Grabpflege – Eine Nachbetrachtung zu Allerseelen

„Der Trend geht zum pflegeleichten Grab – die Ruhestätten sehen immer mehr Menschen als Belastung an“, heißt die Überschrift eines Artikels in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 19. Oktober 2015. Weiter: „Das Grab schmücken für Allerheiligen hat eine lange Tradition. Doch wird sie noch gelebt? Wenn ja, welche Trends gibt es? Und was kann ich tun, wenn ich eine schöne Ruhestätte für meine Angehörigen haben will, aber keine Zeit zur Pflege habe oder krank bin?“ Der Text des Artikels sagt: Es sind „vor allem ältere Menschen, die den 1. November noch als den Tag hochhalten, an dem die Gräber geschmückt sein müssen“, aber „immer mehr Menschen finden Gräber als Belastung“ und „dass der Friedhof nicht mehr im täglichen Leben der Menschen verankert ist“. Die Urnenbestattung habe stark zugenommen. „Die Urne ist mobil und passt in eine mobile Gesellschaft“, meint Alexander Helbach von „Aeternitas“, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Helbach nennt als moderne Alternativen zur bisherigen Bestattungskultur „Waldbestattungen, Baum-, Rasen- und Gemeinschaftsgräber“.
Änderungen in der Bestattungskultur galten schon in früheren Epochen als ein Kulturbruch. Wir erleben einen solchen heute. Der Distanz zu den Gräbern, selbst der nächsten Angehörigen, geht die Distanz zum Tod voraus. Es ist nicht nur die Entsorgungs- und Wegwerfgesellschaft von der Papst Franziskus so häufig spricht, es ist vielmehr die Tabuisierung des Todes und des Lebensendes, an die Menschen nicht mehr erinnert werden wollen. Das führt heute gelegentlich dazu, dass selbst die Teilnahme an der Beerdigung durch nahe Angehörige nicht mehr in jedem Fall gesichert ist, z.B. weil eine Urlaubsreise gebucht wurde.
Der Tod erinnert an das Ende irdischen Lebens. Für die Gottlosen ist es das absolute Aus, wie es im Buch der Weisheit, etwa 50 Jahre vor Christus, deutlich gemacht wird:
„Kurz und traurig ist unser Leben, für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei und es ist kein Retter aus dem Hades bekannt. Denn durch Zufall grob sind wir gebildet und hernach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Denn (nur) Rauch ist der Atem in unserer Nase, und der Gedanke (bloß) ein Funke des Herzschlages. Wenn er verlöscht, vergeht zu Asche der Leib, und der Geist verweht wie dünne Luft. Und unser Name wird vergessen werden mit der Zeit, und niemand wird sich unserer Werke erinnern. Und unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke und es wird zerstreut wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne durchbrochen und von ihrer Wärme niedergedrückt wird. Denn unser Leben ist nur der Vorübergang eines Schattens, und es gibt keine Rückkehr an unserem Ende, denn das ist versiegelt und keiner kann es wenden“ (Weisheit 2,1-5).
Der Völkerapostel Paulus, der die antike Welt kannte, geht im Brief an die Korinther, auf die Geisteshaltung derer, die den Glauben an Gott verloren haben, mit dem Satz ein: „Wenn die Toten nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken, denn morgen werden wir sterben“ (1 Kor, 15,23).
Ein Dichter unserer Zeit, Berthold Brecht (1898-1956), reiht sich mit nachstehendem Gedicht in die Zahl der Gottlosen ein:
„Lasst euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.
Ihr sterbt mit allen Tieren
und es kommt nichts nachher.“
Aus dieser Erkenntnis ziehen die Gottlosen nach dem Buch der Weisheit die Schlussfolgerung
„Wohlan denn! Lasst uns die Güter genießen und die Schöpfung auskosten wie in der Jugend!“
(Weisheit 2,6)

Es wäre falsch, diese Gottlosen mit den „Heiden“ des Altertums gleichzusetzen. Heiden kannten sehr wohl den Ahnenkult in verschiedenen Formen der Bestattungskultur sowie ein Weiterleben im Jenseits. Die Heiden unserer Zeit lehnen ein Weiterleben nach dem Tod, ein Gericht und eine Auferstehung von den Toten ab. Der Wandel der Bestattungskultur hat mit der Ablehnung Gottes selbst zu tun. Für Atheisten ist der Tod die eigentliche menschliche Katastrophe. Für Christen hat der christliche Tod einen positiven Sinn. „Das wesentlich Neue am christlichen Tod liegt darin: Durch die Taufe ist der Christ sakramental schon ‚mit Christus gestorben‘, um aus einem neuen Leben zu leben“. (KKK 1010)

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *