Bischof John Fischer und Lordkanzler Thomas Morus sind nicht umsonst gestorben!

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Abschiedsgespräch mit den Priestern der Diözese Rom u.a. über seine Erfahrungen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dem Unterschied des Konzilsablaufs in der Aula und dem, was die Medien daraus gemacht haben, gesprochen. Ähnliches kann man über die Bischofssynode 2014 und 2015 berichten. Die Medien versuchten die Deutungshoheit über die Synode zu erringen, um ihre kirchenpolitischen Ziele zu erreichen. Die restriktive Informationspolitik in der zweiten Sitzungsperiode erschwerte das sichtlich. Die Bedeutung des Synodenthemas „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ ist bedeutsam für eine humane Zukunft der Menschen. Sie gäbe Stoff für eine Fülle von Artikeln. Was die Medienvertreter aus Deutschland primär interessierte, waren die Gleichsetzung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe und der Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter. Schwester Lucia von den Fatima-Seherkindern hat einmal gegenüber Kardinal Caffara von Bologna geäußert: „Der Endkampf wird um die Familie gehen“.
Das Synodenthema selber interessierte die Medien kaum. Worum es bei der Frage der Geschiedenen im Kern geht, nämlich um das Wort Christi „Was Gott verbunden hat darf der Mensch nicht trennen“, wurde vernebelt. Die Ehelehre der katholischen Kirche wurde zur „gegenwärtigen Disziplin“ bzw. zur „Doktrin“ heruntergemacht. Jene, die sich für das Wort Gottes einsetzen, wurden als „konservative-traditionalistische Bewahrer“ apostrophiert, die im Gegensatz zu den Reformen standen, die der Kirche ein „menschenfreundlicheres Antlitz verpassen“ wollten. Da war es gut, dass sich Bischöfe von Osteuropa und insbesondere aus Afrika Belehrungen von einigen stromlinienförmig angepassten Bischöfen an den Zeitgeist mit einer desolaten pastoralen Situation in ihren Diözesen, bereits im Vorfeld der Synode verbaten. Ein aufschlussreiches Wort der „Reformer“ war u.a. „Was soll eine Synode bewirken, die das wiederholt, was bisher immer schon gesagt wurde“. Vielleicht sollten diese Herren einmal darüber nachdenken, dass die 10 Gebote seit den Zeiten Moses oder das Vater unser seit Jesus Christus immer wieder neu gesprochen und überdacht wird.
Die Strategie der Medien beackerte in der öffentlichen Meinung einen gut bestellten Boden. Der Bildungsstand über die christliche Ehe ist aufgrund des vielfachen Versagens in der Weitergabe des Glaubens in Elternhaus, Religionsunterricht, Predigt und Katechese so parterre, dass die Medien durchaus auf Resonanz stießen. Die „Herde“ ist in diesem Sinne gut konditioniert. Und die Medien verstehen sich auf ihr Handwerk. Zu Wort kommen jene, die ihre Ziele vertreten. Ein Beispiel: Zur Familiensynode wurden auch Ehepaare eingeladen. In den Medien kamen die angepassten zu Wort. So wurde ein deutsches Ehepaar als „bodenständige Berater der Bischöfe“ vorgestellt, die „Tacheles gerade über Sexualität“ redeten. (Augsburger Allgemeine Zeitung, AZ vom 22.10.15) Es waren jene, die, wie der Verfasser meinte „in den zölibatären Klerikerkreisen den Praxis-Check einspeisten“. Er Professor für Moraltheologie, sie Gymnasiallehrerin. Ihr Statement: „Wiederverheiratete geschiedene Christen dürften nicht von ihrem Versagen her betrachtet werden. Dies drohe nämlich den Blick für die ‚großen Potentiale kirchlicher Versöhnung und sittlicher Verantwortung‘ zu verstellen“. Es wäre interessant, was auf so gestelzte Phrasen ein katholischer Denker, wie Robert Spaemann in seiner klaren Diktion antworten würde. Aber solche Katholiken werden wohlweislich nicht befragt. Der Verfasser des Artikels meint, er könne das Gewicht des „bodenständigen“ Synodenberaters verstärkten, wenn er ihn als ehemaligen Geschäftsführer der bischöflichen Studienförderung Cusanus-Werk und als Generalsekretär von „Missio“ Aachen mit Erfahrungen von der Würzburger Synode (1972 bis 1975) präsentierte. Vom Cusanus-Werk ist bekannt, dass es auch von Annette Schavan geleitet wurde und Oskar Lafontaine zu seinen renommierten Schülern zählte. Von „Missio“ Aachen weiß man, dass sie viel für Entwicklungshilfe tut. Die Beschlüsse der Würzburger Synode wurden, wohl nicht ohne Grund, von Rom nie anerkannt.
Die Römische Bischofssynode nahm nicht den von vielen Medien erhofften Verlauf. Bezeichnend ist die Überschrift über einen Artikel der AZ vom 22.10.15 mit „Viel Lärm um nichts“. Es heißt: „Die Bischofssynode zeigt, dass die katholische Kirche auf der Stelle tritt…“. Der Ärger des Verfassers ist spürbar: „Die am Sonntag zu Ende gehende Synode als Beratungsgremium sollte das Forum für diesen Wandel sein. Der Plan ging nicht auf. Die Bewahrer haben sich durchgesetzt… Die Kluft zwischen Wirklichkeit und Lehramt wurde offenbar… Die von Franziskus und den Reformern erhofften Öffnungen blieben jedoch aus… Das einige Diskussionsgruppen nun die Berufung einer Kommission zur Klärung dieser Frage oder gar ein ökumenisches Konzil vorschlagen, zeigt, dass die Kirche auf der Stelle tritt. Weniger der offizielle Titel der Synode ‚Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute‘ wäre ein passendes Motto für die Versammlung gewesen, sondern ‚viel Lärm um nichts‘. Die katholische Kirche ist heute etwa so klug wie vor zwei Jahren“.
Der Autor versucht nun zu retten, was nicht zu retten ist. Er versucht den Papst zu instrumentalisieren und schreibt: „Franziskus’s Ziel war es, einen Prozess anzustoßen, an dessen Ende die katholische Kirche in einem anderen Licht erscheint… Man darf aber den Papst nicht unterschätzen. Franziskus lässt sich auch durch Widerstände nicht beirren. Außerdem verfügt der Papst über ein Instrument, das… als ‚Big Bazooka‘ bezeichnet wird, also als durchschlagende Waffe… Die Bazooka des Papstes heißt Dezentralisierung“. Die Dezentralisierung bringt der Artikelschreiber dann in Verbindung mit Homosexualität und wiederverheiratete Geschiedene. Nun sind beide Fragen in der katholischen Kirche für die gesamte Weltkirche klar geregelt, so dass sie nicht in der Ortskirche A freihändig anders gehandhabt werden können als in der Ortskirche B. Die „durchschlagende Waffe Bazooka“ erinnert ein wenig an die im Führerbunker versprochenen Wunderwaffen von 1945. Das Ende ist bekannt.

Hubert Gindert

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