Wir Christen sind das Kontrastprogramm in der säkularen Gesellschaft!

1. Eine Analyse, bei der wir nicht stehen bleiben dürfen.
Die katholische Kirche in Deutschland verliert innerhalb der Universalkirche und in der Zivilgesellschaft ständig an Rang und Gewicht. Das hat nicht mit dem abnehmenden Anteil der deutschen Katholiken an der Gesamtzahl der Katholiken (Rund 2%) zu tun. Es hat andere Ursachen.

„Die Kirche des 21. Jahrhunderts hat dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunderts viel zu verdanken: Die großzügige Unterstützung der Katholiken in der Dritten Welt, das Zeugnis von Märtyrern wie Alfred Delp, Bernhard Lichtenberg und Edith Stein, sein Beitrag zur Bibelwissenschaft, zur systematischen und Moraltheologie, zur liturgischen Erneuerung und zur katholischen Soziallehre.“ (Una Voce Korrespondenz 2. Quartal 2015, S. 282)

Wer in einer Mediengesellschaft zu wichtigen Fragen und Herausforderungen schweigt, existiert nicht, zumindest verliert er an Profil. Fehlende Stellungnahmen werden nicht durch ökumenische Erklärungen auf kleinstem gemeinsamen Nenner oder durch eine Inflation zu zweit- und drittrangigen Problemen ausgeglichen. Von der Kirche hatte man Stellungnahmen zum Kirchenvolksbegehren („Wir sind Kirche“) – das war 1995 – erwartet und heute zum Dauerthema Abtreibung, zu den Ursachen der demographischen Katastrophe, zur Genderideologie, zur Homosexualität und zum assistierten Suizid. Die Kirche soll Licht auf dem Berg und Salz der Erde sein. Die Anpassung an den gesellschaftlichen Mainstream ist das schal gewordene Salz, von dem die Bibel spricht. Ein Beispiel dieser Angleichung an den Zeitgeist, war die Änderung der Loyalitätsanforderungen an die Beschäftigten im kirchlichen Dienst. Denn auf kirchliche Einrichtungen trifft das Wort zu: „Bei euch soll es anders sein“. Kardinal Walter Brandmüller hat dazu vermerkt: „Was hilft mir ein katholischer Kindergarten, wenn dort vom Weihnachtsmann, vom Osterhasen etc. die Rede ist, statt von Jesus Christus? Was hilft ein katholisches Krankenhaus, wenn dort kein Priester hinkommt, keine Schwester mit den Kranken betet und Operationen durchgeführt werden, die im Widerspruch zum christlichen Sittengesetz stehen?“.
Der Kardinal weiter: „Die Kirchen leeren sich, und die Kassen füllen sich. Erhalten wird ein sich selbst genügender teurer Apparat, der mit seinem Klappern die Stimme des Evangeliums übertönt. Hier ist in der Tat ‚Entweltlichung‘ angesagt, d.h.: ein Denken und das nicht irdisch-ökonomischen Prinzipien folgt, sondern der Wahrheit des Glaubens“. (kath.net 1.7.2015)
Der deutschen Ortskirche fehlt die Kraft Korrekturen durchzuführen und sich von Altlasten, wie der Königsteiner Erklärung, zu trennen und überfällige Reformen, z.B. beim Religionsunterricht, durchzuführen. Der renommierte katholische Publizist, Theologe und Papstbiograph George Weigl „vermisst bei den Katholiken in Deutschland eine Ernsthaftigkeit in der Ursachenforschung für das offensichtliche pastorale Versagen. Statt neue Ansätze der Glaubensverkündigung und Katechese einzuschlagen, werde immer wieder die Faktizität des Bestehenden beschworen. Schlagworte, wie Lebenswirklichkeit und Realitätsnähe, würden in den Raum gestellt, als ob es keinerlei Alternativen in Pastoral und Seelsorge mehr gäbe um der Krise Herr zu werden… Weigl konstatiert einen hohen Grad an Säkularisierung der Katholiken in Deutschland. Er prangert die Uneinsichtigkeit an, wenn statt einer qualitativen Intensivierung der Glaubensverkündigung und Pastoral weitere Zugeständnisse an den Zeitgeist erwogen werden. Vor lauter Dialogprozessen und Reflexionen zur weiteren Modernisierung habe man wohl die Realität – konkret: Das Evangelium und seine Wahrheiten – aus dem Blick verloren“. (Zitiert nach Una Voce Korrespondenz, 2. Quartal 2015, S. 282)
Regina Einig („Selbst ausgegrenzt“ Tagespost 27.6.15) kritisiert die fehlende Präsenz der katholischen Kirche in Deutschland auf dem Weltfamilientag in den USA mit den Worten: „Der Weltfamilientag macht anschaulich, warum die katholische Kirche in Deutschland mit Ausnahme ihrer Hilfswerke und Spendenaktionen international immer mehr an Bedeutung verliert. Schon in den einschlägigen Reaktionen auf das Arbeitspapier klang durch, dass es auf die Ergebnisse der Synode hierzulande nicht wirklich ankommt. Der vorgegebene Kurs weist in Richtung autonomes Gewissen“. Das erinnert an die Königsteiner Erklärung!

2. Die Folgen dieser Situation für die Katholiken in Deutschland
Die Äußerung zu einem angekündigten deutschen Sonderweg nach der Weltsynode der Bischöfe im Oktober 2015 in Rom zu Ehe und Familie bewirkt Lähmung, Verwirrung und banges Abwarten bei den deutschen Katholiken, weil „die Angst vor einem Schisma umgeht“.
Eine weitere Konsequenz ist, dass sich Katholiken auf die eigene Familie zurückziehen, nach dem Motto „rette deine Seele“! Eine solche Haltung steht aber kaum im Einklang mit dem Hauptgebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, d.h. mit dem Weltauftrag der Christen. Ähnliches gilt für geistliche Gemeinschaften, die eine persönliche Spiritualität pflegen, sich aber aus den innerkirchlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen heraushalten, vielleicht auch deswegen, weil klare Vorgaben der Hirten fehlen.
Die Entwicklung zur jetzigen Situation ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen, sondern in Jahrzehnten allmählich so geworden. Alle waren daran beteiligt. Aber, wer mehr Verantwortung hat, hat eine größere Verantwortung: Die Hirten mehr als die Schafe.
Wer sich von den Aufgaben eines Christen für die Welt heraushält, muss sich die Frage stellen, die der Sprecher der französischen Bewegung „Manif pour Tous“ (Demo für Alle) Jérôme Brunet an die Teilnehmer der Demonstration gegen die Genderideologie und Frühsexualisierung der Kinder am 21. Juni 2015 in Stuttgart gestellt hat:

Wollen Sie in einer Welt leben, in er es als Recht gilt, einem Kind absichtlich den Vater oder die Mutter vorzuenthalten?
Wollen Sie in einer Welt leben, in der die Komplimentarität (gegenseitige Ergänzungsbedürftigkeit) von Mann und Frau geleugnet wird?
Wollen Sie in einer Welt leben, in der Kinder von Frauen zur Welt gebracht werden, die sie sofort nach der Geburt verlassen?
Wollen Sie in einer Welt leben, in der der Mensch eine Ware ist wie jede andere auch?

Man könnte diese Fragen fortsetzen, um die nach dem assistierten Suizid, die Leihmutterschaft und die medizinisch unterstützten Fortpflanzung.
Die Vorgehensweise von Politikern lässt sich den Worten des früheren Luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Junker entnehmen: „Wir beschließen etwas, stellen es in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt – bis es kein Zurück mehr gibt“ (Münchner Merkur 24.06.2014, Georg Anastasiadis).
Also müssen wir gerade deswegen unseren Widerstand in Demos, Resolutionen, Schreiben an die verantwortlichen Entscheidungsträger und in allen Formen friedlichen Protests zum Ausdruck bringen!

3. Was ist zu tun?
Wir Christen sind die Alternative in einer säkularen Gesellschaft!
George Weigel hat in seiner „programmatischen Schrift ‚Die Erneuerung der Kirche: Tiefgreifende Reform im 21. Jahrhundert‘ ein visionäres Gegenmodell eines zukunftsfähigen Katholizismus, der kompromisslos alle Lebensreiche durchdringen will – das Modell eines „Vollzeitkatholizismus“ gezeichnet. Dieser Katholizismus soll sich offensiv den Herausforderungen der entzauberten Moderne stellen und sich nicht durch Zugeständnisse und Kompromisse an den Zeitgeist zum Rückzug drängen lassen.“ (Una Voce Korrespondenz, 2. Quartal 2015, S. 282)

Was meint Weigel mit „Vollzeitkatholizismus“? Von Johannes Paul II stammt das Wort: Viele Menschen leben, als ob es Gott nicht gäbe. Auch der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes – das sind 10% der deutschen Katholiken – ist nicht der von Weigel genannte „Vollzeitkatholizismus“. Das kann nur der bewusste und gelebte katholische Glaube sein.

Es gibt ein Länderbeispiel mit einem Katholizismus „der alle Aspekte des täglichen Lebens durchdrang“. In der Blütezeit des niederländischen Katholizismus gab es katholische Sportvereine, katholische Tageszeitungen und Rundfunksender, katholische Schulen und Universitäten und auch Gewerkschaften sowie Standes-/Berufsverbände. Es war die Zeit nicht nur großer caritativer Leistungen, die Niederlande stellten auch Missionare in großer Zahl für die Weltkirche. Das galt für die Nachkriegszeit bis 1965. In diesem Jahr betrug der Kirchenbesuch in den Niederlanden 75%. Nach 1965 zerfielen die katholischen Strukturen, die das tägliche Leben durchdrangen. Als Gründe werden zunehmender Pluralismus, Individualisierung, Säkularisierung und Entkirchlichung angeführt. Die katholischen Organisationen „richteten sich immer mehr nach allgemeinen Zielen und Zielgruppen aus“. Sie „trugen zunehmend schwer an ihrer katholischen Identität, die mehr und mehr als Anachronismus wahrgenommen wurde“. Zwischen 1965 und 2010 fiel der Kirchenbesuch von 75% auf knapp 6% und die Zahl der Priester in der Seelsorge von 4.200 auf 840. („Salzkörner“ 20. Jg. Nr. 4, 31.08.2014, ZdK)

Kardinal Brandmüller äußert: „Wir sollten endlich, statt ein ‚Christentum light‘ zu predigen, den Mut aufbringen, ein Kontrastprogramm zum gesellschaftlichen Mainstream von heute zu fordern und vorzuleben, was die 10 Gebote und die Ethik des Neuen Testaments zum Inhalt haben. Dieses Kontrastprogramm zur morbiden Welt der Antike war damals ein Erfolgsprogramm. Es würde auch heute wieder seine Anziehungskraft erweisen“. (kath.net 1. Juli 2015)

Die morbide antike Welt, von der Brandmüller spricht, kannte alles, was wir heute auch erleben und was Paulus beschreibt: Ehebruch, Abtreibung, Homosexualität, Lüge und Betrug. Von den Christen, die mitten in dieser Welt lebten, konnten die Heiden erkennen, dass sie das praktizierten, was der Satz vorgibt: „Bei Euch aber soll es nicht so sein!“ Das rief Erstaunen hervor.

Eine neue Attraktivität setzt als mutigen ersten Schritt voraus, dass z.B. kirchliche Einrichtungen, die nicht mehr im katholischen Geist geführt werden können, weil entsprechende Mitarbeiter fehlen, aufgegeben werden. Tatsächlich werden die Anforderungen an Mitarbeiter gesenkt. So verlieren kirchliche Einrichtungen an Profil. Sie werden austauschbar. Das Argument der „Anpasser“, man wolle sich nicht in eine katholische „Wagenburg“ zurückziehen, ist ein bequeme Ausrede. Im katholischen Geist geführte Schulen, in denen der Religionsunterricht nur ein Fach neben anderen ist, erzieht junge Menschen nicht zu Vollzeitchristen. Chancen für Attraktivität werden so verspielt.

Das Programm der antiken Welt wird uns im Buch der Weisheit beschrieben. Es ist die jüngste Schrift des Alten Testaments und entstand in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus in der ägyptischen Stadt Alexandria, einer Kulturmetropole der damaligen Welt. Der Text offenbart, die Lebenseinstellung von Menschen, die ihren Glauben an Gott und ein Leben nach dem Tod verloren haben. Der Text lautet:

„Kurz und traurig ist unser Leben,
für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei
und es ist kein Retter aus dem Hades bekannt.
Denn durch Zufall grob sind wir gebildet
und hernach werden wir sein, als wären wir nie gewesen.
Denn (nur) Rauch ist der Atem in unserer Nase,
und der Gedanke (bloß) ein Funke des Herzschlages.
Wenn er verlöscht, vergeht zu Asche der Leib,
und der Geist verweht wie dünne Luft.
Und unser Name wird vergessen werden mit der Zeit,
und niemand wird sich unserer Werke erinnern.
Und unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke
und es wird zerstreut wie Nebel,
der von den Strahlen der Sonne durchbrochen
und von ihrer Wärme niedergedrückt wird.
Denn unser Leben ist nur der Vorübergang eines Schattens,
und es gibt keine Rückkehr an unserem Ende,
denn das ist versiegelt und keiner kann es wenden.“ (Weisheit 2,1-5)

Der Völkerapostel Paulus, der die antike Welt kannte, geht im Brief an die Korinther, auf die Geisteshaltung derer, die den Glauben an Gott verloren haben, mit dem Satz ein: „Wenn die Toten nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken, denn morgen werden wir sterben“ (1 Kor, 15,23)
Ein Dichter unserer Zeit Berthold Brecht (1898-1956) reiht sich mit nachstehendem Gedicht in die Zahl der Gottlosen ein:
„Lasst euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.
Ihr sterbt mit allen Tieren
und es kommt nichts nachher“.

Aus dieser Erkenntnis ziehen die Gottlosen nach dem Buch der Weisheit die Schlussfolgerung
„Wohlan denn! Laßt uns die Güter genießen
und die Schöpfung auskosten wie in der Jugend!“ (Weisheit 2,6)

Die Geisteshaltung, wie sie für das antike Alexandria, für Korinth und von Brecht für das 20. Jahrhundert beschrieben wird, ist heute, besonders in der westlichen Welt, weit verbreitet. Papst Johannes Paul II. hat auch Christen gemeint, als er davon sprach, dass viele leben, „als ob es Gott nicht gäbe“. Repräsentative Befragungen stellen fest, dass selbst praktizierende Christen nicht mehr an ein Weiterleben nach dem Tod glauben. Wer aber ohne Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod dahinexistiert und nicht mehr in dem Bewusstsein lebt, für sein Tun einmal zur Rechenschaft gezogen zu werden, steht unter der Versuchung als primären Lebenszweck „die Güter zu genießen und die Schöpfung auszukosten“ zu sehen. Die Wertmaßstäbe verschieben sich.
Ein erster Schritt zum Glaubensverlust stellt die Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche, als Stiftung Jesu und Träger des Glaubens dar, den wir im fehlenden Besuch der sonntäglichen Eucharistiefeier registrieren. Der Kirchenaustritt stellt dann die logische Konsequenz der Entfremdung da.
Das Buch der Weisheit wurde für die in Alexandria lebenden Juden geschrieben, die in dieser Weltstadt des Fortschritts, des Glanzes und des Wohlstandes in Gefahr standen, den Glauben an Jahwe zu verlieren und sich der säkularen Welt anzupassen. Es ging damals, wie es Kardinal Brandmüller für heute fordert, um ein Kontrastprogramm zu einer Weltsicht, die auf das Machbare, den Fortschritt und den Profit beschränkt ist.
Was wäre ein Kontrastprogramm auf „der Grundlage der 10 Gebote und der Ethik des Neuen Testaments“, das „kompromisslos alle Lebensbereiche“ durchdringt? Allem voran muss uns wieder das Wort des Herrn bewusst werden: „Seht ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, d.h. die beruhigende Erkenntnis, dass wir nicht allein gelassen sind. Denn auf uns allein gestellt, könnten wir dem Ansturm einer säkularen Welt nicht widerstehen.
Wir sollten uns endlich von dem Realitätsverlust befreien, wir hätten noch eine Volkskirche, die in Gesellschaft und Politik eine wirkliche Rolle und Bedeutung hätte, weil sie noch über ein beträchtliches Kirchensteuereinkommen verfügt und mit viel Geld kirchliche Einrichtungen und Organisationen am Leben erhält. Tatsächlich handelt es sich um den goldglitzernden Überwurf über ein ziemlich lebloses Gerippe. Ein Blick auf die immer leerer werdenden Kirchen am Sonntag müsste diese Illusion zerstreuen.
Dann sollten wir uns auf die Kraft des Gebetes besinnen, das in der Kirchengeschichte immer die großen Reformen eingeleitet hat.
Ein sprechendes Beispiel für die Kraft des Gebetes gibt uns der vom Franziskaner Pater Petrus Pavlicek 1946 gegründete „Rosenkranz – Sühnekreuzzug für den Frieden der Welt“. Er wurde zur größten Gebetsbewegung im 20. Jahrhundert. Hunderttausende schlossen sich in Österreich, Deutschland, in der Schweiz und in Italien an, um täglich für den Frieden zu beten. Dieses Rosenkranzgebet trug wesentlich dazu bei, dass sich die Russen aus Österreich zurückzogen. 1954 sagte Molotow dem österreichischen Außenminister: „Herr Figl, machen Sie sich keine Illusionen, was wir Russen einmal haben, das geben wir nicht wieder her.“ Als sich im Frühjahr 1955 die Russen doch gesprächsbereit zeigten, rief der österreichische Bundeskanzler Julius Raab von Moskau aus P. Pavlicek an und sagte: „ Pater beten Sie, beten Sie und lassen Sie Ihre Mitglieder beten wie noch nie!“ Der Staatsvertrag wurde am 26. Oktober 1955 abgeschlossen. Julius Raab hatte die menschliche Größe offen auszusprechen, dass das Ergebnis nicht auf sein Verhandlungsgeschick zurückzuführen war. Auf der Dankfeier auf dem Heldenplatz in Wien sagte der Bundeskanzler: „Wir wollen heute gläubigen Herzens ein freudiges Gebet zum Himmel senden und dieses Gebet schließen mit den Worten: Wir sind frei. Maria wir danken Dir“. Wir brauchen heute einen neuen Pater Pavlicek, denn das Gute muss auch organisiert werden. Was hindert uns, einen Rosenkranz-Kreuzzug für die Neuevangelisierung Deutschlands in Gang zu setzen?
Das eigentliche Kontrastprogramm bleibt die Botschaft Jesu. Es geht darum, sie wieder ernst zu nehmen und nicht zu relativieren in dem wir sie zu einem hohen, aber kaum lebbaren Ideal erklären und ihr so die Kraft wegnehmen. Das verlangt echte Umkehr.
Haben wir sie nötig? Wir feiern in diesem Jahr den 500. Geburtstag der Hl. Teresa von Avila. Mit 21 Jahren trat sie in den Karmel ein. Mit 39 hatte sie in der Betrachtung des Leidens Christi ihr Bekehrungserlebnis. In den ihr noch verbleibenden 28 Lebensjahren wurde sie zur Wegbereiterin der Glaubenserneuerung und gründete 17 Reformklöster. Das auch wir die Umkehr brauchen, um unserer Lebensaufgabe gerecht zu werden, steht außer Zweifel. Auf der Umkehr im Glauben erwächst die Kraft zur Neuevangelisierung und der Mut, der selbstgefälligen säkularen Gesellschaft einige Fragen zu stellen. Warum? Die 68er Bewegung hat unter dem Motto einer Welt der Freiheit, ohne Normen, Gebote und Traditionen eine Revolution in Gang gesetzt. Sie war so erfolgreich, dass heute kaum jemand nach der Kehrseite des Fortschritts und nach den Kolateralschäden dieser „Freiheitsinvasion“ zu stellen wagt. Alle diese Vorgänge laufen unter der Maske der Gleichheit und des sozialen Fortschritts. Es geht darum, Irrwege durchsichtig zu machen und jene, denen es im Eigentlichen um wirtschaftlichen Profit, die Durchsetzung von Ideologien und um politischen Fortschritt geht, zu demaskieren. Das wäre ein Kontrastprogramm für den Menschen. So fragen wir:

· entspringt der Entschluss, das eigene Kind zu töten tatsächlich dem Wunsch vieler Frauen nach Selbstbestimmung oder der Furcht in ihrer Not allein gelassen zu werden?

· ist Leihmutterschaft ein Fortschritt in einer „arbeitsteiligen Gesellschaft“ oder ein neuer Kolonialismus, der die wirtschaftliche Notlage von Frauen ausbeutet?

· ist die Anwerbung von Frauen aus Osteuropa und aus Ländern der Dritten Welt unter falschen Versprechungen zur Versorgung der Bordelle in westlichen Ländern nicht Teil eines neokapitalistischen Ausbeutersystems?

· verdient Genmanipulation, bei der menschliche Embryonen d.h. getötete ungeborene Kinder zu Forschungszwecken verbraucht werden noch die Bezeichnung „human“?

· ist Frühsexualisierung wehrloser Kinder in staatlicher Pflichtschulen nicht ein grober Verstoß gegen das verfassungsmäßig verbürgte Elternrecht?

· dient die Genderideologie der Emanzipation und Gleichstellung der Frau oder ist es nicht vielmehr der Versuch, Frauen und Männern ihre Geschlechteridentität und ihre spezifischen Eigenschaften wegzunehmen, um sie zu verunsichern und leichter manipulieren und beherrschen zu können.

· leben wir noch in einer freien Gesellschaft, wenn Grundrechte, wie Meinungs- und Religionsfreiheit infrage gestellt werden, weil das Zitieren von Bibelstellen zu Homosexualität als Hasspredigt diffamiert werden?

· steht hinter dem assistierten Suizid tatsächlich der Wille zum selbstbestimmten Tod oder nicht doch die Angst, in Alter und Krankheit als eine Last in einer egoistischen Gesellschaft angesehen zu werden, weil Hospiz und Betreuungsplätze fehlen?

Schließlich sollten wir Christen die Welt realistisch sehen und uns von der romantischen Utopie lösen, es genüge, dass als gut Erkannte zu tun, um in Frieden leben zu können. Das ist ein Irrtum! Der Verfasser des Buches der Weisheit nimmt den gläubigen Juden in der alexandrinischen Diaspora die Illusionen, wenn er über die Gottlosen schreibt: „Wir wollen dem Gerechten auflauern, denn er ist uns unbequem“ (Weisheit 2,12). Bei Jesus heißt es in lapidarer Kürze: „Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“. Die Christen in Nordkorea, im Irak, in Syrien, in Nigeria erfahren das heute jeden Tag. Es ist der Preis dort Christ zu sein, ein Preis für das Kontrastprogramm gegenüber einer Welt, die im Gegensatz zu Gott steht und kein Grund, dafür in Traurigkeit zu verfallen.

Hubert Gindert

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4 Antworten auf Wir Christen sind das Kontrastprogramm in der säkularen Gesellschaft!

  1. Katrin Meinhardt sagt:

    Das sind ja hoch interessante Beiträge. Dann stelle ich die folgende Frage an die Runde und zerstöre die Träume der gleichen wertvollen Menschen.

    a. Gibt es auch nur einen einzigen Fehler, in der Bibel?

    b. Gibt es eine Evolution?

    Wenn auch nur eine einzige dieser Fragen mit Ja beantwortet werden sollte, werden sich Ihre Träume in Luft auflösen.

    Mit sehr freundlichen Grüßen

    Schauen Sie mal in die Bibel, was das steht, zu den Oberschlauen, die glauben, diese würde Fehler enthalten. Tun Sie es bitte, prüfen Sie nach. Wenn Sie nicht wissen sollten, wie das geht, dann lernen Sie es, bitte. Das wird langsam mal Zeit.

    Der erste erfolgreiche Schritt überhaupt, für ein siegreiches Christentum, ist die Bibel, mit Haut und Haar zu verteidigen. Conditio sine qua non!

  2. Ralf Vormbaum sagt:

    Die Tagespost titelt: Kardinal Sarah warnt vor „Rebellion gegen Gott“

    In welchem Zustand muss sich die Kirche befinden, dass ein Kurienkardinal(!) so deutlich wird!

  3. Herbert Klupp sagt:

    Diesem hervorragenden Artikel fehlt nur die Analyse, wie stark die beschriebene Fehlentwicklung aktiv von unseren Medien, allen voran ARD und ZDF, gesteuert und sogar „gemacht“ ist. Wenn es in dem Artikel heißt „Wer in einer Mediengesellschaft zu wichtigen Fragen und Herausforderungen schweigt, existiert nicht, zumindest verliert er an Profil.“ dann muß das unbedingt ergänzt werden mit: Wenn die ÖR-Medien wichtige gute katholische (christliche) Meinungen und Beiträge tabuisieren, ausgrenzen, verdreherisch wiedergeben oder auch gar nicht bringen, dann existieren diese Meinungen (fast) nicht, denn wir sind ganz und gar „Mediengesellschaft“ geworden.

  4. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Jeder Satz dieses hervorragenden Artikels ist zu unterschreiben und zu unterstützen. Trifft genau den Überlebensnerv des Katholischen in unserer Kirche. Leider sind die Verhältnisse heute anders als in den 50er-Jahren, erheblich dramatischer. Waren in den 50er Jahren Schule, Kirche und Familien (mit noch vielen Kindern) noch großflächig religiös miteinander verknüpft, leben wir heute in einer Zeit der Individualisten, kaum mehr fähig auch mental an einem Strang zu ziehen. Nachwuchs blieb aus. Der Pluralismus, die Offenheit für alles und jedes wurde als gut befunden, Hauptsache, die geistige Haltung war politisch korrekt. Da hat nur noch menschenbezogenes allgemein Religiöses Platz. Agnostiker, Atheisten und buddhistische Religionssichtweisen waren exotisch interessanter und auch weniger fordernd als Jesus mit seinem Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ Etwas beliebig Religiöses. Jeder Katholik hat einen anderen Glauben, der sich mit dem aus anderen Religionen und Philosophien und esoterischen Sichtweisen teilweise deckte. Dass jede Seele Ewigkeitscharakter hat, wurde aus dem Blickfeld genommen. Das Leben hier auf Erden wurde vergöttlicht. Alles Bequeme wurde und wird aus vielen dieser geistigen Richtungen herausgesogen und zum individuellen Glauben eines jeden Einzelnen gestaltet. Jeder, der sich Katholik nennt, hat andere Glaubensvorstellungen.
    Wir sind heute in einer schlimmen Situation, weil es keinen Nachwuchs gibt. Heute würden wir kaum noch Rosenkranzbeter zustande bekommen. Niemand mehr kennt den Rosenkranz bis auf einige ältere Beter. Nirgends ist die Kirche so senil geworden wie in Europa und in Deutschland. Vielleicht würde auch heute noch das Wort Jesu am Kreuz über die vielen ungläubigen gläubigen Katholiken zutreffen. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Denn das Wissen wurde der jetzigen Glaubensgeneration kaum oder nur verzerrt vermittelt, offensichtlich gezielt, bestenfalls fahrlässig.
    Wir müssen wieder die echte Seelsorge entdecken. Wir entscheiden hier, wie unsere Seele im Jenseits weiterleben darf. Das muss wieder in den Mittelpunkt der Lehre und des Glaubens rücken. Es muss auch bei der sozialen Frage wieder bewusst werden, dass wir unser Tun aus der Kraft des betenden Glaubens heraus gestalten und dass wir alles in und für Jesus tun, nicht zum eigenen Imagevorteil. Der hl. Franziskus hatte mit seinem oder ihm zugeschriebenen Gebet recht:
    Herr, mach mich zum Werkzeug Deines Friedens. Das ist die franziskanische Demut, die wir wieder in Jesus neu entdecken müssen.

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