Kathophobie – Der Kampf gegen die katholische Kirche

Matthias Matussek, Spiegel- und Buchautor, hat 2012 das Buch „Das katholische Abenteuer“ geschrieben und sich als papsttreuer Katholik geoutet. In der deutschen Öffentlichkeit hat er damit die Erfahrung gemacht: „Wer für den Katholizismus eintritt, der begeht öffentlich Selbstmord“.
Kardinal Joachim Meisner hat die „Häme und Aggression“, mit der Teile der Öffentlichkeit und damit auch der öffentlichen Meinung uns begegnen“, kritisiert. Meisner zitiert in einem Brief an Priester, Diakone und Laienmitarbeiter französische Wissenschaftler, die davon sprachen „dass keine Religion oder Konfession derzeit so gezielt öffentlich angegriffen wird als die Katholische Kirche“, und Meisner weiter „die Entschiedenheit der Katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie sowie eine deutliche Repräsentanz durch Personen wie den Papst und die Bischöfe polarisieren in der Gesellschaft immer stärker“ (Tagespost 9.2.2013)
Für diese Feststellung von Kardinal Meisner gibt es unverdächtige Zeugen, wie z.B. den Exbürgermeister von New York, Ed Koch – Jude, Homosexueller, Demokrat. Er schrieb am 8.4.2010 in einer Kolumne für die „Jerusalem Post“: „Der wahre Grund der antikatholischen Attacken von Seiten der Medien und auch einiger Katholiken sei die Haltung der Kirche zu Abtreibung, Verhütungsmittel, Homosexualität, Ehescheidung, Zölibat und Frauenpriestertum. In all diesen Fragen sei er anderer Meinung als das kirchliche Lehramt. Dennoch sei die römisch katholische Kirche eine Kraft für das Gute in der Welt; die 1,2 Milliarden Katholiken seien wichtig für den Frieden und die Wohlfahrt des Planeten. Es sei nun genug mit der Kampagne: Enough is enough“.
Erzbischof Dr. Gerhard-Ludwig Müller hat in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ von „gezielten Diskriminierungskampagnen“ gegen die Kirche gesprochen. Es würden Attacken geritten „deren Rüstzeug zurückgeht auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum“. Es wachse „eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnere“. Gegen die Vorwürfe, Müller würde übertreiben, kam ihm Rabbi David Rosen, internationaler Direktor des amerikanisch-jüdischen Komitees für interreligiöse Angelegenheiten zu Hilfe: Er habe keinen Vergleich mit dem Holocaust erkennen können „dies dem Interview zu entnehmen, kann nur böswillige Absicht sein“. Die Feststellung von David Rosen wird in den deutschen Medien tot geschwiegen.
Der ZDK-Präsident Alois Glück reagierte indes mainstreambeflissen. Die Äußerungen von Erzbischof Müller seien „nicht hilfreich“. (Augsburger Allgemeine Zeitung 5.2.13) Glück rief die Kirche zu einer „selbstkritischen Reflexion“ auf. In der Tat gibt es, lt. Glück, aggressiv-antikirchliche Stimmungen, die aus der schlechten Erfahrung mit der Kirche herrührten (AZ, 9./10.2013)
Medienleute, die die Hetze gegen die Katholische Kirche schüren, fühlen sich durch den Kathophobie-Vorwurf ertappt. Sie reagieren nach der bekannten Manier „haltet den Dieb“, um die Brandstifter flugs zu Martyrer hochzustilisieren. Ein Beispiel liefert Alois Knoller in der AZ vom 9./10.2013 mit seinem Kommentar „Kirche im Selbstmitleid“. Er schreckt dabei vor Unwahrheit nicht zurück wenn er u.a. schreibt: „die Katholische Kirche steht unter Druck. Ein scharfer Wind schlägt ihr in Deutschland entgegen. Die Gesellschaft fordert zu Recht vollständige Aufklärung des Missbrauchskandals, die von den Bischöfen gerade eben abgebrochen worden ist“. Knoller weiß natürlich, dass die Zusammenarbeit mit Pfeiffer abgebrochen wurde, nicht aber die Aufklärung des Missbrauchskandals.
Was ist zu tun? Der Medienwissenschaftler Prof. Norbert Bolz, der sich selbst als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet, antwortete auf die Frage „Gibt es ein Pogromstimmung, oder zumindest eine Katholikenphobie in der Gesellschaft“?: „Das Vokabular scheint mir doch etwas überspitzt, obwohl die Beobachtungen einen wahren Kern haben …“ und auf die Frage: „Gibt es so etwas wie einen antiklerikalen Effekt in den Medien?“ Bolz: „Es handelt sich um ein sehr altes Phänomen. Journalisten definieren sich als Aufklärer. Und die Katholische Kirche gilt schon seit dem 18. Jahrhundert als die gegenaufklärerische Macht schlechthin. Und immer, wenn sie sich gegen den Mainstream stellt und auf unzeitgemäßen Forderungen beharrt, wird dieser Affekt wieder mobilisiert“. Auf die Frage „Was empfehlen sie den katholischen Bischöfen …?“ antwortete Bolz: „Die zentrale Frage ist aus meiner Sicht, ob die Katholische Kirche eine ähnliche Anpassungsstrategie wie die Evangelische Kirche fährt und in der spirituellen Bedeutungslosigkeit verschwindet, oder ob sie bereit ist, unzeitgemäß zu sein und dafür auch Prügel einzustecken. Dabei kann sie darauf bauen, dass ihr Kurs schon seit 2000 Jahren gut gegangen ist“. (Der Dom – Kirchezeitung für das Erzbistum Paderborn 17.2.2013)

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Kathophobie – Der Kampf gegen die katholische Kirche

  1. Eduard Werner sagt:

    Uwe Postl hat recht, wenn er das Wort „Kathophobie“ nicht schätzt. Am 11.03.2013 um 21;00 Uhr habe ich die ARD-Sendung „hart aber fair“ gesehen. Seitdem weiß ich, dass es sich um das Schüren einer Pogromstimmung handelt. Die verzerrte Darstellung des Gesichtes von Erzbischof Müller, WB Jaschke allein gegen sieben Gegner, am Schluss die abstoßenden Papstdarsteller in päpstlichen Kleidern und die Gesprächsführung selbst zielten auf die Erzeugung einer Pogromstimmung. Was zu beweisen war lieferte Plasberg selbst – ohne es zu merken.

  2. Uwe Postl sagt:

    Werter Professor Gindert,

    vielen Dank für den Artiikel, dem ich im Wesentlichen auch zustimme. Nur eines verursacht mir starkes Unbehagen: Der Begriff „Kathophobie“. Ich meine, wir sollten die Dinge klar und konkret beim Namen benennen und uns nicht auch noch solcher Gebilde bedienen, die von bestimmten Kreisen in Verknüpfung mit anderen Gruppen als Kampfbegriffe zur Verhinderung freier Debatten über diese Gruppen konstruiert wurden. Ich finde, Katholiken sollten nicht auch noch in dergleichen einsteigen, wir haben Fakten und Argumente.

    Viele Grüße

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