Die Deutsche Bischofskonferenz angesichts der Familiensynode 2015

Aufgrund der anhaltenden Krise der Familie rief Papst Franziskus zu zwei Synoden zum Thema „Ehe und Familie“ auf, eine „kleine“, die im Oktober 2014 stattfand und eine „große“, die im Oktober diesen Jahres stattfinden wird. Alle Bischofskonferenzen wurden aufgerufen, Delegationen zu schicken sowie auf der Grundlage von Befragungen, Berichte über das Familienleben und -verständnis der Gläubigen zu erstellen.
Der Aufruf des Papstes wurde von Anfang an vom deutschen Linkskatholizismus missbraucht, um für seine libertäre Agenda zu werben: Zugang von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, Akzeptanz künstlicher Verhütungsmittel, neue moralische Bewertung außerehelicher Sexualität usw. Im Laufe der letzten Jahre wurde diese Agenda entsprechend dem Zeitgeist erweitert. So werden inzwischen die Akzeptanz von Homosexualität, die Einführung von gesetzlich geregelten Lebenspartnerschaften sowie die Segnung dieser Partnerschaften gefordert.
Wichtigste Vertreter dieser Strömung sind die Bewegung „Wir sind Kirche“ und das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK).
Intellektuelle Rückendeckung erhalten die linkskatholischen Aktivisten und Verbandsfunktionäre von namhaften Theologen. Vor allem der Verlag Herder hat etliche Titel im Hinblick auf die Synode im Oktober 2014/2015 herausgegeben, in denen zentrale Inhalte des Lehramtes in Frage gestellt oder direkt angegriffen werden. Einer der wichtigsten ist der des Tübinger Theologen Hermann Häring: „Keine Christen zweiter Klasse“. Zu ihm gesellt sich „Leitbild am Ende? – Der Streit um Ehe und Familie“. In einem verschärft rigiden Ton werden hierin Themen wie Sexual- und Ehemoral, Zölibat und hierarchische Verfassung der Kirche polemisch aufgewärmt. In diesem Buch vertritt Konrad Hilpert, einer der beiden Herausgeber und emeritierter Professor für Theologie an der Universität München, hinsichtlich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften folgende Ansicht: „(Es wäre) evident ungerecht, gleichgeschlechtliche Partner von einem öffentlich anerkannten Institut, in dem der Wille zur dauerhaften Verbundenheit und die gegenseitigen Beistandspflichten geregelt sind (also die sog. gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften gem. dem Lebenspartnerschaftsgesetz, Anm. d. Red.) prinzipiell und auf Dauer auszuschließen.“ Hilpert will aber keineswegs solche rechtlichen Institute auf homosexuelle Paare beschränkt wissen und regt an, „zusätzlich weitere Institute öffentlich geregelter Partnerschaften zu schaffen, die der Ehe in relevanten Regelungshinsichten ähnlich sind“.
An diesen Beispielen wird deutlich, wie eng in Deutschland die Allianz zwischen sexueller Revolution und Linkskatholizismus ist.
Dieses Bild wäre natürlich unvollständig, wenn man nicht genauer die deutsche Delegation für die Familiensynode im Oktober 2015 beobachtet. Kardinal Reinhard Marx war schon in der vergangenen Synode der Strippenzieher des liberalen Flügels. Dieser folgt der Linie Kardinal Kaspers, der die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion unter bestimmten Bedingungen empfiehlt. Darüber hinaus fordert dieser Flügel eine Neubewertung von Homosexualität durch die Synode. Auch die beiden weiteren deutschen Vertreter, Bischof Franz Josef Bode und Bischof Heiner Koch, folgen dieser Linie. Somit ist die deutsche Delegation für die Synode weltweit die einzige, die komplett aus „liberalen“ Bischöfen besteht.
Inzwischen hat sich großer Widerstand gegen diese liberale Linie gebildet. Etliche Bücher sind erschienen, die Kardinal Kaspers Thesen widersprechen. Eines der wichtigsten ist „Das wahre Evangelium der Familie: Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ des Professors für Pastoraltheologie in Rom Juan José Pérez-Soba. Außerdem brachte der Verlag Echter die deutsche Übersetzung von „In der Wahrheit Christi bleiben: Ehe und Kommunion in der Katholischen Kirche“ mit Beiträgen der Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke, Carlo Caffarra, Velasio De Paolis und Gerhard Ludwig Müller heraus.
Etliche Kardinäle, darunter Brandmüller, Müller, Cordes und andere, haben sich öffentlich gegen die Vorstellungen der Kardinäle Kasper und Marx geäußert. Die afrikanischen Bischöfe haben am 11. Juni 2015 in Accra, Ghana, beschlossen, Widerstand gegen die Forderungen von Kardinal Marx zu leisten.
Die größte Initiative von Laien ist die „Ergebene Bitte an Seine Heiligkeit Papst Franziskus über die Zukunft der Familie“. Diese Unterschriftensammlung, die von 5 Kardinälen, 12 Erzbischöfen, 28 Bischöfen und zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterstützt wird, konnte schon über 280.000 Unterschriften sammeln.
Die deutsche Delegation für die Synode steht deshalb gegenwärtig ziemlich isoliert da. Trotzdem machen sie weiter unerfüllbare Versprechen an das linkskatholische Lager, so Bischof Koch bei der Tagung „Hören! Was Familien sagen“, von der Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK organisiert, oder Kardinal Reinhard Marx beim Evangelischen Kirchentag. Diese liberalen deutschen Hirten scheuen sich, sagen zu müssen, dass die Synode die Lehre über die Ehe gar nicht ändern kann und schon gar nicht die Deutschen im Alleingang, ohne sich aus der Weltkirche auszuschließen. Doch solche Erwägungen scheinen unwichtig zu sein. Auf einer Pressekonferenz im Februar 2015 erklärte Kardinal Marx: „Wir sind keine Filiale von Rom.“

Mathias von Gersdorff

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Augustheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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Eine Antwort auf Die Deutsche Bischofskonferenz angesichts der Familiensynode 2015

  1. Cosmas sagt:

    Ich fasse die Forderungen der dt. Bisch. Kasper und Marx sowie WisiKi und „ZDK“ so zusammen, wie ich sie verstanden habe:
    – man kann erneut heiraten, das muss dann aber doch auch für eine dritte, vierte.. Ehe gelten? Falls nein, wer entscheidet darüber?
    – man kann auch gleichgeschlechtlich heiraten. Irgendwie ja schon, oder habe ich dies falsch verstanden? Was bedeutet in diesem Zusammenhang „Ehe für alle“?
    – eine vorehentliche Beziehung ist gleichberechtigt mit der Ehe oder zumindestens unbedenklich.
    – Was bedeutet aber dann noch das Sakrament „Ehe“, wenn man mehrfach und wen man will, heiraten darf? Sind die anderen Sakramente dann auch nur vorübergehend oder variabel gültig? Dann muss doch auch die Lehre von den Sakramenten grundlegend geändert werden?
    – Abschaffung des Zölibates. Dann gelten ja logischerweise die vorgenannten Punkte auch hier?

    Also, wenn dies alles so kommt, gibt es dann eine Wiederbelebung des Glaubens?
    Definitiv nein! Das zeigt sich ja bei den evangelischen Christen.

    Was unser Herr wohl dazu sagen würde?
    Das hat er bereits vor 2000 Jahren schon unmissverständlich getan (Quellen: NT und AT)!

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