Wilhelm Paul Kempa – katholischer Widerstand unter Hitler

Die vielfältigen Formen des Widerstandes aus dem katholischen Milieu werden in den Medien systematisch unterschlagen. Dazu gehört auch die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lassen sich aus den Akten noch etwa 20 Fälle von Katholiken eruieren, die lieber ihren Kopf auf das Schafott legten, als unter Hitler Kriegsdienst zu leisten. Die Mehrheit von ihnen lehnte den Militärdienst nicht grundsätzlich ab, wohl aber den Fahneneid auf einen „Führer“, dem sie jedes Verbrechen zutrauten. Sie sind nicht einfach desertiert, um ihr eigenes Leben zu retten. Sie blieben und opferten ihr Leben, um Zeugnis abzulegen für sittliches Handeln. Das taten sie in der sicheren Hoffnung auf ewiges Leben. Nur einer von ihnen ist einer kleinen Öffentlichkeit bekannt geworden – der selige Österreicher Franz Jägerstätter. In Deutschland dagegen sind die Kriegsdienstverweigerer wie Alfred Heiß, Pater Franz Reinisch oder Josef Ruf völlig unbekannt geblieben. Zu diesen unbekannten Helden gehört auch der Kunstmaler Wilhelm Paul Kempa. Er wurde am 20.Mai 1906 in Hamborn im Ruhrgebiet in einer kinderreichen Familie geboren. Die Kinder wurden im katholischen Glauben erzogen. Wilhelm Paul wurde nach der Schulausbildung Kunstmaler. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 traf auch Wilhelm Paul der Einberufungsbefehl zum Militär. Er wäre zwar bereit gewesen, Sanitäter zu werden, aber auf Menschen zu schießen und schon gar auf seine polnischen Verwandten kam für ihn gar nicht in Frage. Deshalb wurde er verhaftet und in das Gefängnis Berlin-Moabit gebracht. Dort malte er ein Selbstbildnis mit einer Axt und schickte es an seine Familie. Diese verstanden das Bild als Andeutung der ihm bevorstehenden Hinrichtung. In der Tat beantragte der Militäranwalt am 23.8.1940 die Todesstrafe gegen Kempa, weil sich dieser der Verweigerung des Wehrdienstes schuldig gemacht und sich dabei auf seine religiöse Überzeugung berufen habe. Das Gericht folgte diesem Antrag und verurteilte den Angeklagten zum Tode. Das Urteil wurde am 24. September 1940 vollstreckt. Der Todgeweihte überwand seine natürliche Todesangst vor der Guillotine. In der Nacht vor der Hinrichtung schrieb er an seine Mutter: „In diesen Zeilen lege ich Dir meine ganze Liebe und Dankbarkeit wieder zum Herzen zurück … Unser Gott möge Dir Dein Leben segnen und lohnen in dem Bewusstsein unseres Wiedersehens im Reich Gottes. Es ist vollbracht!“ – Dieser übermenschliche Heroismus ist auch heute nur wenigen Menschen gegeben.
Das NS-Regime kannte viele Gründe für Todesurteile: Kritik am System, Judenhilfe, Hören ausländischer Rundfunksender usw. Wer heute angesichts dieses perfekten Überwachungsstaates fordert, die Kirche hätte damals dem Regime mehr Widerstand entgegensetzen müssen, überträgt die ungefährlichen Protestmöglichkeiten unserer freiheitlichen Demokratie auf das Hitler-Regime. Damit wird das damalige Terrorsystem verharmlost, um die ganze Gesellschaft publikumswirksamer anklagen zu können. Aus gut bezahlten Wohlstands-Sesseln heraus lässt sich diese Lüge heute Beifall heischend verbreiten.
Auch wenn diese Lüge gern geglaubt wird, bleibt sie dennoch eine Lüge.

Eduard Werner

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Wilhelm Paul Kempa – katholischer Widerstand unter Hitler

  1. Doris Wurzel sagt:

    Guten Tag, habe heute mit meinem Enkel über die NS-Zeit gesprochen und dabei zwei Briefe von Paul Kempa erwähnt, die er an meinen (Stief-)Vater, Anton Stelmaszyk, geschrieben hat und zwar am 16.5.1940 und vom 20.5.1940. Mein (Stief-)Vater und Paul Kempa waren Kunstmaler und sehr enge Freunde. Die Briefe liegen mir im Original vor. In dem Brief vom 29.5. heißt es u.a.: „Sei also nicht betrübt, wenn Du diese Zeilen in Händen hast, dann bin ich nicht mehr unter diesen Erdenbürgern, es sei denn schon „Gottes heiliger Wille“ daß ich hier noch bleibe, um zu wirken zu „Seiner Ehre!“ Schreibe also nicht mehr und bleibe in Treue mein Freund und Gefährte. Deine Freundschaft ist meine Ehre!“
    Nun bin ich überrascht, dass Paul Kempa wohl in Berlin ums Leben gekommen ist und nicht im Hamborner Gefängnishof erschossen wurde.

    Als evangelische Kirchengemeinderätin habe ich den letzten Brief von Paul im Kirchengemeinderat der Paul-Gerhardt-Gemeinde Böblingen am 9.11. 2013 vorgetragen, um dazustellen, dass es neben Bonhoeffer auch Menschen im Widerstand gab, die niemand kennt. Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.
    Herzliche Grüße
    Doris Wurzel, 71034 Böblingen, Tel. 07031-276372

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *