Faschingsnachlese – z.B Mainz

Der Karneval bzw. Fasching hing von Anfang an mit der katholischen Kirche zusammen, ja ging aus ihr hervor. So wurde und wird Karneval (Fasching) in vornehmlich katholischen Gebieten gefeiert. Der Verfasser dieser Nachlese stammt aus dem evangelisch geprägten Tal der Wupper, wo die Kinder mit dem Zylinder, dem Gesangbuch und dem Regenschirm auf die Welt kommen und wo die Katholiken seit der Reformation in der Diaspora leben. Kurz: ich bin kein Karnevalist. Aber einen Termin halte mir ich seit Jahrzehnten gerne im Karneval frei. Und das ist der Karnevalsfreitag mit der Sendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Warum? Die Mainzer Fastnachtssitzung im Schloß hob sich vom anderen Karnevalsgedöns immer wohltuend ab. Bei aller begrüßenswerter Deftigkeit und kritischer Kommentierung des Landes- und Weltgeschehens, die manchmal auch personenbezogen sehr hart war, strahlte die Sitzung doch immer echten Humor und eine gewinnende Liebenswürdigkeit aus, die von der Mundartlichkeit der Mainzer noch unterstrichen wurde. Das ganze letzte Jahr über habe ich mich über den Schlußvers von Hildegards Bachmanns komischer Sebstbetrachtung amüsiert: „Oben klar und unten dicht, mehr wünsch ich mir für dies Jahr nicht“. Wie oft habe ich diesen Vers zitiert. Auch heuer fing es urkomisch „mänzerisch“ mit der Betrachtung eines „Geschädigten“ des deutschen Handwerks an, der am Schluß seine schon sehr deftige Kritik am deutschen Handwerk liebenswürdig – versöhnlich beendete. Das war „Mainz, wie es singt und lacht“, wie wir es lieben und wo wir mitlachen können.
So war es eigentlich immer in Mainz: Spaß an der Freud. Wir wollen nicht empfindlich und weinerlich sein, wenn auch Dinge in der Kirche scharf durch die Zähne gezogen werden. Hans-Peter-Betz ist seit Jahren als Gutenberg ein Garant dafür, obwohl er in diesem Jahr auch schon sehr böse wurde.
Aber etwas war neu und erschreckend anders in diesem Jahr. Lars Reichow ließ eine in Hochdeutsch vorgetragene, ideologisch eingefärbte wirklich böse Tirade auf die katholische Kirche los, die jeden Humor vermissen ließ und einen schrillen Mißton in die Sitzung brachte. Er wiederholte in scharfem Ton alle Klischees und Feindseligkeiten, mit dem gewisse säkulare Leitmedien seit Jahren die katholische Kirche und ihre Botschaft in großer Oberflächlichkeit überziehen. Er erwies sich schon als Gläubiger dieses medialen „Lehramtes“ . Hier war nun wirklich nichts mehr von „mänzerischen“ Humor und Liebenswürdigkeit sondern nur noch Gehässigkeit und Agitation. Nun könnte man sagen: Laß ihn doch, was kümmerts den Mond, wenn ein Hündchen ihn anbellt. Oder man könnte sagen, die Kirche hat von innen und außen schon so viel überstanden, man sollte das doch lockerer sehen. Einverstanden!
Aber bei vielen Menschen bleibt doch eine gewisse Traurigkeit zurück und die wehmütiger Erinnerung an liebenswertere Zeiten, in denen die Mainzer Sitzung im Schloß ein wirklicher Höhepunkt im Jahr war. Viele Menschen haben uns in Mails und am Telefon enttäuscht und traurig gesagt, dass nunmehr für sie Mainz nicht mehr das singende und lachende Mainz sei und das diese die letzte Sitzung im Schloß für sie gewesen sei. Das ist doch wirklich schade!
Liebe Mainzer Karnevalisten, man möchte mit der Bibel (Apokalypse) sagen: Kehrt zurück zu euren früheren Werken. Für den Christen ist „die Freude am Herrn“, der sich mit seiner Kirche indentifiziert, seine Stärke. Seid kritisch, deftig, komisch und vor allem mainzerisch-liebenswürdig, wie ihr immer gewesen seid. Von meinem Vater habe ich einen Spruch gelernt: „Wenn du jemand in den Poppes trittst, dann tu es so, dass der immer wieder gut aufstehen kann“. Laßt das für Politiker, Handwerker und andere Werker gelten und natürlich auch für Kirchenleute. Trampelt nicht auf der Liebe so vieler Menschen zu ihrer Kirche herum, damit ALLE weiterhin mit Mainz singen und lachen können und mit dem Aschermittwoch nicht alles vorbei ist, sondern der Spaß an der Freud mit durchs Jahr trägt. Helau!

Michael Schneider-Flagmeyer

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4 Antworten auf Faschingsnachlese – z.B Mainz

  1. backinchurch sagt:

    Auch dieses Jahr 2014 ist der faktenresistente Hr. Reichow mit TvE-Häme wieder am Start bei Mainz bleibt Mainz. Er wird – wie bereits in der ARD am 24.2.(Frankfurt: Helau!) seine Gülle über die RKK – aber auch über andere – ausgießen.
    Ob der beim Bistum Mainz beschäftigte „Obermessdiener“ Andreas Schmitt (aufgestiegen zum Sitzungspräsident!) hier gegenhält?
    http://www.wiesbadener-tagblatt.de/lokales/rhein-main/mainz-bleibt-mainz-das-programm-fuer-die-tv-sitzung-steht_13903264.htm

  2. Eduard Werner sagt:

    Seit vielen Jahren sehen meine Frau und ich die Sendung „Mainz bleibt Mainz,wie es singt und lacht.“ Das werden wir in Zukunft nicht mehr tun, damit wir uns im Fasching nicht ärgern müssen. Mainz war Mainz, so lange es sang und lachte. Die grimmige Hetze gegen die Kirche entspring dem Hass und nicht einem fröhlichen Mainzer.

  3. Gertraud Neldner sagt:

    Man darf kritisieren!
    Kritisieren ist ein Grundrecht!
    Auch die Kirche muss sich dieser Kritik stellen.
    Doch Kritik üben verlangt auch Verantwortungsgefühl und eine gewisse Portion Sensibilität.
    Letzteres von einem Karnevalsvortrag zu erwarten, ist wahrscheinlich zuviel verlangt.
    Aber Kritik als Häme, als das bewusste „Fertigmachen“ – dazu sollte auch die Bütt´ nicht herhalten müssen.
    Einem durch permanent geübten öffentlichen Spott ohnehin verunsicherten und angeschlagenen Gegenüber zusätzliche Fußtritte zu verpassen, hat nichts mit Narrenfreiheit, sekt- und weinseliger Faschingslaune zu tun, sondern schlicht mit miesem Charakter.
    Aber: Warum sollten nicht auch Narren fragwürdige Charaktereigenschaften haben?
    Auch sie sind Sünder, wie wir alle!
    Jetzt, in der beginnenden Fastenzeit ist viel Zeit für tätige Buße!

  4. Gerhard Neubert sagt:

    Sofern ich der Mainzer Zeitung und dem SWR glauben kann, hat der SWR Herrn Reichow „durchgedrückt“. Zitat:
    „Konzept aufgegangen
    Das Konzept, die politisch-literarische Tradition der Mainzer Fastnacht mit vier Vorträgen in den Mittelpunkt zu stellen, sei aufgegangen, so der verantwortliche Redakteur Günther Dudek über den Erfolg. Nach „Till“ …. und Betz habe sich Reichow bei seiner „Mainz bleibt Mainz“-Premiere in diese erfolgreiche Riege eingereiht als „Anchorman der Fastnachtsthemen im Elften“.
    Mein Eindruck: Schon wieder gebührenfinanzierte Katholikenhetze!

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