„Europas hilfloser Umgang mit der großen Zahl von Flüchtlingen“

lautet eine Zeitungsüberschrift (Augsburger Allgemeine Zeitung 16.6.15). Mehr als 100.000 Menschen sind bis jetzt in diesem Jahr über das Mittelmehr nach Europa geflüchtet. Mindestens 3.500 sind dabei ertrunken. Diese Menschen kommen aus Ländern, in denen Bürgerkriege toben, die Menschrechte nicht geachtet werden, Arbeitsplätze und Bildungsmöglichkeiten fehlen. Sie kommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Europa.
Die Flucht nach Europa ist auch eine Folge einer globalisierten Welt, in der die wirtschaftlichen Chancen ungleich verteilt sind.
Es gibt keine geordnete Zuwanderung, sondern einen, von kriminellen Schlepperbanden forcierten Ansturm, auf den die europäischen Länder nicht vorbereitet sind. Es zeigt sich hier aber auch, dass die Europäische Union keine Solidargemeinschaft ist. Denn eine Reihe von Ländern weigern sich, Flüchtlinge aufzunehmen. „Sie berufen sich auf die Dublin-III-Verordnung, nach der jene Länder, die Flüchtlinge versorgen und deren Asylverfahren abwickeln müssen, in denen sie zuerst behördlich registriert wurden“ (AZ 16.6.15).
Die europäischen Länder sind wegen der geringen Kinderzahl bevölkerungsmäßig überaltert. Aufgrund des massenhaften Ansturms treten jedoch in den Ländern, die große Zahlen aufnehmen, „gesellschaftliche Verwerfungen“ auf. Damit ist nicht nur die schwierige wirtschaftliche, sondern auch die gesellschaftliche und kulturelle Integration gemeint. Die Flüchtlinge stammen aus anderen Kulturkreisen mit anderer Sprache und einem anderen Denk- und Lebensstil. Wie sollen die Flüchtlinge integriert werden? Das ist eine Überlebensfrage für ein Aufnahmeland. Die Übernahme eines oberflächlichen Konsumstils genügt nicht. Selbst die Eingliederung in die Arbeitswelt braucht sprachliche Voraussetzungen. Wirkliche Integration heißt aber Identifizierung der Zugezogenen in die Kultur und Wertegemeinschaft des Aufnahmelandes. Was ist aber, wenn die Wertegemeinschaft in den Aufnahmeländern selbst nicht mehr gegeben ist? Der jüdische US-amerikanische Professor Joseph Weiler hat festgestellt, dass die Europäer ihre eigene Kultur und Geschichte nicht mehr lieben und wertschätzen. Hier liegt ein Integrationshindernis, das aus Gründen der politischen Korrektheit nicht angesprochen wird. Wir haben ein gutes Beispiel aus der Geschichte. Im Römischen Weltreich drangen die Barbaren vom zweiten bis vierten Jahrhundert nach Christus über die Grenzen in das Imperium Romanum ein. Sie fanden dort Arbeit, wurden als Soldaten in die Legionen eingegliedert und stiegen nicht selten in hohe Stellungen auf. Sie wurden in die römische Kultur und Rechtsgemeinschaft eingegliedert und erlangten schließlich das Bürgerrecht. Im fünften Jahrhundert kamen sie in so großen Horden, dass eine Integration nicht mehr möglich war. Im Jahr 476 n.Ch. ging das Römische Reich daran zugrunde.

Hubert Gindert

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7 Antworten auf „Europas hilfloser Umgang mit der großen Zahl von Flüchtlingen“

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Flüchtlingshilfe ist zunächst einmal Nächstenliebegebot und christliche Plficht. Darum sind auch ehrenamtliche Helfer zu loben und eindeutig zu unterstützen. Aber wie in allen Bereichen gibt es auch hier eine beamtenbezahlte Soziallobbyindustrie. Aber es muss erlaubt sein, den Begriff „Flüchtling“ zu differenzieren. Es gäbe keine Asylkritik, wenn es sich bei den Flüchtlingen um reale Kriegs- und Hungerflüchtlinge handeln würde. Das aber ist einfach nicht der Fall. Vielfach kommen junge alleinstehende muslimische Männer aus Ländern, in denen keine Not herrscht, zu uns. Verständlich ist es allemal wegen des Armutsgefälles. Aber das Problem sind nicht die Flüchtlinge, sondern die Politiker, die letztlich nur hilflos vor diesem Ansturm stehen und entsprechend agieren. Was ist von Flüchtlingen zu halten, die ihre Papiere bei Ankunft vernichten? Was ist davon zu halten, dass rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber nicht abgeschoben werden (können)? Das Problem des Familiennachzuges wird sich in Kürze bei diesen Männern eröffnen. Der Religionswechsel in Deutschland ist nicht mehr weit entfernt. Sind das etwa nur islamophobe Ängste oder beginnen diese Ängste gerade jetzt mit Realität gefüllt zu werden? Europa, ein islamischer Kontinent? Ist dies wirklich noch so schwer vorstellbar? Kirche in Europa wird zunehmend unter islamischen Druck geraten wie die Kirche im Nahen Osten. Anbiederung nützt bei islamischen Machthabern nicht viel. Im Gegenteil. Respektiert werden nicht Wischiwaschisynkretismen, sondern klare Glaubensidentitäten.
    Wenn wir uns nicht ehrlich mit allen Licht- und Schattenseiten des Flüchtlingsdramas befassen, wird uns Europäern der Laden um die Ohren fliegen, salopp ausgedrückt.
    Echte Solidargemeinschaft in der EU gab es wohl noch nie, sonst hätten wir nach Kriegsende wenigstens bilaterale Friedensverträge mit Frankreich und GB. Was ist von deutsch-französische oder deutsch-britischer Freundschaft zu halten, wenn nicht einmals das gelingt.

  2. Benno sagt:

    Herr Prof. Gindert „erlaubt“ sich einen historischen Vergleich und wird dafür gerüffelt.
    Benedikt XVI hatte mal ein ähnliches Problem im Zusammenhang mit einem Vortrag zum Thema Glaube und Vernunft.
    Das Hauptproblem bei der Masseneinwanderung ist der Islam.
    Das muss man sagen dürfen, sonst wird jede Debatte zur Farce.
    Dass Christen Menschen in Not helfen, ist blanke Selbstverständlichkeit.
    Dass Christen, die sich in Not befinden, sich schützen, sollte langsam auch eine Selbstverständlichkeit werden.
    Ich verweise auf den Artikel : „Cool am Pool“ von Herrn Casuala auf der „Achse des Guten“. Es gibt kaum etwas Fundierteres zur aktuellen Flüchtlingsfrage.

  3. Eduard Werner sagt:

    Der Kommentar von Herrn Johannes Meister ist völlig unverständlich. Er soll sich mal mit den umherziehenden Gruppen im untergehenden römischen Reich beschäftigen. Dann wird er sehen, dass zumindest damals das Recht und die Gerechtigkeit nicht allgemein respektiert wurden. Wie weit sie heute prinzipiell respektiert werden, darüber können wir uns gern streiten.

  4. Die Redaktion sagt:

    Wir weisen darauf hin, dass Kommentare und ihre Verlinkungen nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wiedergeben und für den Inhalt von Verlinkungen keine Verantwortung übernommen wird.
    Wir haben uns sorgfältig überlegt, ob wir die Verlinkung im Kommentar von KH zulassen. Wir haben sie zugelassen, weil hier die sicher nicht unberechtigten Ängste großer Teile der Bevölkerung nicht nur in Österreich zum Ausdruck kommen.
    Für Deutschland haben wir allerdings den Eindruck, dass doch zunehmend Politiker sich des Ernstes der Problematik bewusst werden, vor der kluge Leute des öffentlichen Lebens schon vor über 10 Jahren gewarnt haben. Hier von „völkisch und nationalistisch“ zu sprechen, halten wir nicht nur für polemisch sondern weisen dieses auch nachdrücklich zurück. Das Forum Deutscher Katholiken ist sich der Lehre der Kirche nicht nur bewusst, sondern steht mit seiner ganzen Kraft dafür ein.

  5. KH sagt:

    Der Artikel von Herrn Prof. Gindert ist weder völkisch noch nationalistisch, sondern klarblickend. Es macht keinen Sinn, die Dinge, die uns ohne unsere Zustimmung auferlegt wurden, falsch laufen zu lassen und den Kopf in den Sand zu stecken.

    Anbei ein Link:
    https://helmutmueller.wordpress.com/2015/08/02/vorbildliche-zivilcourage-eines-oesterreichischen-patrioten/

  6. Johannes Meister sagt:

    „Im fünften Jahrhundert kamen sie in so großen Horden, dass eine Integration nicht mehr möglich war. Im Jahr 476 n.Ch. ging das Römische Reich daran zugrunde.“
    Sehr geehrter Herr Prof. Gindert, sich äußern sich politisch. Das ist Ihr gutes Recht! Und ja, der starke Zustrom von Menschen verursacht Probleme. Aber berufen Sie sich hier nicht auf das Christentum oder den Katholizismus! Denn Ihre Argumente sind politisch, nationalistisch, ja völkisch. Sie sprechen von Barbaren und Horden! Ob Ihre bisherigen Unterstützer dies auch so sehen, bezweifele ich.

    • Ulrich S. sagt:

      Was Prof. Gindert hier spricht, ist die Sprache der etwas älteren Geschichtsschreibung. Wenn man an das unbeschreibliche Verwüsten, Morden, Vergewaltigen dieser „Horden“ aus dem Norden denkt, dann ist die Bezeichnnung Horden und Barbaren durchaus angemessen. Ich möchte Sie auch bitten die Reihenfolge und den Zusammenhang des letzten Absatzes von Gindert zu berücksichtigen. Vergleiche hinken immer. Man kann durrchaus über den Rückgriff in die Geschichte diskutieren. Aber die Unterstellung „nationalistisch und völkisch“ weise ich ausdrücklich zurück. Prof. Gindert hat sich noch nie in dieser Weise geäussert. Und ich verfolge seine Schriften schon viele Jahre. Man ist heute im dem Einheitsbrei des Mainstreams sehr schnell bei der Hand mit solchen Ausdrücken, wenn einem eine Meinung nicht gefällt.

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