Limburg und kein Ende

Nach wie vor verlangt das Bistum Limburg Schadensersatz von seinem ehemaligen Bischof Tebartz-van Elst. Man ist immer noch sprachlos ob dieser Dreistigkeit, zumal gerade die staatliche Justiz unter Leitung des Generalstaatsanwaltes erneut ein Verfahren gegen den Bischof abgelehnt hatte und dies auch gut begründet. Siehe:
http://www.kath.net/news/51498
Was sagt uns das Ganze?
1. In der deutschen Teilkirche werden jährlich hunderte Millionen von Euros verschleudert für Institutionen, Gremien und Bürokratien, die das Leben der Kirche eher behindern als fördern. Dazu gehört in erster Linie das immer mehr ausufernde Ordinariatsunwesen mit seiner Bürokratie und seiner „Machtergreifung“, der sich die Bischöfe immer weniger erwehren können. Ein großer Teil der Kosten geht in vielen Diözesen in Bauvorhaben für eben diese Bürokratie, die in der ganzen Weltkirche einmalig ist. Statt sie endlich zu entweltlichen, d.h. sie bis auf das notwendige Minimum zu verringern, wird für sie neue „Paläste“ ( um in der Limburger Argumentation zu bleiben) errichtet aus den reichlich fließenden Zwangsabgaben der Gläubigen. Ein von uns immer wieder genanntes Beispiel ist München-Freising. Als Kardinal Wendel 1960 starb, hatte das Ordinariat 45 Hauptamtliche und drei Nonnen für die Verwaltung der großen Diözese. Heute sind es um die 1000 Mitarbeiter im Ordinariat. Das sagt doch wohl alles.
2. Welche Macht die kirchlichen Apparate haben, zeigt das Schicksal der Bischöfe Mixa und Tebartz-van Elst. Dass hier nicht wenige Bischöfe oder ein Kardinal mitspielten, macht die ganze Sache noch trauriger und zeigt manche Kapitulation vor der Macht des Apparates.
3. Was nun Limburg anbelangt, so hat ein Hauptverursacher des Dramas dort, der Frankfurter Stadtdekan und Domkapitular zu Eltz ganz ungeniert und schamlos, nach dem Wegmobben des Bischofs in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ in einem langen Interview erklärt, der Bischof sei weder ein Verschwender noch ein Protzbischof gewesen sondern freundlichen Wesens. Siehe:
http://www.kath.net/news/46333
Dann erklärt er ganz offen, worum es in Limburg und auch anderswo geht: nämlich um die geistlichen Vollmachten der Bischöfe und über eine Protestantisierung der Kirche hinaus auch um ein gewisse Säkularisierung.
Wenn man jetzt beim Heiligen Stuhl nach dem wiederholten Abwinken der hessischen Staatsanwaltschaft den Bischof regresspflichtig machen will, dann fragen wir uns doch, was dahinter steckt. Der Hauptbetreiber der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller war Sekretär von Bischof Kamphaus, dem Vorgänger von Tebartz-van Elst, unter dessen Pontifikat das Limburger Domberg-Projekt geplant wurde.
Beide, Schüller und zu Eltz werden dazu noch ihre sehr persönlichen Motive haben. Was aber besonders zu denken gibt, ist die Tatsache, dass der Paderborner päpstliche Administrator für Limburg und dessen Generalvikar offensichtlich für diese Forderung an den Altbischof Tebartz-van Elst, der inzwischen an die römische Kurie berufen wurde, ihre Zustimmung gegeben haben. Das mag einmal begründet sein, in dem, was wir oben in Punkt 1 gesagt haben.
Aber darüber hinaus, fragen wir uns doch, ob hier nicht eine gewisse Antihaltung eines großen Teils des deutschen Episkopates gegen Rom und die vatikanische Kurie, die nun Tebartz-van Elst in einer wichtigen Position beschäftigt, zum Ausdruck kommen könnte, besonders jetzt in der letzten Vorbreitungsphase der römischen Synode zu Ehe und Familie. Für Limburg selbst gibt das „Zeit-Interview“ von zu Eltz genügend Auskunft und läßt vermuten, dass Administrator und Generalvikar in Limburg dem rabiaten Domkapitel, der Limburger Kurie und dem Hofheimer Kreis mit seiner Verbindung zur Frankfurter Allgmeinen Zeitung nicht gewachsen sind und denen einfach nachgeben müssen. Anders können wir uns die unsinnige Forderung an den Altbischof, die jetzt in Rom entschieden werden muss nicht erklären. Allen diesen Herren ist doch hinlänglich bekannt, was man in Rom über Limburg und die ganze Affaire denkt.
Auf die Antwort aus Rom kann man gespannt sein und über die Reaktion in der deutschen Teilkirche wollen wir hier nicht spekulieren. Eines bleibt nach wie vor festzuhalten: Die Entweltlichung hat wohl keine Teilkirche so nötig, wie die deutsche, die reichste Teilkirche in der Weltkirche. Dass Papst Franziskus entschlossen ist, die von seinem Vorgänger Benedikt XVI. verlangte Entweltlichung durchzusetzen, müsste auch in der gesamten deutschen Teilkirche bis in den letzten Winkel anlässlich der deutlichen Sprache des Papstes bekannt sein.

Michael Schneider-Flagmeyer

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