Was treibt deutsche Jugendliche in die Arme des radikalen Islam?

Etwas das uns alle aufschrecken sollte, wurde noch einmal in dem sonntäglichen Dreiergespräch mit Peter Hahne am vergangenen Sonntag deutlich. Ein deutscher Vater berichtete, dass seine beiden Söhne – 22 und 18 Jahre alt – sich vom IS haben anwerben lassen und zum Kampf nach Syrien ausgereist sind. Er sagte, dass aus der Kleinstadt, aus der er komme, 40 Jugendliche (sic!) in den Nahen Osten gereist sind. siehe:
http://www.kath.net/news/50933
Was bringt so erstaunlich viele junge deutsche Menschen ohne Migrationshintergrund – mit wachsender Zahl – dazu, sich der radikalen Form des Islam anzuschliessen? Die Gründe dafür sind sicher vielfältig und sollten schnell unersucht werden. Einige sind aber jetzt schon klar zu erkennen und benennbar.
Zunächst einmal sind Jugendliche für geschickte Dämagogen, die sie mit falschen Versprechungen in ihr tödliches Netz locken, leichter zu ereichen besonders, wenn sie nicht durch ein intaktes Elternhaus innerlich geprägt und gefestigt sind. Aber selbst bei normalen familiären Verhältnissen erleben wir mit wachsender Zahl Konversionen junger Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten zum Islam. Der oben genannte Artikel von kath.net spricht von „Verblendung“ und „Druck“, unter den die Jugendlichen gesetzt werden. Hinzufügen muss man, dass dazu noch verlockende Schalmeienklänge wie beim Rattenfänger von Hameln und falsche Versprechungen hinzukommen.
Wir leben in einer Gesellschaft, die immer orientierungsloser wird und in der seit sehr vielen Jahren die Verwirrung der Geister geradezu zum Ideal erhoben wird, die Gesellschaft durch eine einzige politisch-ideologische Meinungsbildung in eine Richtung gedrängt wird, die alle Werte, auf der unsere Kultur beruht, über den Haufen zu werfen im Begriff ist. Und das wird dann Freiheit genannt und vom Europäischen Parlament abgesegnet. Das natürliche Schamgefühl soll den Kindern durch diese Politik schon im Kingergarten ausgetrieben werden, ein Schaden, der nach Meinung von Experten seit Sigmund Freud nicht mehr gutzumachen ist. (Schamlosigkeit und Schwachsinn liegen beieinander) Den Menschen wird per Gesetz aufoktroyiert, dass es 60 (!) und nicht zwei Geschlechter gibt, die man sich beliebig wählen kann. Junge Menschen, die noch um die Festigung ihrer sexuellen Identität und um ein Ziel im Leben kämpfen, verlieren immer mehr die Richtung und begeben sich auf die Suche nach klaren Orientierungsgrundlagen. Und hier haken die Rattenfänger des radikalen Islam ein. Sie gaukeln den Jugendlichen vor, dass sie im Islam ein festen Rahmen finden, der ihnen den gesuchten Halt im Leben gibt. Der Islamwissenschaftler und Journalist Torsten Gerhard Schneiders sagte im Hahne-Gespräch am Sonntag, die Hinwendung von Jugendlichen zum Islamismus habe nicht nur mit Religion zu tun. Dem möchten wir entgegenhalten, dass 2000 Jahre die Menschen in Europa Orientierung, Hoffnung und Zuversicht aus der Religion, dem Christentum erhalten haben, dessen weitgehenden Zusammenbruch wir heute in Europa und besonders in Deutschland erleben. Bei der evangelischen Kirche ist er in weitesten Kreisen (bis auf die Bekennenden) vollzogen und die katholische Kirche scheint sich mehrheitlich zu bemühen, dem nachzufolgen. Kein energisches und klares Wort der Deutschen Bischofskonferenz gegen die Genderideologie unter Missachtung der zahlreichen päpstlichen Äußerungen. Im Gegenteil: die Genderpraktizierung der Deutschen Caritas in ihren Kindergärten wird wohlwollend geduldet. Die sogenannte „Lebenswirklichkeit“ der Menschen ( der Mode und dem Zeitgeist unterworfen) wird neben die Heilige Schrift und die Tradition gestellt und es wird etwas rätselhaft von einer „Theologie der Liebe“ gesprochen. Ja was hat denn die Kirche 2000 Jahre lang für eine Theologie betrieben, angefangen von dem Hohen Lied der Liebe des heiligen Paulus bis hin zur „Theologie des Leibes“ des heiligen Johannes Pauls II. und der Enzyklika „Deus Caritas Est“ Benedikts XVI.? Oder hat man heute bei der Mehrheit der deutschen Bischöfe vergessen, dass zur Liebe unbedingt Konsequenz gehört. Und so besteht bei sehr vielen Menschen der Eindruck, dass mit einer so betonten, als neu erscheinenden „Thologie der Liebe“ eine Gefühlsduselei nach Rosamunde Pilcher entstehen könnte. Soll dieses Schwanken zwischen Zeitgeist und dem Mammon einer Teilkirche den Jugendlichen Halt und Orientierung geben? Wo bleibt der bischöfliche „Marsch für das Leben“, wie das in der amerikanischen Kirche üblich ist?
Der Zusammenbruch von ganzen Kirchengemeinden, auch solchen, die bislang noch einen sehr hohen Kirchenbesuch hatten, ist für viele bischöfliche Ämter kein Thema. Strukturen, Bistumssynode und Finanzen sind deren Thema, während viele Gemeinden zusammenbrechen auch durch das Versagen mancher Priester.  Viele der guten Priester stehen in der Gefahr der Resignation.
Bei einem solchen rational gar nicht zu erklärendem Versagen von Politk, Medien und Kirchen darf man sich nicht wundern, dass ein allzugroßer Teil der Jugendlichen keine Orientierung mehr findet und sie an giftigen Quellen sucht.
Bleibt noch die ernste Frage an die Bundesregierung und an die Landesregierungen und damit an alle Parteien des Bundestages: Was haben die IS-Kommissäre, die Salafisten-Häuptlinge und andere islamistische Scharfmacher überhaupt noch in Deutschalnd zu suchen? Das fragen sogar Muslime. Worauf warten Sie, meine Damen und Herren? Etwa dass der Wähler die Fragen löst? Das wird über kurz oder lang der Fall sein.

Michael Schneider-Flagmeyer

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4 Antworten auf Was treibt deutsche Jugendliche in die Arme des radikalen Islam?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Das ist sicher alles richtig, was von Herrn Dr. Schneider-Flagmeyer und den Kommentatoren herausgearbeitet worden ist. Die Misere in der eigenen Kirche wurde einmal mehr zutreffend beklagt. Dass Jugendliche in früheren Zeiten noch einigermaßen rational faßbar demonstrierten, wissen wir. Diese gegenwärtige Erscheinung ist jedoch nicht vollumfänglich begründbar.

  2. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Wir dürfen nicht vergessen, dass deutsche Jugendliche wohl ernsthaft zum ersten Mal mit religiösem Gedankengut konfrontiert werden und dort bequeme schwarz-weiße Muslim-Feindbildlösungen angeboten bekommen, die sie mental und spirituell ausruhen lassen. Jesu Lehre dagegen setzt völlig andere Religionsmaßstäbe voraus, die Freiheit in Liebe zu Gott und seinen Geboten das eigene Leben zu gestalten versuchen.

    Darüberhinaus bieten diese Gruppen ein Zusammenhörigkeitsgefühl an, welches in dieser atheistisch-säkularen Welt kaum noch zu spüren und auch nicht gewollt ist. Der Zusammenhalt wurde seit den 68ern peu à peu bewusst zerstört. Da hat auch die Kirche hier vollends versagt. Der nächste Schritt zum religiösen Fanatismus blüht in einer solchen geschlossenen Gesellschaft so richtig auf und ist dann letztlich ein folgerichtiger Schritt. Diese Jugendlichen fühlen sich verstanden und vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben so richtig ernstgenommen. Das Feindbilddenken des Korans, also des Islams ist es, welches hier in Deutschland und auf der Welt öffentlich diskutiert, ja als religiös-desolate Fehlleistung eines „Siegel“-Propheten herausgearbeitet werden müsste. Genau diese ist somit dort religiöse Struktur, die den Zusammenhalt der islamischen Gemeinschaft fördert. Stattdessen wird der geistlich-bodenlose rote Teppich einer Religion ausgerollt, die unsere Toleranz schon längst als feige Schwäche erkannt und entlarvt hat und diesen Umstand für ihre Zwecke nutzt. Der zweite Grundfehler war und ist es, den Islam lediglich als Religion zu verstehen. Er ist eine religiös motivierte Gesellschaftsordnung, also ein geschlossenes System. Den Grundstein hierfür hat derselbe Prophet gelegt, als er erkannte, dass mit politischen Mitteln als Feldherr gewalttätige Missionierung natürlich alles im Auftrage des islamischen Gottes betrieben werden konnte. Diese zwei Grundübel müssen sowohl von Christen als auch von Poltikern endlich angeprangert werden und nicht toleranzversunken mit dem Mäntel der Liebe zugedeckt werden. Feindbilder haben zu allen Zeiten Kriege und Streit in die Welt gebracht, ob sie nun religiöser oder atheistisch-ideolgoischer Natur waren. Die 10 Gebote hat der Prophet des Islams nie befolgt und diese können im Namen des islamischen Gottes jederzeit außer Kraft gesetzt werden, wenn es dem Islam dient, zumindest hat der Prophet des Islams nach eigenem islamischen Bekunden dies so vorgelebt.

    In diesem Milieu des Feindbilddenkens wird das Raster des Hasses und der legitimen Rache erst hofffähig. Mit gutem Grund hat die Kirche seit ihrem Bestehen nie definitiv bestimmt, dass ein bestimmter Mensch in der Hölle landet. Das wurde einzig und allein Gott überlassen. Im Islam ist das völlig anders. Da wird von vornherein der Nichtmuslim als Höllenanwärter abqualifiziert. Während im Christentum Glauben, Hoffnung und besonders die Liebe zu Jesus in liebender Freiheit der Hauptbestandteil des christlichen Glaubens unter Trennung von weltlicher Macht die Hauptrolle spielt, ist im Islam der gehorsamssklavenhafte Glaube das Erkennungsmerkmal als Lebenselixier auszumachen. Da wird schon mal Gutes zu Bösem und Böses zu Gutem. Die Christenverfolgung und die Verfolgung anderer Menschen, besonders der Konvertiten, die als Muslime zum Christentum oder einer anderen Religion wechselten und noch heute wechseln ist bis heute eine Menschenrechtssünde erster Klasse. Dies wird aber sowohl von Kirche als auch von der Politik in Toleranzschwäche fast ausgeblendet. Und deshalb machen sich Kirche und Politik unglaubwürdig, ja und auch mitschuldig am Leid dieser Verfolgten und belegen die Gesellschaft mit Denk- und Meinungsverboten, die in vorauseilendem Gehorsam den Islam als lupenreine Religion erscheinen lassen. Die Wahrheit ist des Öfteren unbequem. Sie erfordert klares Unterscheidungsvermögen und Bekenntnis zu Jesus, dem biblischen Jesus, nicht dem Isa des Korans.

  3. Eduard Werner sagt:

    Die wichtigste Ursache für die Anfälligkeit unserer Jugendlichen ist wohl unsere allgemeine Orientierungslosigkeit. Woher oder von wem könnte denn Orientierung kommen? Von den katholischen Bischöfen, die zur Gender-Ideologie schweigen? von den evangelischen Landeskirchen, die die Homosexualität begrüßen und sogar ein Gender-Institut gründen? Von einer Bundeskanzlerin, die eine sehr zerbrechliche Mehrheit hat?
    Oder von den linkslastigen Medien, die sich weigern, von den Gender-Plänen der rot-grünen Regierung in Stuttgart zu berichten? Oder vom so genannten ZdK? Oder von Bischöfen, die keine Filiale von Rom sein wollen und stattdessen die sündige Lebenswirklichkeit zur Richtschnur erheben? – Wir halten dagegen und lesen Kath.net und blog. forumdeutscherkatholiken. Auch wenn wir unterliegen sollten, so wissen wir doch: Wir haben auf der richtigen Seite gekämpft. Und das genügt. Eduard Werner

  4. Michael Rieger sagt:

    Natürlich treibt nicht zuletzt der Relativismus die jungen Leute in die Arme des Fanatismus. Unsere Gesellschaft, unsere Kultur ist immer weniger in Lage, orientierende Werte zu vermitteln, ganz gleich in der welcher Hinsicht. Und dieser Werte-Relativismus, deren jüngste Blüte die Gender-Ideologie ist, macht die Angebote radikaler Sinnstiftung umso verlockender: so erhoffen sich die jungen Erwachsenen endlich Antworten auf im wahrsten Sinne des Wortes fundamentale Fragen. Endlich fühlen sie sich nicht nur losgelöst, sondern gebunden, eingebunden. Endlich hat das, was sie tun, eine Bedeutung. Sie fügen sich ein in ein überpersönliches System und erfahren dadurch auch eine Aufwertung ihres bisher unsicheren Ichs.
    Böten unsere Gesellschaft und Kultur einschließlich der religiösen Institutionen und Organisationen eine bessere und klarere Orientierung und Verbindlichkeit, dann, so darf man anehmen, würden manche jungen Leute sich nicht auf den Irrweg des IS, nicht auf den Kriegspfad begeben.
    Aber übersehen wir auch nicht den eklatanten Mangel an Differenzierungsvermögen und persönlicher Verantwortlichkeit – wer sich dem Kult der Gewalt sehenden Auges hingibt, der leidet nicht nur am Relativismus unserer liberalen, säkularen Gesellschaft. Es ergibt sich doch fast zwangsläufig eine Parallele zur RAF: in anderen welthistorischen Zusammenhängen bot auch hier der Terrorismus eine scheinbar plausible, übersimplifizierte Sicht auf die Welt. Freund und Feind waren sehr klar geschieden. Auf Biegen und Brechen, ja, auf Teufel komm raus, soll die Welt so eingerichtet werden, wie man sie sich vorstellt. Ein solcher Voluntarismus muss im Exzess enden.
    Was also treibt deutsche Jugendliche in die Arme des radikalen Islam? Die Widersprüche unserer Gesellschaft, der tumbe Relativismus, die absolute Herrschaft des Säkularen – ja, sicher. Aber erklären diese Phänomene auch hinreichend den Grad der Menschenverachtung, der mit einer Parteinahme für den IS und ähnliche Gruppen einhergeht?

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