Pfarrer Alef: „Zuerst in den Gottesdienst und nicht zum Jungvolk!“

Die Kirche hat den Antisemitismus und damit den Nationalsozialismus sehr frühzeitig verurteilt. So am 25. März 1928 und am 7. Februar 1934 in Rom und 1932 und 1935 auch in Deutschland. Als dann die Priester in der Predigt und im Unterricht den christlichen Glauben dem Nationalsozialismus entgegenstellten, wurden sie schon 1934 nachhaltig verfolgt. Der Jesuit Josef Spieker hatte vor Tausenden von Zuhörern in Berlin und Köln das universale Liebesgebot Christi der hasserfüllten Germanenromantik entgegengestellt. Dafür kam er schon 1934 in das KZ Börgermoor. Der Aachener Pfarrer Alexander Alef hatte schon 1934 darauf gedrängt, dass die Kinder und Jugendlichen in den Gottesdienst kommen und nicht in die konkurrierenden Hitlerjugend- und Jungscharveranstaltungen. Dafür wurde er von der Gestapo verfolgt.
Alexander Alef wurde 1885 in Köln geboren. Nach seiner Priesterweihe 1909 wurde er zunächst Kaplan, dann 1930 Pfarrer in Sievenich, das jetzt zum Bistum Aachen gehört. Schon bald nach Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 bekam Pfarrer Alef Schwierigkeiten mit dem NS-System. In der ganzen Pfarrgemeinde gab es zwar nur ein oder zwei überzeugte Nationalsozialisten, diese überwachten jedoch den Pfarrer genauestens. Sie schrieben mit, was er predigte, und überbrachten dies der Partei. Wie in den meisten Gegenden Deutschlands wurden auch in Sievenich die Pflichtveranstaltungen der Hitler-Jugend und des Jungvolks so geplant, dass die Jugendlichen nicht in den Sonntagsgottesdienst kommen konnten. Als der Pfarrer Alef seine Hoffnung ausdrückte, dass sich diese für die Kirche so ungünstige Zeit wieder ändern werde, wurde ihm sofort Mitwisserschaft beim sogenannten Röhmputsch am 30.6.1934 unterstellt. Diese Unterstellung war zwar unsinnig, aber dennoch gefährlich. Schließlich musste der Pfarrer den Religionsunterricht in die Kirche verlegen, um Provokationen zu umgehen. Als der Pfarrer nach Monaten wieder in die Schule zurückkehren musste, stelle sich der Lehrer in die Reihe der Schüler und grüßte den Pfarrer im Chor mit „Heil Hitler“, was dieser als Verhöhnung empfinden musste. Den Kindern war unter Strafandrohung befohlen worden, den Pfarrer stets mit „Heil Hitler“ zu grüßen. Die ständigen Anschuldigungen und Verhöre brachten den Pfarrer einem Nervenzusammenbruch nahe. Im November 1935 entzog ihm der Regierungspräsident auch noch die Erlaubnis, in der Schule Religionsunterricht zu erteilen. Nun hielt sich der Pfarrer auch in der Kirche zurück. Aber nach einigen Jahren forderte er in der Sonntagspredigt, die Jugendlichen wieder auf, vor der HJ-Versammlung gefälligst zum Religionsunterricht zu kommen. Damit hatte er den Bogen überspannt. Nach der Predigt prophezeite eine Kirchenbesucherin dem Pfarrer: „Diese Predigt wird Folgen haben.“ In der Tat folgten zwei Tage später für den Pfarrer eine Hausdurchsuchung und ein totales Tätigkeitsverbot. Pfarrer Alef musste seine Gemeinde verlassen und in den Klöstern Unterschlupf suchen.
1944 wurde er verhaftet und über die Gefängnisse in Aachen und Köln in das KZ Dachau gebracht. Dort wurde er mit Typhus angesteckt, woran er am 13.2.1945 elend verstarb. Damit war er einer der 4000 Märtyrer-Priester des NS-Systems. Heute wird in den Medien und Akademien verkündet, die Kirche hätte dem NS-System mehr Widerstand entgegensetzen müssen. Ob es etwas geändert hätte, wenn sich noch mehr hätten ermorden lassen? Oder glauben die heutigen Kritiker, dass man damals auch ohne Gefahr für Leib und Leben das Hitler-System kritisieren durfte?

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Pfarrer Alef: „Zuerst in den Gottesdienst und nicht zum Jungvolk!“

  1. Lothar Böling sagt:

    Der Ort heißt Sievernich.

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