Die Wiege des Abendlands. Mythos und Wahrheit im Fall Galilei – eine Buchbesprechung von Dr. Eduard Werner

Helmut Hirtz: Die Wiege des Abendlands. Mythos und Wahrheit im Fall Galilei – „Finsteres Mittelalter“ oder „Wiege unserer Kultur?“ ISBN 978-3-943506-28-0, Hardcover, 120 Seiten Preis 14,95 E, z.T. farbige Abbildungen, Auslieferung Verlagsbuchhandlung Sabat, Blaicher Str. 49, in 95326 Kulmbach, Tel. 09221 – 407 84 16, Fax 09221 – 407 84 17, E-Mail: info@vb-sabat.de

Unsere wissenschaftlich-technische Weltkultur basiert auf dem Christentum. Der biblische Auftrag aus der Genesis 1.27.28 „Macht Euch die Erde untertan“ wurde von christlichen Wissenschaftlern schon von Anfang an als Arbeitsauftrag verstanden. Dafür stehen viele Einzelpersönlichkeiten und Ordensgemeinschaften. Der Mathematiker Gerbert von Aurillac, der spätere Papst Silvester II. (945-1002), ersetzte die unhandlichen römischen Ziffern durch die sehr viel praktischeren indischen Ziffern, von denen die Menschen früher glaubten, es seien arabische Ziffern. Damit war die Erforschung der Mathematik in den Klöstern durch die Jahrhunderte grundgelegt. Benediktinermönche brauchten auch Jahrhunderte, um die mechanische Räderuhr zu entwickeln. Die Verbindung der Uhr mit der Glocke hatte ein neues Zeitempfinden ausgelöst. Ohne die exakte Zeitmessung hätte die moderne Messtechnik kaum entwickelt werden können. Schon in Dantes „Göttlicher Komödie“ findet sich der Satz: „Wie wohl gefügt der Uhren Räder tun“ (24. Gesang, um 1311). Der englische Mathematiker und Astronom Richard von Wallingford, Abt von St. Alban, konstruierte eine astronomische Uhr. In den Klosterbibliotheken mit ihren Schreibschulen wurde das Wissen der Antike in die Neuzeit herübergerettet. Den Begriff Naturwissenschaft verwendeten die Dominikanermönche Albertus Magnus und Thomas von Aquin schon im 13. Jahrhundert. Die Entwicklung der Landwirtschaft und vor allem der Einsatz der Wasserkraft war ein Verdienst der Zisterzienser-Mönche. Sie haben mit ihren Musterbetrieben fast ganz Europa kolonisiert.
Für die Förderung der Naturwissenschaften, besonders der Mathematik und der Astronomie im Raum der Kirche, stehen große Namen wie der französische Naturwissenschaftler und Bischof Nicole Oresme (1323-1382), Kardinal Nikolaus Cusanus (1401-1464), Domherr Nikolaus Kopernikus (1473 -1543), der Kalenderreformer Papst Gregor XIII. (1502-585) bis zum Entdecker des Urknall-Phänomens, des Priesters und Physikprofessors Georges Lemaître (1894-1966). Auch der Entdecker der Mendelschen Erbgesetze, der Augustinerpater Gregor Mendel, war ein Mann der Kirche. Das 1635 erschienene mathematische Hauptwerk des italienischen Jesuiten Bonaventura Cavalieri wurde zu einem der einflussreichsten Bücher in der Entwicklung der Mathematik. Die bahnbrechenden Leistungen der Kirche erregten natürlich den Neid ihrer Gegner. So kam es zum kämpferischen Schlagwort vom „finsteren Mittelalter“. Um dieses Schlagwort glaubhaft zu machen, erfand man beispielsweise die These, die Menschen im Mittelalter wären so ungebildet gewesen, dass sie sich sogar die Erde als Scheibe vorgestellt hätten. Dabei besteht das Groteske gerade darin, dass im 19. und im 20. Jahrhundert sogar Katholiken auf diese Verleumdung hereinfielen. Die Kenntnis des mittelalterlichen Reichsapfels in der symbolträchtigen Form der Erdkugel mit dem Kreuz war verloren gegangen. Diese Unwahrheit wurde durch sehr einseitige Darstellungen des Falles Galilei noch begünstigt. Daher ist es ein großes Verdienst des Verfassers, dass er die christlich geprägten Naturwissenschaftler des vergangenen Jahrtausends hier so eindrucksvoll zusammengestellt hat. Es wird einsichtig, dass sich die Kirche nicht nur um das ewige Seelenheil der Gläubigen sorgte, sondern auch um die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Erde. Ohne Christentum keine wissenschaftlich-technische Weltkultur.

Eduard Werner

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