Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Hilarius von Poitiers

„Jetzt ist‘s an der Zeit zu reden. Die Zeit zum Schweigen ist aus. Christus steht vor der Tür, denn der Antichrist ist schon da. Jetzt müssen die Hirten laut schreien, denn die Mietlinge sind geflohen. Kommt, wir wollen unser Leben opfern für die Schafe, denn die Räuber sind eingebrochen, und es geht ein brüllender Löwe um. Kommt, mit solchem Ruf wollen wir dem Martyrium entgegeneilen, denn der Satansengel hat sich in einen Lichtengel verkleidet … Am faulen Frieden erkennt man die falschen Propheten; wenn Irrlehre und Spaltung kommen, werden die Getreuen offenbar.
… Die Diener der Wahrheit müssen laut verkünden, was wahr ist. Wenn wir Falsches vorbringen, dann sei unser Wort ehrlos und verflucht. Wenn wir aber als wahr erweisen, was wir sagen, dann überschreiten wir nicht die Grenzen der apostolischen Redefreiheit und der besonnenen Klugheit: Denn wir heben unsere Klage an nach langem Schweigen … Hört auf diese heilige richtige Auslegung der Konzilstexte, hört doch auf die unerschütterlich festgegründete Kirche … Hört auf diesen Glauben, der da ist das vertrauenswerte Fundament jeder menschlichen Hoffnung.“
(Hilarius von Poitiers)

Wer war Hilarius von Poitiers, der diese Worte an den Nachfolger von Kaiser Konstantin richtet?
Er ist um das Jahr 310 in Poitiers geboren und gehörte der Oberschicht der Gesellschaft an. Aufsehen dürfte Hilarius erregt haben, als er sich taufen ließ vermutlich im Jahr 345. Nach seinen eigenen Worten war es die Faszination über die Offenbarung Gottes vor Mose im Dornbusch (Ex 3,14), die ihn zu diesem Schritt veranlasst hatte. „Ich bin, der ich bin. – Ich bewunderte diese vollkommene Definition, die den unbegreiflichen Gottesgedanken durch diese dem menschlichen Verstand angepassten Worte zu übersetzen gestattet.“
Hilarius wird um das Jahr 354 zum Bischof seiner Heimatstadt gewählt. Seine erste Tätigkeit war die Predigt. Schritt für Schritt legte er der Gemeinde das Matthäusevangelium aus, das er selbst in den letzten Jahren intensiv studiert hatte. Es bleibt nicht aus, dass er sich in der Aus¬einandersetzung mit dem Arianismus (Der Sohn ist dem Vater nur ähnlich, ist nicht gleich ewig wie der Vater, sondern wurde erst später quasi vergöttlicht.) als Verteidiger des Konzils von Nicäa 326 und des dort formulierten Glaubensbekenntnisses erweist, das in der Konsequenz völlig der Taufformel entspricht, der sich Hilarius vor Gott und seinem Gewissen verpflichtet weiß. Die Treue zu Gott ist ein Geschenk seiner Gnade. Daher bittet der heilige Hilarius am Ende seines Traktats über die Dreifaltigkeit darum, seinem Taufglauben immer treu bleiben zu dürfen.
Unter dem Druck der Arianer musste Hilarius in die Verbannung nach Kleinasien gehen, wo er insbesondere die Liturgie des Ostens schätzen lernte. Hier verkündete er auch, mit Festigkeit den wahren Glauben, warb für die Einheit der Kirche und begegnete den Gegnern mit Freundlichkeit und Offenheit, um so auch Brücken zur Einheit zu bauen.
Zurückgekehrt nach Gallien trug er in der Folgezeit maßgeblich zur Überwindung des Arianismus in Gallien bei. 367 ist Hilarius gestorben. 1851 wurde er von Papst Pius IX. zum Kirchenvater erhoben.
Heute gilt es, für die Einheit der Kirche einzutreten, die nur im Glauben der Kirche gründen kann und dort vom Lehramt in der Einheit der Bischöfe unter und mit dem Papst bewahrt wird. Zum Bekenntnis des katholischen Glaubens gehört auch, dass das Menschenbild der Kirche in Verbindung mit der Taufe und mit allen Sakramenten der Kirche gelehrt wird. Daraus ergibt sich der laute Widerspruch der Kirche zu jeder Abtreibung, zu jeder Unterstützung des Suizids, zu jedem politischen Versuch beliebige Partnerschaften unter Missachtung der vorgegegebenen Natur des Menschen zu einer Ehe hochzustilisieren und mit einem Genderismus Männern und Frauen die je eigene Berufung und Würde zu nehmen.

Gerhard Stumpf

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Novemberheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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2 Antworten auf Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Hilarius von Poitiers

  1. Dr. Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

    Die Redaktion:
    Es freut uns, Lisabeth und wir wünschen Euch bei Eurem Stopmotion Video über den heiligen Martin gutes Gelingen und viel Erfolg.

  2. Lisabeth Geske sagt:

    Guten Tag,

    Mein Name ist Lisabeth Geske und ich gehe in die 9. Klasse der Elisabethschule Marburg. Wir drehen im Religionsunterricht unserer Schule ein Stopmotion Video über Martin von Tours und wir haben euer Bild von Bischof Hilarius dafür verwendet. Ich wollte fragen, ob sie damit einverstanden wären, wenn wir das entstehende Video auf unserer Schulwebsite veröffentlichen.

    Ich würde mich sehr über eine Antwort von ihnen freuen

    Liebe Grüße

    Lisabeth Geske

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