Eine persönliche Erinnerung an Erzbischof Dyba

Im Frühsommer des heiligen Jahres 2000 trafen sich in Fulda auf Initiative von Prof. Hubert Gindert Menschen aus den Initiativkreisen katholischer Laien und Priester, einige Vertreter von geistlichen Gemeinschaften und Einzelpersönlichkeiten, ca. 50 Personen, im Kolpingheim von Fulda, um über die Gründung des von Hubert Gindert konzipierten Forums Deutscher Katholiken zu beraten. Prof. Gindert hatte im Vorfeld schon mit Erzbischof Dyba gesprochen, der sein Interesse bekundet hatte und seine Unterstützung zugesagt hatte.
Abends gegen 21:00 Uhr kam der Erzbischof dann zu uns. Ich war überrascht, dass dieser körperlich kleine Mann eine so unbeschreibliche Souveränität, Freundlichkeit und einen Optismus ausstrahlte, der in einer tiefen Freude gründete. Ich habe selten Persönlichkeiten in der Kirche erlebt, die so von innen her leuchteten. Und mir fiel gleich meine Lieblingspsalm 34 ein, in dem der große König David sagt: „Blickt auf zu Ihm und euer Antlitz wird leuchten.“
Johannes Dyba war ein solcher Mann, der leuchtete, weil sein innerer Blick fest auf Christus gerichtet war. Und so sagte er denn auch gleich nach der Begrüßung, dass ein Christ, der in seinem Leben keine tiefe Freude ausstrahlt, eigentlich kein rechter Christ ist.
Nachdem er einiges Grundsätzliche zu unserem Vorhaben gesagt hatte, sprach er über die Lage der Kirche und die Probleme, die in der Öffentlichkeit aber auch in der Kirche so kontrovers diskutiert werden. Zwei davon möchte ich hier aufgreifen und einiges davon wiedergeben, was er gesagt hatte.
Pfarrer Franz Weidemann hat jüngst auf kath.net zum Todestag von Erzbischof Dyba am 23.Juli 2000 eine sehr schöne Würdigung seines Lebens gegeben. siehe:
http://www.kath.net/news/51452
Dort schrieb er u.a. Folgendes:
„Noch schmerzlicher als solche körperlichen Angriffe mag Dyba die mangelnde Solidarität etlicher Bischofskollegen empfunden haben, die viele seine Ansichten teilten, aber dann doch nicht den Mut fanden, für ihre Überzeugung in der Öffentlichkeit einzustehen. Solche gelegentliche – aus der Warte des einsamen Rufers in der Wüste – geäußerte Enttäuschung vermochte aber seinen Elan nicht zu lähmen.“
Johannes Dyba erzählte uns selbst von diesen Enttäuschungen, die er immer wieder gerade in der Bischofskonferenz erleben musste. Sie lähmten zwar seinen Elan nicht, aber sie trafen ihn ganz tief und brachten ihn manchmal zur Verzweiflung und zehrten fraglos an seiner Substanz. Er berichtete, dass immer wieder Mitbrüder auf ihn zukämen, ihm auf die Schulter klopften und sagten, dass er ganz Recht habe und so weiter machen sollte. Und mit viel Bitternis sagte er uns: „Und dann habe ich ihnen gesagt: warum sagen Sie das nicht in der Öffentlichkeit.“ Die Feigheit und Menschenfurcht von Mitbrüdern, die ihn immer wieder im Regen stehen ließen und ihn alleine der Wut der veröffentlichten Meinung auch in Kirchenorganen auslieferte, traf ihn ganz tief.
Nach seinem jähen Tod erfuhren wir aus seiner nächsten Umgebung, dass er mitunter am ganzen Leibe zitternd aus der Bischofskonferenz kam. Diesem mutigen, so sensiblen Mann und Bischof war eine solche Haltung von Mitbrüdern völlig unverständlich, hatte er doch als Nuntius in Afrika die Tapferkeit und den Mut der dortigen Hirten erlebt, die stets bereit sein mussten und es auch von Herzen waren, für Christus und seine Kirche zu sterben und auch mitunter starben.
Aber hier, im sicheren Deutschland, so vor der „Welt“ und ihrem Geist zu kuschen, war ihm ganz unverständlich und nahm ihn sehr mit. Er ließ uns das sehr deutlich erkennen.
Einen zweiten Punkt aus seinem langen Bericht möchte ich hier herausgreifen. Die Frage des Zölibats. Er war als Militärbischof stets im Kontakt mit seinem evangelischen Kollegen, der eines Tages zu ihm sagte: „Mehr als zwei mal Geschiedene, nehme ich nun auch nicht mehr.“ Und dann erzählte Erzbischof Dyba sehr beeindruckend und mit wahrem Verständnis von den Schwierigkeiten vieler evangelischer Geistlicher. Ihre Frauen hingen oft den feministischen Idealen an und wollten sich selbst verwirklichen und nicht die Frau Pastor spielen nach dem Motto: Mach Du Dein Ding und ich mach meines. Und das führe im Pfarrerberuf, so Dyba, oft in die Sackgasse und zur Scheidung. Und diese Haltung wäre eben oft ein Grund führ die Trennung und den Versuch eines Neuanfanges des Pfarrers. In seinen Worten war nicht die die geringste Spur eines Richtens. Er betonte dann den hohen Wert des Zölibates, in dem der Lebenspartner Christus ist – wenn man ihn denn sucht – der nie enttäuscht und ganz befreit zum Dienst an den Menschen.
Unvergesslich ist mir auch, wie der Erzbischof erklärte, warum es so viele priesterliche Märtyrer in der katholischen Kirche im Nazireich gegeben hätte und so wenige in der evangelischen Kirche. Ein wichtiger Grund sei gewesen, dass die evangelischen Geistlichen auf ihre Frauen und Kinder Rücksicht nehmen mussten und sie nicht der Wut und der Rache der Nazischergen hinterlassen durften, während die zölibatären katholischen Priester diese Verantwortung und Rücksichten nicht zu tragen hätten. Immer wieder – so auch an diesem Abend – sagte Dyba, dass ihm ein tief gläubiger Evangelischer, der seinen Glauben lebt, zehn mal lieber sei, als ein lauwarmer Katholik.
Als er uns an diesem Abend verließ, ließ er uns in einer sehr optimistischen Stimmung zurück, angesteckt von seiner Freude und seinem tiefen Vertrauen in den Herrn und seine Kirche. Als wir wenige Wochen später von seinem Tod erfuhren, waren wir alle so tief bestürzt, weil wir seine Begleitung bei unserem Vorhaben nun missen mussten. Als wir unter der Leitung von Hubert Gindert am 30.September 2000 das Forum Deutscher Katholiken gründeten, las uns statt Erzbischof Dyba der Dekan der theologischen Fakultät in Fulda, Prälat Prof. Winter, in der Krypta am Sarkophag des heiligen Bonifatius, des großen Apostels der Deutschen, die heilge Messe.
Als ich auf einer unserer Jahrestagungen in Fulda mit Prof. Winter über die bittere Erfahrung mit Mitbrüdern des Erzbischofs, die ihn im Stich ließen, sprach, sagte mir der Prälat: „Wissen Sie, das Fegfeuer kann auch für Prälaten hart und lange sein und in der Hölle brennt auch manche Mitra gut.“
Ich habe mir lange überlegt, ob ich das hier schreiben darf, aber ich finde, dass es einfach dazu gehört zumal das mit Dante schon viele Propheten so gesehen haben.
Im Artikel von Wikipedia steht, das Forum sei als eine „Konkurrenzorganisation zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)“ gegründet worden. Das ist vollkommen falsch. Davon war nie die Rede und von Prof. Hubert Gindert nie beabsichtig gewesen. Und wir, die Mitbegründer sind ihm darin ganz gefolgt. Das hätte auch nicht die Zustimmung von Erzbischof Dyba gefunden. Das Forum Deutscher Katholiken wurde gegründet, um die Kräfte, Gruppen, Gemeinschaften und Einzelpersonen, die fest auf dem Boden der Lehre der Kirche in Gemeinschaft mit dem Papst und den mit ihm verbundenen Bischöfen stehen, zu sammeln. Es will die unverkürzte Lehre der Kirche, wie sie in den Konzilen von Nicäa bis Vatikanum II sowie im Katechismus der katholischen Kirche KKK formuliert ist, verbreiten und den Gegnern der Lehre in- und außerhalb der Kirche helfen, zur Einheit mit dem Nachfolger Petri zurückzukehren.
Dabei möge uns Erzbischof Johannes Dyba ein mächtiger Fürsprecher am Thron des Dreifaltigen Gottes sein und wir hoffen, dass die Krche ihn möglichst bald zu Ehre der Altäre erheben wird.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Eine persönliche Erinnerung an Erzbischof Dyba

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Danke für diesen Bericht. Im Nachhinein kann ich Bischof Dyba nun besser einordnen.
    Die Feigheit und Menschenfurcht von Mitbrüdern, die ihn immer wieder im Regen stehen ließen und ihn alleine der Wut der veröffentlichten Meinung auch in Kirchenorganen auslieferte, traf ihn ganz tief.

    Die Ausführungen über den Zölibat halte ich für äußerst bedenkenswert. Und seine Äußerung, dass ein bewusst evangelischer Christ ihm lieber sei als lauwarmer Katholik kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Danke für diesen Bericht.

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