Wie ist das mit dem Herz und mit dem Gefühl?

Tagtäglich wird uns im Fernsehen und in gewissen Medien eingebläut, dass wir auf unser Herz und unser Gefühl hören sollen. So z.B bei Rosamunde Pilcher, Inga Lindström und vielen anderen. Auch in Kommentaren an uns und an andere Seiten wird mitunter das Herz und das Gefühl in den Vordergrund gestellt.
Das Herz und das Gefühl sind natürlich im menschlichen Leben sehr wichtig und dürfen nicht übersehen werden. Mit Herz meint sicher dabei niemand die Muskelpumpe in unserer linken Brustmitte. Oft werden Herz und Gefühl auch gleichgesetzt. Aber das „Herz“ und das Gefühl können täuschen und das sogar sehr oft.
In einem Spielfilm aus den 50Jahren „Bildnis einer Unbekannten“, der noch sehr viel im Fernsehen gespielt wird, singt einer der größten Stars des deutschen Nachkriegskinos, Ruth Leuwerik, einen Song über das Herz als Vagabund, der von einem zum anderen zieht. Damit ist die Unzuverlässigkeit des „Herzens“ charakterisiert, die mitunter den Menschen in die Irre führt. Genau so verhält es sich mit dem Gefühl. Es kann auch sehr täuschen.
Und doch ist beides in unserem Leben so wichtig, weil es oft an die Liebe gekoppelt ist. Nun haben wir schon drei Begriffe, Herz, Gefühl und Liebe. Alle drei können und sollen in die Tiefe führen und den Menschen zum Wesentlichen tragen. Aber diese Drei werden oft missbraucht für eine verhängnisvolle Oberflächlichkeit, die sich immer mehr breit macht und dem Menschen den Sinn des Lebens verdunkelt.
Das Herz ist in der Bibel die Mitte des menschlichen Wesens. Es ist besonders an den Ursprung alles Guten, an Gott gebunden. Das Gefühl führt uns wie das Herz zur Quelle des Lebens. Katholiken kennen das Wort „sentire cum ecclesia“ – mit der Kirche „fühlen“, dass heißt in ihr und damit in Gottes Wort leben „in Fülle“
„Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens und in Deinem Licht schauen wir das Licht“ (Psalm 36,10)
Herz, Gefühl und Liebe droht in unserer Welt in großer Oberflächlichkeit zu Gefühlsduselei und Gefühlsbrei zu verkommen. Deshalb ist es für die Erfüllung des menschlichen Lebens so wichtig, diese drei Bergiffe wieder aus Gottes Wort abzuleiten. Gott ist die Liebe und Seine Liebe zeigt uns, dass zu ihr wesenhaft Konsequenz gehört. Er hat einmal „Ja“ zu uns gesagt und in göttlicher Konsequenz bleibt er bei diesem „Ja“. Er hat es in Christus erfüllt und wird „durch ihn und mit ihm und in ihm dieses“ „Ja“ in Liebe in alle Ewigkeit durchhalten. Aber Konsequenz kann auch im Augenblick einmal weh tun. Und doch gehört sie zum Wesen der Liebe. Ehepaare, die dem ein Leben lang standgehalten haben, wissen das.
Laßt uns also unser Herz, die Mitte unseres Seins, in dem Gott wohnt, weit öffnen für das Elend und die Schwierigkeiten unseres Nächsten, damit wir dem Wesen Gottes in Konsequenz folgen in einem weiteren, ebenfalls heute sehr missbrauchten Begriff : Misericordia – Barmherzigkeit. Gott hat sein Herz geöffnet und gegeben in Jesus Christus für unsere Misere. Dieses Herz und diese Liebe läßt uns „sicher wohnen“, wie der Psalmist sagt.

Michael Schneider-Flagmeyer

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