Vom Niedergang der deutschen Teilkirche und den Gründen dafür

Wir erleben in unseren Tagen einen erschreckenden Niedergang der deutschen Teilkirche. Das Ausmaß der Austritte hat einen Punkt erreicht, an dem die deutsche Teilkirche dringend innehalten sollte und eine Bestandsaufnahme durch die Bischöfe unerlässlich ist. Das Erschreckende an der ganzen Entwickelung ist, dass nun in großer Zahl die alte Generation austritt, die eigentlich noch einen katechetischen Religionsunterricht nach der Lehre der Kirche genossen haben sollte. Neben den Massenaustritten von Laien ist ein besonderes Alarmzeichen, dass viele Priester ihr Amt verlassen, ins Ausland flüchten oder sich in Nischenpositionen zurückziehen, weil sie dem Stress und der unseligen Ordinariatsbürokratie mit ihrem kirchenfernen Tun entfliehen wollen. Hier tut sich besonders das älteste deutsche Bistum Trier hervor, das sich so gut wie gar nicht um seine Priester kümmert und dem entsprechend auch viel zu wenig um seine Gemeinden.
Was sind die Gründe?
Gerade ist von der Deutschen Bischofskonferenz, d.h. von ihrem Sekretariat mit den von diesem verpflichteten „Fachleuten“ ein Flyer herausgegeben worden mit dem Titel „Geschlechtersensibel: Gender katholisch gelesen:“ Und hier werden nun Auffassungen vertreten, die allen Aussagen von Papst, Kardinälen, der gerade zu Ende gegangen römischen Synode und hier besonders einer Erklärung der deutschen Sprachgruppe der Synodenväter widersprechen.
Die Angelegenheit um diesen Flyer ist symptomatisch für die Situation der deutschen Teilkirche, wie sie in Jahrzehnten entstanden ist, wie wir im Folgenden darlegen wollen.
Über den Flyer selbst ist viel geschrieben worden. Der römische Kurienkardinal i.R Paul Kardinal Cordes hat entsetzt gegen dieses Machwerk protestiert. Die qualifizierteste Kritk zu dem Flyer hat der Regensburger Bischof und ehemalige Ordinarius für Dogmatik an der Universität Trier Prof. Rudolf Voderholzer geleistet, so dass wir hier auf den Flyer im einzelnen nicht mehr eingehen wollen. Sie ist hier nachzulesen:
kath.net/news/52556
Hier wird auch auf andere Stellungnahmen verwiesen und verlinkt. Von den Aussagen des Lehramtes über Gender ist besonders die Meinung des Papstes Franziskus als oberster Hirte der Universalkirche zu nennen. Er hat sich verschiedentlich zu Gendermainstreaming geäussert. Seine wohl schärfste Bemerkung war, dass diese Ideologie dämonisch sei. Das läuft an den Machern des Flyers ab, wie Wasser an einem Fettkörper, obwohl diese Macher sich ständig aus den Aussagen des Papstes herauspicken, was sie zur ihrem ideologischen Kampf für den Zeitgeist gebrauchen können. Die römische Synode zur Familie hat sich eindeutig gegen die Genderideologie ausgesprochen. Ja, sogar die deutschsprachigen Synodenväter, zu denen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx gehört, hat in einer besonderen Stellungnahme während der Synode am 21. Oktober erklärt. „Alle Theorien, die das Geschlecht des Menschen als nachträglichen Konstrukt ansehen und seine willkürliche Auswechselbarkeit gesellschaftlich durchsetzen wollen, sind als Ideologien abzulehnen.“ siehe
kath.net/news/52527
Auch diese sehr eindeutige Erklärung scheint im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zu verhallen. Nun könnte man ja anführen, dass der Flyer vor dieser Erklärung unter Teilnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und des Familienbischofs Erzbischof Koch stattgefunden hat. Aber dann müßte spätestens in den nächsten Tagen der Flyer aus dem Verkehr gezogen und eingestampft werden. Wir glauben nicht, dass das geschehen wird, weil hier wieder das größte Problem der deutschen Teilkirche sichtbar wird, das es nirgendwo in der Weltkirche gibt: nämlich die Macht des in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgeuferten kirchlichen Apparates (Ordinariate) und der Gremien, die durch gewollt weggelassene Katechese über Jahrzehnte kaum noch Glaubenswissen besitzen, wie mir ein Ordinariatsdirektor einer der größten deutschen Diözesen bestätigte. Er sagte: Man müßte 70 % Prozent der Belegschaft hier entfernen, weil diese mit Christentum nichts mehr am Hut haben. Das große Erzbistum München und Freising hatte 1960 beim Tod von Kardinal Wendel 45 Hauptangestellte und drei Nonnen als Belegschaft im Ordinariat. Heute sind es um die 1.000. (sic!). Und die müssen sich natürlich beschäftigen. Das ist nur in dieser durch unsere Kirchensteuern hoch alimentierten Teilkirche möglich. Das gibt es so sonst nirgendwo in der Weltkirche.
Diese Apparate und Gremien haben inzwischen solch eine Macht, dass sie die meisten Bischöfe in der Hand haben. Aber nur diese können das ändern. Und wie gefährlich es für Bischöfe ist, sich gegen diese Macht aufzulehnen haben wir am Schicksal der Bischöfe Mixa und Tebartz van-Elst erlebt, der heute in Vatikan an einer für die Weltkirche wichtigen Stelle arbeitet.
Es hat sich in Deutschland eine Parallelkirche gebildet aus diesem kirchlichen Apparat, Gremien, Institutionen und weiten Kreisen der an den staatlichen Universitäten verbeamteten Theologie, die weitgehend hier bei uns die „Macht“ ausübt. Das gilt auch besonders für das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, das für den Flyer verantwortlich ist und besonders für die katholische Nachrichtenagentur (KNA) sowie für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die amtskatholische Presse im Druck und im Internet. Ein Prälat des Vatikans sagte mir vor drei Jahren, dass das überdimensionierte Sekretariat der Bischofskonferenz die Bischöfe so mit Vorlagen zuwerfe, dass diese alleine damit ausgelastet wären; denn irgenwie müßten sich diese Leute ja beschäftigen. Ist das nun alles zu schwarz gemalt?
Einer der bekanntesten Vatikanisten, der durchaus liberale John L. Allen, hat in seinem Buch „Das neue Gesicht der Kirche- Die Zukunft des Katholizismus“ (The Future Church)  in diesem gründlichen 500 Seiten-Werk, unserer Teilkirche und denen des Nordens diesen Niedergang, den wir erleben, gründlich und schlüssig dargelegt und die von uns genannte „Parallelkirche“ benannt und beschrieben. Er hat dem, was wir hier als „Parallelkirche“ bezeichnet haben, den Untergang vorausgesagt. Helfen wir durch Gebet und Unterstützung der Bischöfe, dass die Parallelkirche so schnell wie möglich verschwindet und die Kirche hierzulande nun wirklich einmal auf die ganze Botschaft wenigstens dieses Papstes Franziskus hört und tatkräftig die von ihm fast täglich an praktischen Beispielen geforderte Entweltlichung vollzieht. Dazu möge uns unter der Führung der Muttergottes, der Patron der Deutschen, der himmlische Heerführer St. Michael ( der deutsche Michel), der heilige Bonifatius und alle unsere großen Heiligen durch die Kraft ihrer Fürsprache helfen.

Michael Schneider-Flagmeyer

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2 Antworten auf Vom Niedergang der deutschen Teilkirche und den Gründen dafür

  1. Eduard Werner sagt:

    Der Niedergang der katholischen Kirche in Deutschland ist doch keine Überraschung, wenn man weiß, dass ein bischöflicher Großverlag jahrelang mit Wissen der Bischöfe für Jugendliche Musik CDs vertrieb, auf denen Satansweihen betrieben und beworben wurden. Wenn Bischöfe dafür sorgen, dass sich Jugendliche dem Satan weihen, dann ist das so absurd, dass es menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Ob ein gewaltiges Sühnen und Opfern uns vor den Folgen dieser Satansweihen noch bewahren könnte, weiß ich nicht.

  2. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Nun, das Hauptproblem hier in Deutschland und im deutschsprachigen Raum, dem Land oder den Ländern der Reformation, ist und bleibt die seit langem von den Kirchenoberen gesteuerte Unwissen der Gläubigen. Sie beginnt mit dem Religionsunterricht in der Schule, in dem kaum noch katholische Glaubensinhalte vermittelt werden, sondern nur gelehrt wird, was dem Zeitgeist entspricht und das seit Jahrzehnten. Und echte Glaubensinhalte werden kaum noch vermittelt. Damit meine ich noch nicht einmal alle Kathechismusinhalte, sondern die Abschwächung der Eucharistie, des „heiligen Brotes“ und letztlich die Beliebigkeit des katholischen Glaubens, der sich möglichst nicht mehr von den heute geltenden verlotterten Moralvorstellungen, vernehmbar und differenziert unterscheiden sollte, nur um kein Bekenntnis ablegen zu müssen. Glaube wird zunehmend als gutmenschliches Schwimmen in der Masse angesehen. Es reicht hier schon aus, mit dem Massedenken mitzuschwimmen ohne Akzentsetzung und insbesondere Bekenntnis. Was aber soll „bekannt“ werden bei Genderinhalten, Abtreibungsinhalten, Enthaltsamkeit in der Sexualität und vielem anderen mehr? Dieses katholisch-christliche Glaubenswissen, welches in das persönliche Leben hineinwirkt, wird nicht mehr als bestimmender Faktor den Gläubigen vermittelt, sondern als Lebensweise unter vielen und dann auch noch als gleichwertig angesehen.
    Ich bin kein Propagandist für eine Theologie, die der Hölle zuviel Platz einräumt, aber wie die Kirche diese und den Herrn der Unterwelt jahrzehntelang verharmlost hat und praktisch vermieden hat, von ihm überhaupt Kenntnis zu nehmen entgegen JESU Gebot, ist erschreckend. Selbst der Begriff der „Sünde“ wurde mit psychologisch aufgehübschten Worten wie „Fehlverhalten“ oder anderen soziologischen Verharmlosungsbegriffen „entsündigt“ und entkernt, als ob es darum ginge, aus dem Wohlleben der heutigen Zeit noch das irdisch Beste zu machen. Nein, es geht um Alles oder Nichts im Jenseits. Das jedoch scheint insbesondere die deutsche Kirche des Verbands- und des Vereinslebens vergessen zu haben. Sie nimmt im Grunde Jesu Wort vom Seelenverderber nicht ernst. Und genau das beleidigt JESUS selbst mehr als alles andere. Die Feinde Jesu hatten wenigsten noch einen festen, wenn auch feindlichen Standpunkt Ihm gegenüber. Die Kirchen, die sein Wort nicht ernst nehmen, degradieren ihn zu einem waschlappigen Prediger, der ersetzbar ist. Und genau das ist JESUS eben nicht.

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