Lassen wir uns nicht täuschen!

Dankenswerterweise bringt kath.net den Wortlaut der „Relatio – Circulus Germanicus – Wortlaut der deutschen Sprachgruppe“, die diese als einen Beitrag der Synode für das Abschlusspapier vorlegt.
In einer Meldung offensichtlich der Katholischen Nachichtenagentur KNA über dieses Papier steht ein bemerkenswerter Satz: „Die deutschsprachige Kleingruppe fordert zugleich, die kulturellen Eigenheiten und Unterschiede in der Weltkirche stärker zu berücksichtigen.“
Das klingt doch verdächtig nach einer möglichen Auflösung der theologischen Einheit in der Weltkirche und läßt  vermuten, dass hier Sonderwege der einzelnen Teilkirchen möglich sein sollten, wie sie in der deutschen Teilkirche immer wieder anklingen und schon sehr lange seit der Königsteiner Erklärung 1968 nach der Veröffentlichung der Enzyklika Humanae vitae praktiziert werden. Wie sehr diese Erklärung und die deutsche Praxis aus ihr noch nachklingt, das bewies Kardinal Marx mit seinem unsäglichen Wort, dass „wir keine Filiale Roms sind“. Wennn KNA also hier eine Forderung der deutschen Sprachgruppe nach stärkere Berücksichtigung der kulturellen Eigenschaften und Unterschiede der einzelnen Teilkirchen unterstellt, dann wird hier wieder einmal der Wunsch bestimmter Gruppen in der der deutsche Teilkirche deutlich, eigene Wege unabhängig von Rom und der Weltkiche zu gehen.
Dass das so verstanden wird, wurde am Sonntag dem 11. Oktober in der Abendmesse in Saarlouis deutlich, in der ein Ruhestandspriester, der die Bibel als ein Märchen- und Mythenbuch bezeichnet und ständig die Gemeinde gegen das römische Lehramt mobilisiert, diesen Satz der KNA aufgriff und damit eine größere Unabhängikeit von Rom und der Einheit in der Weltkirche forderte. Er hatte wohl nur die KNA-Meldung, den ersten Teil der kath.net-Meldung gelesen, aber nicht der Wortlaut der deutschen Sprachgruppe, den kath.net veröffentlichte. Denn dort klingt das anders. In dem von Kardinal Schönborn (Wien) verantworteten Text heißt es. „Eine Anmerkung möchte ich noch vortragen zur Wahrnehmung und Beurteilung unterschiedlicher kultureller Gegebenheiten.“ Da ist von einer Forderung nach stärkerer Berücksichtigung der kulturellen Eigenheiten und Unterschiede so nicht die Rede. siehe hier:
http://www.kath.net/news/52372
Insgesamt enthält der von Kardinal Schönborn für die deutsche Sprachgruppe verfasste Text wichtige und sehr gute Elemente so dass es sich lohnt, diesen Text zu lesen.
Aus dem oben Gesagten schließen wir einmal mehr wie Texte, Ansprachen, Katechesen  – auch des Papstes –  missbraucht werden, um die eigenen Vorstellungen zu präsentieren unter falschen Voraussetzungen. Hier wird der Zuhörer und Leser getäuscht. Auch der Ruhestandspriester in Saarlouis beruft sich ständig auf das Konzil und Papst Franziskus. Deshalb ist es so dringend notwendig, dass wir uns alle die Mühe machen, die Texte selber nachzulesen und damit der Täuschung sehr schnell auf die Spur kommen.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Lassen wir uns nicht täuschen!

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    „…Die deutschsprachigen Bischöfe haben bei der Weltbischofssynode eine positivere Sicht der katholischen Kirche auf die moderne Gesellschaft gefordert. Man dürfe nicht «zu sehr in eine Überbewertung der eher pessimistischen Wahrnehmung unserer Gesellschaft verfallen», heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme der deutschsprachigen Kleingruppe der Bischofssynode. Die «positiven Zeichen der Zeit», so kritisiert das Papier, würden im ersten Kapitel des Arbeitspapiers der Bischofssynode «nur wenig» gewürdigt.
    Warum wird hier immer der realistische Blick auf die „moderne Gesellschaft“ mit Pessimismus gleichgesetzt? Wenn ich mir die Abtreibungspolitik, die Eherelativierung, die Gendererziehung, die Pornoselbstverständlichkeiten, aber auch die Parallelgesellschaften, die sich hier bilden, die Spaß- und Fun-Gesellschaft in vielen Fällen ohne Tiefgang, die in großen Kreisen egoistische Lobbygesellschaft und in katholischen Kreisen die überwiegende Desorientierung katholischer Glaubenswerte u. v. a. mehr anschaue, so bin ich kein Pessimist, sondern eher jemand, der sich einen realistischen Blick auf die Gesellschaft bewahrt hat. Ich kann in den hohen Kirchenaustrittszahlen nur ein „Gesundschrumpfen“ der Kirchen erkennen, also die Angleichung an eine Rest-Glaubenssubstanz der Gesellschaft, die sich der Realität angleicht.
    Wir können natürlich einen rosaroten Blick auf den inneren Nichtzusammenhalt in dieser Gesellschaft schaffen, der die Realität verklärt, aber wir können die immer kleiner werdende Herde nicht per se als Positivum, allerhöchstens als Neuanfang ansehen, der jedoch dann immer ein Stachel im Fleisch der zunehmend religiös-nihilistischen Gesellschaft – leider sehr häufig und zunehmend bei jungen Menschen anzutreffen – sein wird und auch sein muss, wenn die kath. Identität nicht vollends den Bach runter gehen soll. Ich denke, dass ist der realistische Stand der Dinge.
    Und die religiöse Vielfalt, die im Nahen Osten im Irak und Syrien ein so jähes Ende gefunden hat, wird sich auch hier einstellen. Die Zukunft sehe ich allerdings nicht nur für die kath. Kirche, sondern auch für alle bewusst lebende und glaubende Christen und anderen nichtislamischen Menschen mit zunehmender islamischer Einwanderung friedensgefährdet. Auch hier – obgleich wir alles direkt auf Erden vor Augen geführt bekommen – eine Sorglosigkeit und schon an suizidaler Naivität grenzender Wahrnehmung im europäischen und so auch im deutschen Sprachraum seitens der deutschen Teilkirche. Die Verfolgungsprophezeiungen Jesu trifft alle Jünger, so auch uns, auch wenn wir dies in den letzten 70 Jahren verdrängen konnten und andere Christen in anderen Ländern dieses Wort Jesu schmerzlich zu spüren bekommen haben. Das Wort im Johannesevangelium in Johannes 16: …ja, es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten“, trifft auf alle islamischen Terroristen und Radikalzirkel zu. Und das Töten ist ja nur ein Teilaspekt. Die Diskriminierung von Christen und anderen Religionsgemeinschaften im islamischen Machtbereich ist allerorten vorhanden. Auch hier ist eine Realitätswahrnehmung zu erreichen und nicht irgendwelche Schönredereien und Wolkenkuckucksheimarchitektur friedlicher Dialoge am gemütlichen Kamin das Wort zu reden. Das Radikalisierungpotenzial im islamischen Bereich ist riesig. Auch hier angesichts der Entfesselung der IS-Maschinerie keine regelmäßigen Fürbittgebete in der hl. Messe, sondern nur punktuelle Veranstaltungen. Die Gebetsstürme sind ausgeblieben und bleiben noch immer aus. Ein Versagen der deutschen Teilkirche, aber auch der europäischen Teilkirchen, vielleicht auch der Kirchen weltweit.

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