Soll die Kirche sich nach der Welt oder soll die Welt sich nach Kirche und Jesus Christus richten?

Der Hauptberichterstatter vom II. Vatikanischen Konzil für die deutschsprachigen Teilkirchen war der Schweizer Jesuit Mario von Galli, ein gewaltiger Prediger vor dem Herrn. Er berichtete, dass auf dem Konzil ein evangelischer Theologe auf ihn zukam und ihm erklärte er habe den Eindruck, dass doch viele hier mehr Anpassung an die Welt wollten. Und er fragte: „Aber Pater, ist es nicht so, dass sich die Welt zu ihrem Heil der Kirche anpassen sollte?“
Wir haben alle erlebt, dass sich in den folgenden Jahrzehnten bis auf den heutigen Tag diese Fragestellung weiter zugespitzt hat. Zugegeben ist dies eine vereinfachte Fragestellung. Aber letztlich läuft es doch darauf hinaus.
Auf dem katholischen Kirchentag 1964 in Stuttgart hielt P. Mario von Galli zu dem Wort des hl. Paulus an die Römer: „Passt euch nicht dieser Welt an…“ eine leidenschaftliche Predigt,  die mir heute noch im Ohr klingt. Dort erzählte er auch von dem eben genannten Gespräch mit dem evangelischen Theologen.
Dass die Kirche in dieser so völlig veränderten, in Europa und Nordamerika zu großem Teil entchristlichten Welt eine neue Sprache und Pastoral finden muss, um die Menschen wieder neu zu erreichen, ist oft von den verschiedenen Seiten gesagt worden und ist ja auch einzusehen. Wobei dieses hier in Deutschland besonders schwierig ist, weil durch den gewollten Verzicht auf Katechese und Evangelisierung das Glaubenswissen kaum noch vorhanden ist. Dafür tragen die Bischöfe in den Jahrzehnten nach dem Konzil die Verantwortung; denn das Konzil selbst war und ist in seinen Aussagen sehr klar und deutlich und schließt nahtlos an die an die Tradition an. Das wird seit Josef Ratzinger – Papst Benedikt XVI. die Hermeneutik der Kontinuität genannt. Diese wird nun von ganz links und ganz rechts bestritten. Und die Bischofskonferenz hat die schwierige Aufgabe nun hier Einheit zu schaffen, ohne das Gold in der Kirche, dass der Heilige Geist ihr in 2000 Jahren geschenkt hat, verunreinigen zu lassen. Dabei geht ein Riss auch durch die deutsche Bischofskonferenz. Auf der einen Seite will die Mehrheit mehr Anpassung an die Welt und will eine sogenannte „Lebenswirklichkeit“ neben die beiden Säulen Schrift und Tradition als dritte Säule stellen. Eine Minderheit der Bischöfe stimmt dem ganz und gar nicht zu und widerspricht. In diesen Tagen haben wir von Kardinal Marx aus Rom gehört, dass dieser Riss durch die Kirche eine Erfindung der Medien sei, so als hätten diese das Marx’sche Wort geprägt, dass die deutsche Teilkirche keine Filiale Roms sei. Nun haben die drei deutschen an der Synode teilnehmenden Bischöfe in einer Pressekonferenz eine in jeder Beziehung bemerkenswerte Vorstellung gegeben, die der geduldige Leser hier in Wort und Bild findet:
http://katholon.de/?p=9182
Wir wollen den drei Bischöfen ausdrücklich den guten Willen und ihr Ringen um den besten Weg für die Pastoral der Zukunft abnehmen. Aber hier lassen doch einige Bemerkungen sehr erstaunen. Hier spricht Bischof Bode (ab Minute 37) vom Austarieren von Einheit und Vielheit in versöhnter Verschiedenheit und sagt: „Wir haben keinen monadischen Gott, also kann unsere Gemeinschaft auch nicht monadisch sein im Sinne einer Einheitspartei.“
Bei allem Respekt, darf doch wohl gefragt werden, ob eine solche Sicht auf das Mysterium der Heiligen Dreifaltigkeit und damit für die Folgen eines Christenlebens für einen Diözesanbischof mit der Verantwortung für die Lehre in seinem Bistum nicht erstaunlich und beunruhigend ist.
Wir sollen uns, schreibt der hl. Paulus an die Römer, nicht dieser Welt anpassen, sondern ständig prüfen, was der wahre Gotteswille ist. Und das geht sicher nicht per Diskussion, Stuhlkreis und Abstimmung sondern nur auf den Knien in tiefer Hingabe an den Dreifaltigen Gott. Und dass der Riss in der Kirche eine Erfindung der Medien ist darf mit allem Respekt vor dem Kardinal und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz bestritten werden.
Der deutlich sichtbare Riss in der Wand hinter Kardinal Marx wird wohl manchem Zuschauer ein Symbol sein.

Michael Schneider-Flagmeyer

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2 Antworten auf Soll die Kirche sich nach der Welt oder soll die Welt sich nach Kirche und Jesus Christus richten?

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Die kritische Frage, die der Autor zur Äußerung des Kardinals Bode stellt, ist völlig berechtigt. Es ist im Grunde völlig unzulässig, das Geheimnis der göttlichen Einheit in den drei Personen Sohn, Vater, Hl. Geist 1 zu 1 zu übertragen auf die menschliche Ebene der Meinungen, die in einer Einheitspartei natürlich vorkommen. Die hl. Dreieinigkeit ist nie zerstritten, konkurriert nicht miteinander, sondern strahlt die göttliche Liebe in Einheit auf die Menschen aus und gibt dem Menschen dieses Ziel vor. Der Glaube eines jeden Einzelnen sollte mit dem der Anderen übereinstimmen und einheitlich sein, ist er aber faktisch nicht. Jeder setzt Glaubensschwerpunkte, die er für sein Leben für richtig hält, unbewusst oder bewusst. Das haben auch Heilige getan. Der dreieine Gott zeigt und zeichnet in Jesus den Weg, die Wahrheit und das Leben vor. In der Frage der Sünde dürfen wir auf den Hl. Geist, der im Katechismus der kath. Kirche zu spüren ist, vertrauen.
    Hier zeigt sich im Verständnis des Kardinals bereits der Riss zwischen christlichem Dreifaltigkeits-Gottesbild und der fälschlicherweise daraus abgeleiteten „versöhnten Vielfalt“, die die Menschen ausleben können, die diese dann nach diesem falsch interpretierten Gottesbild als zulässig erscheinen lässt und damit der Gefahr des Synkretismus Tür und Tor öffnen könnte. Sind dann plötzlich alle privaten Glaubenssätze bis hin zu allen Religionen gleich wahr und gleich wertvoll und damit sündenfrei?

    Ist diese angesprochene Vielfalt nur für Christen gemeint oder auch für Nichtchristen?

    Falls dies versöhnte Vielfalt sich auch auf alle Religionen erstrecken soll, wird dann nicht sogar der Missions- und Taufauftrag JESU überflüssig, da dann ja in jeder Religion der Himmel erreichbar ist? Wozu dann noch konvertieren?

    Die Fülle des wahren Glaubens ist jedoch nur und ausschließlich als freiwillig liebendes Geschenk an die Menschen in JESU Lehre und Tat enthalten. Das macht Jesu Lehre so überaus anspruchsvoll im Gegensatz zum gewaltlegitimen Glaubensansatz z. B. im Islam.

    Die irdische Friedlichkeit von Religionen, die auf bestimmtem Raum nebeneinander existieren, hängt vom Respekt und der Achtung ab, die die jeweiligen Gläubigen vor den Gläubigen der jeweils anderen Religion haben. Da jedoch ist in Bezug auf den Islam und auch teilweise im orthodoxen Judentum wohl kaum volle „versöhnte Vielfalt“ zu erzielen. Und das liegt eindeutig nicht an der Lehre JESU, die im Umgang mit dem Nächsten, ja selbst im Umgang mit dem „Feind“ liebevollen Umgang verlangt. Jesus fordert von seinen Anhängern damit die schwerste aller menschlichen Hass-Rache-Überwindungskünste nach erlittenem Unrecht.

  2. Herbert Klupp sagt:

    Die Frage in der Überschrift ist berechtigt, aber die Antwort ist klar. Und sie wird ja in dem Artikel unter Hinweis auf den Römerbrief auch schon gegeben. Ich füge das Wort Jesu aus Joh 15,19 hinzu: „Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.“ Dieses „erwählt habe“, dieses „aus der Welt herausgerufen sein“, das ist unsere Kirche ! Ecclesia heißt wörtlich die Herausgerufenen, Herausgenommenen. Wissen das manche Kardinäle nicht mehr ? Inwiefern kann man als Nachfolger Jesu ernsthaft eine „Anpassung (der Lehre) an eine (weltliche) Lebenswirklichkeit“ ins Gespräch bringen ? Das ist per se falsch. Wollen diese Leute der Kirche schaden ? Oder was könnte ihr Motiv sein ? Ich biete als Antwort an: sie wollen den massiven und ostinaten Forderungen der Medien endlich untertänigst nachkommen.

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