Christliches Leben war in der NS-Zeit verdächtig

Den Nationalsozialismus und den Kommunismus nennt man totalitär, weil sie neben sich keine andere Weltanschauung dulden. Das zeigt auch das Schicksal von Karoline Redler aus Bregenz am Bodensee. In den Zeiten von Hitler und Stalin hatten Tausende von Christen einen ähnlichen Lebenslauf.
Karoline Maria Redler wurde 1883 als jüngstes von fünf Kindern in der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Schwärzler in Bregenz geboren. Bald nach ihrer Ausbildung in der Klosterschule der Englischen Fräulein in Lindau heiratete sie den Modegeschäftsbesitzer Richard Redler in Bregenz. Im Laufe ihrer Ehe wurde sie Mutter von vier Kindern. Ein Kind starb schon im ersten Lebensjahr.
Ihre Aufgaben in der Familie und im Geschäft erfüllte sie mit Freude und Umsicht, so dass sie in ihrem großen Bekanntenkreis, der weit über Bregenz hinausreichte, sehr geachtet war. Als während des Ersten Weltkriegs die allgemeine Not ständig größer wurde, war es geradezu selbstverständlich, dass Frau Redler an der Spitze des Roten Kreuzes in Bregenz für die Verwundeten in den Lazaretten Hilfe organisierte und für die Bedürftigen Lebensmittel und Kleidung beschaffte. Sie hatte das Talent, andere Frauen für ihre Hilfsmaßnahmen zu gewinnen. Um ihre Unternehmungen auf eine solide Grundlage zu stellen, gründete sie den „Verband katholischer Frauen und Mädchen“. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Not noch größer. Damit wuchs auch der Einsatz von Karoline Redler und ihrer Mitstreiterinnen. Mit dem Anschluss ¬Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 erfolgte jedoch bald die Zwangsauflösung des katholischen Frauen-Verbandes.
Karoline Redler bekannte sich auch nach diesem „Anschluss“ zum katholischen Glauben und zu Österreich. Da sie in der Bevölkerung weiterhin sehr beliebt war, stand sie den Nationalsozialisten offenbar im Wege. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) stellte daher einen ständigen Beobachter vor das Haus der Familie Redler und suchte nach einer Gelegenheit, an der so genannten „Schwarzen“, der unbeugsamen prominenten Repräsentantin des christlich-sozialen Bürgertums ein Exempel zu statuieren. Die Gelegenheit ergab sich am 24. August 1943, als sich Karoline Redler in einem Wartezimmer von zwei parteitreuen Patientinnen in ein Gespräch verwickeln ließ. Die beiden Provokateurinnen meldeten noch am gleichen Tag der Gestapo, Frau Redler habe behauptet, dass die Luftangriffe auf die deutschen Städte nur eine Antwort auf die deutschen Kriegstreibereien seien. Darüber hinaus habe sie sogar Hitlers „Endsieg“ bezweifelt. Daraufhin wurde Karoline Redler von der Gestapo abgeholt und streng verhört. Dort bestritt sie die ihr zur Last gelegten Äußerungen. Diese seien entstellt und verfälscht worden. Dennoch wurde Frau Redler in eine Isolationszelle ohne Licht und ohne Heizung eingesperrt. Da erkrankte sie ernstlich, so dass sie kurzzeitig in ein Krankenhaus kam. Von dort durfte sie einige Zeit unter ständiger Bewachung sogar nach Hause. Der dort installierte Gestapomann teilte ihr, entgegen der Bitte ihres Mannes mit, dass ihr 23 Jahre alter Sohn Kurt auf der Krim gefallen war. Auch von ihrem Sohn Richard habe man keine Nachricht. Da erlitt Frau Redler einen Nervenzusammenbruch und sie galt zunächst als haftunfähig. Aber nach dem Attentat Stauffenbergs am 20. Juli 1944 wehte ein eisiger Wind über Deutschland. Die Nationalsozialisten wollten sich an allen rächen, die nicht zu ihnen gehörten. Deshalb wurde Karoline Redler wieder verhaftet und in einem dreiminütigen Prozess zum Tod verurteilt – wegen angeblicher Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung. Beim ersten Versuch der Hinrichtung blieb das Fallbeil stecken. Frau Redler kam zurück in die Todeszelle. Zwei Wochen später fand dann am 8.11.1944 die endgültige Hinrichtung statt. In ihrem Abschiedsbrief stand u.a.: „ich opfere meinen Tod auf als Sühne … Ich sterbe für meine Überzeugung …“ Wer weiß heute noch, wie leicht man damals auch mit unbewiesenen Behauptungen jeden Gegner in den Tod schicken konnte?

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Christliches Leben war in der NS-Zeit verdächtig

  1. Herbert Klupp sagt:

    Wie wertvoll diese Geschichten sind ! Zeitdokumente ! Korrektur einer verlogenen linkslastigen und heute weitverbreiteten Darstellung des Dritten Reiches ! Und vor allem eindringliche christliche Glaubenszeugnisse und Würdigung der gläubigen Katholiken damals ! Vielen herzlichen Dank, Eduard Werner ! VERGELTS GOTT !

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