Das rettende Seil der Entweltlichung.

Die Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten ist mit der Zusage Jesu verbunden „Er wird euch in alles einführen, was ich euch gesagt habe“. Ein solches Wort Jesu ist „Passt euch nicht dieser Welt an!“ Was ist mit „Welt“ gemeint? Es sind die Gott abgewandten Menschen, die im Widerspruch zu Gott stehen, ihn ablehnen. Ihr Verhalten wird in der Rede der „Gottlosen“ im Buch der Weisheit, ca. 50 vor Christus, beschrieben. Dort heißt es: „Kurz und traurig ist unser Leben … Und es gibt keine Rückkehr an unserem Ende. Wohlan denn! Lasst uns das Leben genießen und die Schöpfung auskosten wie in der Jugend“ (Weish 2,1,5,6). Das Wort Jesu wurde vor 2000 Jahren gesprochen. Was hat sich inzwischen an der im Buch der Weisheit beschriebenen Geisteshaltung geändert? Was ist hinzugekommen? Da ist einmal der Fortschrittsglaube. Die Meinung durch Wissenschaft und Technik ließen sich alle Probleme lösen. Die Errungenschaft von Wissenschaft und Technik stoßen aber an immer neue Grenzen. Und weil die Moral nicht Schritt hält, können Fortschritte sogar zur Bedrohung werden: Die Atombombe stellt eine größere Gefahr als die Steinschleuder dar. Was kommt noch hinzu? Es ist die Forderung nach absoluter Freiheit und Selbstbestimmung gegenüber allen Normen, Bindungen und Traditionen.
Dem in die Welt tief verstrickten Menschen hat Papst Benedikt XVI. in seiner Freiburger Rede das rettende Seil der „Entweltlichung“ zugeworfen. Benedikt spricht hier von der Kirche. Sie umfasst die Gemeinschaft der Gläubigen. Das Wort Papst Benedikts XVI. wurde nicht aufgegriffen. Tatsächlich haben wir in jüngster Zeit eine Reihe von Beispielen der Anpassung an den Zeitgeist aus der deutschen Ortskirche:
Auf der Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe hat der Vorsitzende mit Blick auf die Familiensynode im Oktober in Rom das Bemühen der Bischöfe unterstrichen „neue Wege zu gehen“ und „mitzuhelfen, dass Türen geöffnet werden“. Die Bischöfe möchten nach der Synode ein eigenes Hirtenwort zu Ehe und Familie veröffentlichen. „Aufgabe der Bischöfe sei es nicht, auf Erlaubnis zu warten. Wir sind keine Filiale Roms“.
Im April haben die Bischöfe der deutschen Ortskirche „zu gut zwei Drittel“ die bisherigen Loyalitätsanforderungen an Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen an den Wünschen der veröffentlichten Meinung und den im ZDK vertretenen katholischen Organisationen neu ausgerichtet. Der ZDK-Präsident sprach von einem „substantiellen Paradigmenwechsel“.
Im Mai hat das ZDK einstimmig die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und einer zweiten kirchlich nicht anerkannten Ehe, sowie die vorbehaltlose Akzeptanz des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gefordert. Diese Forderungen widersprechen eindeutig der Lehre und Tradition der Kirche.
In dieser Situation halten gläubige Katholiken Ausschau nach Hirten, die sich nicht mit der Krise abfinden, in der die deutsche Ortskirche steht. Sie haben dankbar begrüßt, dass eine Minderheit der Bischöfe der Anpassung an den Zeitgeist widersprochen hat, damit Hoffnungslosigkeit und Lähmung nicht das letzte Wort haben.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Juliheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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2 Antworten auf Das rettende Seil der Entweltlichung.

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Die Frage der Entweltlichung ist m. E. zweigleisig zu stellen:

    a) Entweltlichung der Kirche als Kirche und b) Entweltlichung des einzelnen Katholiken.
    Die Erkenntnisfähigkeit der Unterscheidung, sich für das Gute nach Prüfung zu entscheiden sollte in der Kirche „von Berufs wegen“ vorhanden sein und der Einzelne sollte endlich einmal wieder das NT in die Hand nehmen und auf Jesus lauschen.
    a) und b) sollten einander bedingen, tun sie aber nach dem Artikel und auch in der Kirchenwirklichkeit hier wohl nicht. Es gibt Lagerbildung: Zeitgeisthirten und deren Anhänger gegen Hirten, denen das Wort Jesu noch ein großer Wert darstellt und deren Anhänger, ironischerweise Marx-Anhänger gegen Rom-Anhänger. Zu tief sitzt das Zeitgeistdogma des „mündigen“ Christen, welcher es sich auch jenseits der biblischen Worte Jesu in Einklang mit dem politischen Establishment und der Theologie „der Befreiung vom biblischen Wort“ bequem eingerichtet hat, wie es dem Menschen passt. Der Katholik muss offensichtlich wieder neu ein Gespür über den Heiligen Geist für die Worte Jesu entwickeln, die die Gläubigen durch Predigten von Geistlichen durch verweltiche Interpretation den Lebensumständen der Menschen angepasst haben und nicht den Wünschen und Anliegen Gottes. Dieses Gespür scheint über den Verlust der Volksfrömmigkeit zumindest teilweise verloren gegangen zu sein. Beten wir dafür, dass dieses feine Gespür wieder in den Vordergrund tritt. Und diese empfindsame Stimme wird immer die Seele in Richtung Jesu führen, und zwar in eine Richtung, die dem Zeitgeistdenken zuwiderläuft und den engen Weg zur Himmelspforte wählt.

  2. KH sagt:

    Für die meisten Menschen, die ich kenne, spielt Gott keine Rolle. Oder sie machen sich Gott lt. Pippi Langstrumpf „wie er ihnen gefällt“. Sie stellen sich an Gottes Stelle und glauben alles zu wissen und alles entscheiden zu können. Sie akzeptieren keine Vorgaben und keine Regeln bis sie eines Tages vor einer Wand stehen und herumjammern.
    Was tun? Ich weiß es nicht.
    Ich denke, es fehlen viel mehr „öffentliche“ Menschen, die „öffentlich“ und „laut“ ein Beispiel geben und trotz aller Angriffe, Nachteile und lächerlich machen ihren Glauben bekennen. Und es fehlen viele „normale“ Menschen, die das gleiche machen und sich nicht anpassen.

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