsozialismus. Dennoch fühlten sich wohl die meisten Deutschen am 8. Mai 1945 als befreit vom Joch des nationalsozialistischen Terrors. Nicht befreit fühlten sich dagegen die letzten Nationalsozialisten und vor allem die zahllosen Frauen, die besonders im sowjetrussischen Besatzungsbereich grausam vergewaltigt wurden. Auch die 13 Millionen Heimatvertriebenen fühlten sich nicht befreit. Befreit fühlten sich auf jeden Fall die Überlebenden aus dem deutschen Widerstand, für die schon im März 1933 das erste KZ in der Nähe von Dachau errichtet worden war. Die Häftlinge kamen aus allen sozialen Schichten und aus allen politischen Lagern – ausgenommen natürlich die herrschenden Nationalsozialisten. Als befreit fühlten sich natürlich auch die etwa 25.000 katholischen Priester in Deutschland, von denen mehr als die Hälfte von der Geheimen Staatspolizei überwacht wurde.
Dankbar für die Befreiung waren vor allem die Priester in den Gefängnissen und in den KZs.
Wenn wir an die 2756 Priester allein im KZ Dachau erinnern, so dürfen wir auch die Priester nicht vergessen, die in den Gefängnissen und in den KZs in Borger Moor, in Sachsenhausen, in Buchenwald und in Gusen schon zu Tode gemartert und in Dachau gar nicht registriert wurden. Für viele Häftlinge – Priester wie Laien – kamen die alliierten Truppen um wenige Wochen oder sogar nur Tage zu spät. So auch für die bekannten Persönlichkeiten wie Theodor Haecker, Johann Adlhoch und Rechtsanwalt Adolf von Harnier. Die Zahl der toten Priester mit weit über tausend ist deshalb so hoch, weil der katholische Klerus zu 99,6 % fast geschlossen das NS-System ablehnte. Von einem Riss zwischen Tätern und Opfern in der katholischen Kirche kann also gar keine Rede sein. Das hat zwar jüngst eine gemeinsame bischöfliche Erklärung glauben machen wollen. Die ehemals katholischen Laien, die tatsächlich Täter wurden, waren längst keine Katholiken mehr. Die Opfer ruhen nun bei Gott. Die Täter aber wurden längst dem Gericht Gottes und dem Urteil der Geschichte überantwortet.

Eduard Werner

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