Unheilige Allianzen? Ein Brief von Norbert Geis MdB i.R. an die Konrad-Adenauer-Stiftung

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat am 17.6.2015 eine Ausarbeitung vorgelegt unter dem Titel „Unheilige Allianzen – Radikalisierungstendenzen am rechten Rand der Kirchen“. Unser Kuratoriumsmitglied Rechtsanwalt Norbert Geis, von 1987 – 2013 prominentes Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion, hat am 9.7.2015 in einem Brief an die Konrad-Adenauer-Stiftung auf diese Aussendung geantwortet, dessen Inhalt wir mit seiner Erlaubnis hier wiedergeben.

„Inzwischen habe ich mir die Mühe gemacht und habe die vorgenannte Ausarbeitung gelesen. Es ist ein breit angelegter Versuch, mit vielen Einzelbeispielen den Eindruck zu erwecken, als sei, was als Rechtskatholizismus gebrandmarkt wird, nicht nur eine Gefahr für die Kirche selbst, sondern für die Freiheit unserer ganzen Gesellschaft.
Diese Grundtendenz der Ausarbeitung wird schon ganz am Anfang sichtbar, indem ein Zitat Konrad Adenauers zur Freiheit in Anspruch genommen wird, um auf die Gefahr hinzuweisen, die vom Rechtskatholizismus angeblich ausgeht.
Natürlich stellt sich mir sofort die Frage, wer unsere Freiheit eigentlich wirklich bedroht. Gehört es nicht zum Zeitgeist, dem „Genderwahn“ blind nachzulaufen? Wird nicht der, der sich diesem Wahn widersetzt, sofort als rechtsradikal apostrophiert und damit in die Ecke gestellt und mundtot gemacht? Wer heute auch nur den Anschein von „rechts“ erweckt, der muss mit der vollen Breitseite der gesamten im Grunde links ausgerichteten Presse Deutschlands rechnen. Eine bittere Erfahrung, die ich oft genug selbst habe machen müssen.
Ein weiterer Wahn, der alles niederwalzt, was sich ihm entgegenstellt ist die Propagierung der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften als gleichwertiges Institut neben der Ehe. Wer da nur wagt, eine andere Position zu vertreten, gerät in der veröffentlichten Meinung sofort auf die Abschusslinie.
Darin sehe ich die eigentliche Gefährdung unserer Freiheit. Es ist niemand mehr frei, die homosexuelle Lebensweise offen zu kritisieren ohne dafür nicht als rechtsradikal abgestempelt zu werden. Als ich 2001 als rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion die Berichterstattung für das von der damaligen rot/grünen Regierungskoalition eingebrachte Gesetz zu den gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften übernommen habe, war ich einem solchen Wall an Aggressivität ausgesetzt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Tatsächlich ist mir bei diesen rücksichtslosen Anfeindungen oft genug der Gedanke gekommen meine Familie diesen schmutzigen Angriffen nicht länger auszusetzen. Immerhin haben mir diese kampfbereiten Homosexuellen Morddrohungen ins Haus geschickt.
Darin sehe ich die eigentliche Gefährdung unserer Freiheit. Minderheiten versuchen andere, die nicht ihre Meinung vertreten, regelrecht zu terrorisieren. Das Schlimme nur ist, dass diese Minderheiten fast schon die gesamte veröffentlichte Meinung auf ihrer Seite haben. Kein Wunder, dass es selbst Bischöfe kaum noch wagen, sich diesem Meinungsterror zu widersetzen.
Insoweit geht also diese von der Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlichte Ausarbeitung am eigentlichen Thema vorbei. Von denen, die dort als „Rechtskatholiken“ verurteilt werden geht keine Gefahr für unsere Gesellschaft, unsere Kultur oder gar für die katholische Kirche aus. Das Hilfswerk „Kirche in Not“ leistet gerade für unseren katholischen Glauben große Dienste. Ich gehörte jahrelang dem Vorstand dieses Werkes an. Die Vereinigung von Laien „Forum Deutscher Katholiken“ will nichts anders, als ihren Beitrag dazu zu leisten, dass unser Volk seinen Glauben nicht verliert. Ich gehöre lange Zeit schon dem Kuratorium dieser Vereinigung an. Den Einsatz der Menschen, die dort tätig sind, als Gefahr für unsere Freiheit zu denunzieren, ist völlig absurd. Ich erspare es mir, auf die Einzelheiten einzugehen. Die gesamte Ausarbeitung zeugt von einer großen Wirklichkeitsferne.“

Norbert Geis schließt den Brief mit dem Ausdruck seines Bedauerns, dass offenbar sich nun auch die Konrad-Adenauer-Stiftung der linken Meinungsmache angeschlossen habe. Die Ausarbeitung entspreche mit Sicherheit nicht dem Geist Konrad Adenauers.

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6 Antworten auf Unheilige Allianzen? Ein Brief von Norbert Geis MdB i.R. an die Konrad-Adenauer-Stiftung

  1. Thomas Weiss sagt:

    Das hat mit Religion und Toleranz wenig zu tun. Wissenschaftlich handelt es sich bei Homosexuellen um eine Anomalie, die es übrigens auch in der Tierwelt gibt. Es ist auch kein Lifestyle, wie es in der sog. Aufgeklärten Welt vorgegaukelt wird. Die Homoehe ist rein fiktiv zu betrachten und ein gesunder Menschenverstand wertet das ganze als Dekatenz einer zu Ende gehenden Epoche, wie es in der Geschichte der Griechen und der Römer bereits stattgefunden hat.
    Das ganze Toleranzgesäusel dient lediglich dem Zweck, die wahren menschlichen Werte zurückzudrängen und sobald das erkannt wird, kommt von den Befürwortnern sogleich die „Faschismuskeule“ als letzte Waffe oder gar die „Homophobie“.
    Ich bin zwar kein CDU/CSU-Anhänger und auch kein Moralapostel, aber was kommt als nächstes, die Kinderehe von Pädophilen gefordert?
    Sie könnten sich ebenso auf den Minderheitenschutz und auf den sog. „modernen Lifestyle“ berufen.
    M.f.G., Weiss.

  2. waltraud tonweber sagt:

    Ich gehöre zur 68er Generation und habe miterlebt, wie homosexuelle Menschen diskriminiert wurden.wir sind wegen dieses Unrechts auf die Straße gegangen.und ich würde es heute wieder tun.ich freue mich vom Herzen, wenn zwei Menschen glücklich zueinander finden, glückliche Menschen sind die Basis für ein friedliches miteinander.
    Und glückliche Menschen sind auch der geeignete Ort für Kinder.
    Ich wünsche mir eine tolerante , von keiner Religion eingeschnürte, selbständig und sozial denkende generation , die es wagt, aus dem Herzen zu leben.

    .

    • Ulrich S sagt:

      „Das Herz ist ein Vagabund, das wandert von einem zum andern“, so ähnlich sang Ruth Leuwerik in „Bildnis einer Unbekannten“. Die Verbindungen von Homosexuellen ist sehr, sehr kurzlebig. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das ist nun so oft nachgewiesen worden, dass man darüber gar nicht mehr zu sprechen braucht. Die Selbstmordrate und die Zahl der Erkrankungen an Depressionen sind hoch. Es sind die Schwulen selbst, die zeigen wie groß das Chaos ist z.B. in der Serie „Queer as Folk“. Wer kann verantworten in ein solches Chaos Kinder zu geben?
      Sie reden von glücklichen Menschen, die es wagen aus dem Herzen zu leben.
      Das klingt nach Gefühlsduselei a la Rosamunde Pilcher.
      Lieben heißt konsequent sein. Und das „Herz“ in der Bedeutung der Bibel ist die Mitte des Wesens des Menschen und kein Gefühlsbrei.
      Aber in einem Punkt haben Sie vollkommen Recht. Den Schwulen ist in der Vergangenheit sehr viel schreckliches Unrecht geschehen. Und deshalb verlangt der katholische Katechismus von den Gläubigen, sie mit Achtung und Respekt zu behandeln und sie nicht herabzusetzen und zu diskrimieren.
      Aber das heißt noch lange nicht, dass sich nun die westliche Welt vornehmlich um die Probleme von in Deutschland ca. 60 Geschlechtern kümmern muss, d.h. um eine winzige Minderheit. Wir haben nun wirklich andere Probleme.

  3. Leye, Manfred sagt:

    Ich habe auch lange geglaubt links wäre die Wahrheit für alles. Dass dies nicht der Fall, ist merkt man auch als ganz „kleines“ Kirchenmitglied. Heute ist ja schon der „rechts“, der nur dagegen ist das Gleichgeschlechtige Kinder adoptieren dürfen. DAGEGEN zu sein ist für mich ein Thema das zu wenig Beachtung findet und DA GEGEN zu sein ist für mich mehr als wichtig….denn Kinder RICHTIG zu erziehen und auf das, was unweigerlich kommt, das LEBEN vorzubereiten gehören Mutter und Vater.

  4. Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

    Ich habe heute folgenden Brief an die Konrad-Adenauer-Stiftung geschrieben.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    seit fast 30 Jahren bin ich nun Mitglied der CDU. Ich habe Adenauer als Schüler und Student noch persönlich erlebt.
    Gegen Ihre Ausarbeitung „Unheilige Allianzen – Radikalisierungstendenzen am rechten Rand der Kirchen“ der Autoren Püttmann und Bednarz lege ich als gläubiger Katholik, der seit 40 Jahren apostolisch tätig ist, schärfsten Protest ein. Ich lasse mich nicht von Ihnen in die rechte Ecke als Gefahr für die freie Gesellschaft schieben.
    Sollte so etwas noch einmal bei der Konrad-Adenauer-Stiftung erscheinen, werde ich unverzüglich die Partei verlassen und das in aller Öffentlichkeit begründen. (bitte googlen Sie meinen Namen).
    Diese Mitteilung leite ich auch an die Parteivorsitzende Dr. Merkel sowie an meine Landeschefin Kramp-Karrenbauer weiter.

    Mit freundlichem Gruß
    Dr. Michael Schneider-Flagmeyer
    CDU-Saalouis

  5. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Allein schon der Ausdruck „Rechtskatholizismus“ ist der billige Versuch, die Anhänger der katholischen Lehre den Lobbyisten und Zeitgeisthörigen dem politischen Fraß vorzuwerfen. Wieder so ein Totschlagsbegriff, mit dem sich Menschen so leicht in Schubladen pressen lassen. Minderheiten diktieren heute das Grundgesetz. Mehrheiten sind allerdings bereits so eingenordet, dass sich kaum noch Widerstand regt, wenn nicht einmal mehr vor Kindern halt gemacht wird.

    Die Appeaser der neuen Morallehre innerhalb der kath. Kirche – und nur um diese kann es hier gehen – versuchen immer wieder, Elemente des Genderwahns und die katholische Lehre durch Relativierungen in falsch verstandener Liebesüberdeckungen irgendwie in Einklang zu bringen, was jedoch nicht gelingen kann, ohne sich selbst und die Lehre Christi zu verleugnen. So wie Jesus mahnte, dass ein Ja ein Ja und ein Nein ein Nein bedeute, so muss die Unterscheidung zwischen der katholischen Lehre und der Ideologie, die dieser Lehre feindlich gegenübersteht, klar und deutlich ausgesprochen werden, wie der Bischof von Münster dies kürzlich in seiner Predigt recht vorbildlich getan hat.
    http://www.kath.net/news/51288

    Christen müssen immer mehr Gesicht und Kontur zeigen, wollen sie ernstgenommen werden. Je lauter das Geschrei und die Hype der Gegner, die den katholischen Werten kritisch bis hassvoll gegenüberstehen, desto sicherer können Katholiken sein, den richtigen Weg zu gehen.

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