Frater Robert Albrecht SJ – Von Gott zu reden war gefährlich

Schon zu Beginn der 30er Jahre sagte Hitler: „Die Pfaffen sind schlau genug, sich nicht auf einen Kampf einzulassen. Tun sie es doch, werde ich keine Märtyrer aus ihnen machen. Zu simplen Verbrechern werde ich sie stempeln.“ In Deutschland und in den besetzten Ländern hat Hitler tatsächlich 4000 katholische Priester zu Verbrechern gestempelt und ermorden lassen. Diese Vernichtungswelle hat auch den Jesuitenfrater Robert Albrecht getroffen. Er wurde am 18.04.1907 in Dingelstädt in Thüringen geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte er in Breslau eine kaufmännische Lehre. Aufgrund seiner besonderen Sprachenbegabung arbeitete er ab 1931 als Dolmetscher bei der deutschen Gesandtschaft in Prag. Dort trat er 1934 in den Jesuitenorden ein. Nach dem zweijährigen Noviziat studierte er in Italien Theologie und bereitete sich auf die Priesterweihe vor. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 15.03.1939 besetzten deutschen Truppen Prag. Schließlich wurde Robert Albrecht zum Militär eingezogen. Er kam als Wehrmachts-Dolmetscher nach Prag und in das Kriegsgefangenenlager Dabendorf, wo ehemalige tschechische Soldaten interniert waren. Als Jesuit stellte sich Albrecht sowohl den deutschen Soldaten als auch den tschechischen Gefangenen zu Seelsorgsgesprächen zur Verfügung. Die tschechische Sprache stellte für die Mission Albrechts kein Hindernis dar. Seelsorge an deutschen Soldaten war jedoch nur eigens dazu bestellten Militärpfarrern erlaubt. Dazu gehörte Albrecht ja nicht. Und Seelsorge an Kriegsgefangenen war streng verboten. Spitzel zeigten Robert Albrecht wegen seiner vertraulichen Gespräche mit Gefangenen und wegen seiner anti-nationalsozialistischen Grundeinstellung an. Deshalb wurde er am 19. Mai 1943 verhaftet und in das Gefängnis Berlin-Tegel gebracht. Dort sprach ihn am 5.8.1943 ein Kriegsgericht der nicht erlaubten Gefangenen-Seelsorge schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Gnadengesuche seiner Familie und seiner Freunde wurden abgelehnt. So wurde Robert Albrecht am 18.09.1943 in dem berüchtigten Zuchthaus Brandenburg-Görden durch das Fallbeil hingerichtet, an einem Ort, wo damals viele Priester den Tod fanden. Sie alle hatten von Gott geredet, als es verboten war. Heute werden in unseren Breiten die Christen, die sich zu Gott und seinen Geboten bekennen, nur noch lächerlich gemacht und mitunter beruflich benachteiligt. Die Formen der Verfolgung ändern sich. Ursprung und Ziel der Verfolgung  jedoch ähneln sich.
Die Angehörigen von Robert Albrecht wurden über das vollstreckte Urteil unverzüglich in Kenntnis gesetzt. Die Jesuiten konnten ihren Mitbruder nach einem feierlichen Requiem am 22.09.1943 in Breslau beisetzen.

Eduard Werner

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Dezemberheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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