Bedenken und Schwarzsehen im Hinblick auf die Synode?

In Kommentaren und auf bestimmten Seiten werden immer wieder Bedenken und Befürchtungen im Hinblick auf die gerade begonnene Bischofssynode in Rom geäußert: Wir greifen einmal hier ein Beispiel auf.
Manche Katholiken finden es sehr bedenklich, dass von den 270 deligierten Bischöfen 107 aus Europa kommen und meinen, dass dieser Anteil für eine Kirche im Niedergang auf unserem Kontinent viel zu hoch sei. Verständlich? Dabei wird vergessen, dass unter diesen 107 Bischöfen auch sehr viele Deligierte aus Ost-Europa sind, von denen sich einige Teilkirchen bereits im Vorfeld heftig gegen eine grundsätzliche Änderung der Lehre gewehrt haben. Als Beispiel seien hier nur die polnischen und slowakischen Bischöfe genannt. Aber auch aus anderen osteuropäischen Teilkirchen kommen ähnlich eindeutige Stimmen.
Allerdings kann man die Befürchter verstehen, wenn man an die deutsche Teilkirche denkt. Nach einigen Äußerungen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz und einer Reihe von Bischöfen kann man durchaus befürchten, dass durch ein falsches Verständnis von Barmherzigkeit der Eindruck entstehen könnte, dass man hier dem Druck von Politik und Medien nachgeben  und einem Christentum light das Wort reden könnte. Da aber zur Liebe im Wesentlichen Konsequenz gehört, ist es von entscheidender Bedeutung, den 2000jährigen Kurs der Kirche zu halten und der Mode des Zeitgeistes zu widerstehen.
Außerdem verändern sich die kirchlichen Verhältnisse durch die Migration. Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die Massenzuwanderung von Angehörigen des Islams, vor allem von jungen islamischen Männern, eingehen. Das an anderer Stelle. Sondern wir wollen uns damit begnügen, dass offensichtlich langsam Politiker aller Richtungen wach werden.
Schauen wir auf die kirchliche Situation in Deutschland. Hier wird von Seiten der Bischofskonferenz und vieler Amtsträger immer noch nicht realisiert, dass auch die Kirche sich durch die Zuwanderer ändert und dass diese zum großen Teil die Zukunft unserer Kirche bilden. Das ist für ein Volk, dass seine Zukunft millionenfach abgetrieben hat und immer weniger Kinder bekommt und nun in Kirche und Gesellschaft völlig überaltert ist, von schwerwiegender Bedeutung. Die muttersprachlichen Gemeinden der Zuwanderer sind vielfach eine entscheidende Hilfe für die dahinsiechende Kirche in Deutschland. Das wurde und wird bei uns viel zu häufig ignoriert. Ein Beispiel soll hier genannt werden. In der schrecklichen Auseinandersetzung um den Limburger Bischof Tebartz van-Elst, haben sich die Vorstände der muttersprachlichen Gemeinden, die alleine 40.000 Gläubige (sic!) in und unmittelbar um Frankfurt vertreten, hinter den Bischof gestellt in der klaren Erkenntnis der wahren Gründe für diesen „Feldzug“. Das wurde von den meisten Amtsträgern so gut wie völlig ignoriert.
Im Jahre 2013 traten in Deutschland mehr als 180.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus, aber 179.000 Katholiken- davon etwas über 70.000 Polen – wanderten ein. Wo bleibt die Reaktion der Bischofskoferenz und ihres aufgeblähten Sekretariates darauf?
In der Legio Mariae, der ich in Leitungsfunktion angehöre, sterben zahllose Präsidien an Altersschwäche dahin. Gleichzeitig entstehen sehr viele neue Präsidien von Koreanern, Thailändern und anderen, die mit großem Eifer und Glaubenskraft unsere Arbeit in den Pfarreien übernehmen. Können wir hier nicht ein Wirken des Heiligen Geistes und seiner ewigen Braut, der Muttergottes, erkennen? Kommt der Herr nicht selbst seiner Kirche in Deutschland zu Hilfe?
Wo bleibt unsere Vertrauen auf den Heiligen Geist, darauf dass Christus bei uns ist alle Tage bis zum Ende der Welt? Das gilt auch im Hinblick auf die Synode in Rom. Tun wir das, was der Herr von uns erwartet: „Betet ohne Unterlass.“ Wir müssen und können mehr beten und fest darauf vertrauen, dass Gott Pläne des Heils auch mit uns hier in Deutschland hat; auch wenn unsere Wege nicht Seine Wege sind. Aber Er begleitet uns auf unserem Weg.
Beten wir mehr für die Synode und vertrauen wir rückhaltlos, dass Gott uns hört und erhört nach Seinem Plan, wie Er es denn verheißen hat.

Michael Schneider-Flagmeyer

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Bedenken und Schwarzsehen im Hinblick auf die Synode?

  1. Ralf Vormbaum sagt:

    War nicht Nordafrika einst eine christliche „Hochburg“, von der ausgehend der katholische Glaube erst wirkliche Gestalt angenommen hat, wenn wir z.B. an Augustinus denken? Hat das garantiert, dass es dort keinen Abfall vom Glauben geben könnte? Offensichtlich nein! Was garantiert aber, dass nicht auch in Europa sich das vollzieht, was sich in Nordafrika vollzogen hat? Die Kirche ist nicht untergegangen und dennoch finden sich heute kaum noch Christen in Nordafrika. Insofern sind die ewigen Beschwörungen des Heiligen Geistes, wenn es um die Trivialisierung des Glaubens geht, wenig hilfreich, sie erscheinen vielmehr als die Hilflosigkeit/Ratlosigkeit überspielende Gesten.

  2. KG Gaßmann sagt:

    Das sind interessante Zahlen, Herr Schneider-Flagmeyer.
    Die Frage ist, warum die katholischen Christen aus anderen Ländern glaubensfester sind? Oder anders gefragt, warum sind die einheimischen weniger glaubensfest?

  3. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Ich denke, dass dem Heiligen Geist der Erhalt der Lehre Jesu am Herzen liegt, denn diese ist Bestandteil des Heiligen Geistes. Genau vorhersagen können wir das alles jedoch nicht. Aber wo hat die Barmherzigkeit der Pastoral Grenzen. Sind auch da keine „Obergrenzen“ möglich? Die Barmherzigkeit neigt dazu, alles mit dem Mantel der Liebe zuzudecken, was nicht immer im Sinne Jesu sein kann wie das drastische Zitat des Ausreißens von Gliedmaßen oder Augen, wenn diese den Menschen zur Sünde verführen, deutlich vor Augen führt. Das aber ist immer nur da möglich, wo echte Umkehr und echte Reue das Verhalten des Menschen tragen. Dürfen aus Barmherzigkeit aber die Lehren Jesu geändert werden, nur um dem Menschen die Sünde zu erleichtern? Das ist doch im Kern die Frage.

    Die Unauflöslichkeit der Ehe wird nicht aufgehoben werden können. Aber super viele Ausnahmen werden gemacht werden, um das Leben der Menschen in dieser Frage zu erleichtern. Allein schon die Anordnung, dass der Ortsbischof die Ehe auf Lokalebene für nichtig erklären kann, ist bereits ein Nachgeben in dieser Frage. Da kommt es auf den Ortsbischof an, welche Einstellung er hat, die des Glaubenspräfekten Müller oder die des Kardinals Kasper. Vielleicht kann dann das zeitweilige Umziehen in eine andere Diözese hilfreich sein. Ich denke, dass dieses eherne Gesetz pro forma bestehen bleibt, aber letztlich leichter aus Barmherzigkeitsgründen umgangen werden kann. Ob aber das im Sinne Jesu ist, die kirchenjuristische Trickserei, bleibt mehr als fraglich. Ein schaler Beigeschmack legt sich auf die Synode mit dieser Vorgabe.

    Warten wir es betend ab.

  4. Mathias Wagener sagt:

    Das ist ja alles so zu sehen, wie es dargetan ist. Mittlerweile ist es aber doch schon so, dass wir mehr auf Bischöfe in anderen Kontinenten setzen als auf unsere eigenen, zu denen das Vertrauen nicht so ist, wie es sein sollte. Beten wir, dass es so bleibt, wie es ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*