Vom Weinen Gottes

„Jesus hat geweint“. So begann Papst Franziskus seine Predigt zum Tagesevangelium Lk.19,41-44. Er weint über Jerusalem, weil es die Zeit der Gnade, den Weg des Friedens nicht erkannt hat. Aber auch heute weine Jesus, so der Papst, weil wir den Weg des Krieges, den Weg des Hasses und der Feindschaften bevorzugen.
http://de.radiovaticana.va/news/2015/11/19/heiliges_jahr_gegen_den_weltkrieg/1187993#
Die Welt, sagt der Papst, habe den Weg des Friedens nicht verstanden. Ist das nicht die Zurückweisung des Heiligen Geistes? „Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus“: Mit diesen Worten beginnt der heilige Apostel Paulus seine Briefe. Paulus, der nach Norbert Baumert SJ ein trinitarischer Theologe ist, erwähnt mit diesem Gruß Gott den Vater und den Herrn Jesus Christus. Und wo bleibt der Heilige Geist? Es ist der Friede Gottes. Im Brief an die Philipper (4,7) macht er dies unmissverständlich. „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahren.“
„Gott hat einen größeren Kopf“ nennt die vor Jahren hochbetagt gestorbene Schauspielerin und Hamburger Theaterprinzipalin Ida Ehre ihre Lebenserinnerungen. Das Wort für den Titel hatte Ida Golda Ehre ihre jüdische Mutter mit auf den Lebensweg gegeben: „Denk immer daran, Gott hat einen größeren Kopf als du.“ Und so übersteigt sein Friede, der Heilige Geist, all unser menschliches Verstehen und Begreifen. Wir sollten uns immer daran erinnern, wenn wir uns berechtigt fühlen, Gott Vorwürfe zu machen. Er hat uns „wenig geringer gemacht als Gott“ (Psalm 8), uns die Schöpfung anvertraut, „das ganze Werk seiner Hände“ und als kostbare Gabe uns die Freiheit überlassen, sich für oder gegen ihn zu entscheiden.
Es gibt eine böse personale Macht, auch wenn das viele Kirchenleute heute so nicht mehr gelten lassen wollen. Jesus selbst nennt diese Macht den Satan. Kein Papst hat in jüngerer Zeit so viel vom Teufel gesprochen wie Papst Franziskus zum Ärger vieler Theologen, aber auch Priester und höherer Amtspersonen. Der Teufel ist an nichts mehr interessiert, als die Kinder Gottes vom Frieden Gottes wegzubringen und damit vom Wirken des Heiligen Geistes.
Sich dieses täglich bewusst zu machen gehört, gehört zum geistlichen Leben eines jeden Christen. Und da es immer wieder heißt, dass Gott bei mir selbst anfangen solle, dürfen wir ihn täglich bitten, uns zu zeigen, wo denn ich und du den Frieden Gottes, dem wir doch alle im Grunde folgen sollen und auch wollen, missachten und seine Stimme in uns zum Schweigen bringen.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir täglich bitten, in uns diesen Frieden erringen zu können, damit wir der Welt Zeugnis vom Frieden Gottes geben können und so unseren Auftrag als Zeugen Christi „bis an die Enden der Erde“ erfüllen, damit die Welt glaubt, dass der Vater den Sohn als unseren Frieden gesandt hat und sich so die „Sehnsucht der Schöpfung nach dem Offenbarwerden der Kinder Gottes“ (Paulus an die Römer) erfüllt. Dazu helfe uns der Heilige Geist, den wir täglich bitten: „Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gäubigen, entzünde in uns das Feuer deiner Liebe. Sende aus Deinen Geist und alles wird neu geschaffen und du erneuerst das Antlitz der Erde.“

Michael Schneider-Flagmeyer

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