Zum Fest Mariä Empfängnis und zur Eröffnung des Heiligen Jahres.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn man in seinen Computer als Suchbegriff „Himmelstür“ eingibt, dann wird man auf allerlei, ganz unterschiedliche Hinweise stoßen. Am meisten aber kommen Hinweise auf mehr oder weniger lustige Anekdoten und Witze, die oft so beginnen: Kommt ein Mensch zur Himmelstür…und dieser sieht sich dann meist dem Hüter der Himmelspforte gegenüber, welcher ja bekanntlich der heilige Petrus ist. Das Bild von der Tür, nicht nur das der Himmelstür ist ein schillerndes Bild und begegnet uns häufig, bis hin zu den kleinen Türen des Adventkalenders, welche die Kleinen und manchmal auch im Verborgenen die Großen in diesen Tagen in erwartungsvoller Freude  öffnen. Und dieses Bild kann im Positiven, im Guten dastehen: die weit geöffnete Tür, die offene Tür, das Eintreten und Willkommen sein- oder aber als sehr negatives Bild: die verschlossene Tür, die zugeschlagene Tür: ein Durchgang,  der zunächst nicht zu durchschreiten ist. Auch für Maria, die Mutter Jesu gibt es dieses Bild: „Pforte des Himmels“ nennt sie die alte Marienlitanei oder ein Gebet bezeichnet sie als „allezeit offene Pforte des Himmels“. Mit Maria, das ist das Geheimnis des heutigen Festtages beginnt Gott etwas ganz Neues: die durch die Sünde der ersten Menschen verschlossene Tür zur ewigen Gottesnähe wird nun wieder geöffnet. Und für diesen Neuanfang, der sich im Erlösertod des Herrn am Kreuz vollendet erwählt Gott das Mädchen aus Nazareth:  Maria. Eben weil etwas ganz Neues beginnt, weil Gottes Neuschöpfung beginnt, deshalb ist kein Platz für die Sünde zwischen Gott und der erwählten Frau Maria. Ohne den Ballast der Verhaftung in der Sünde lässt Gott das Neue entstehen, beginnt er mit Maria einen neuen Weg zu gehen, der uns Menschen wieder zurückführt in die Liebesgemeinschaft mit dem uns liebenden Gott. Und diesen Weg geht Gott ganz wunderbar und menschennah weiter, wenn der Erlöser hineingeboren wird in unser Menschenkleid, in unsere menschliche Gestalt: ja in der Unschuld eines Kindes kommt Gott in diese Welt, um die Erlösung und die neue Schöpfung zu vollenden: und so wird Maria wirklich zur Pforte, zur Tür, durch die Gottes Sohn hineintritt in diese Welt.

All das, liebe Schwestern und Brüder klingt zunächst so schön, so heil, so liebevoll und so ist es auch.  Doch wie passe ich da hinein, in diesen Plan Gottes. Ich, der kleine schwache Mensch, mit meiner Unvollkommenheit, ja mit meiner Schuld? Auch Maria verstand und begriff zunächst nicht, wie sie denn so hineinpassen sollte in diesen Plan Gottes, den der Engel ihr kundtat: „Wie soll das geschehen“-so fragt sie- und sie erfährt in ihrem „JA!“  und in ihrem Leben die wunderbare Antwort: „Für Gott ist nichts unmöglich!“Maria also hat ihren wunderbaren Platz im Planen Gottes. Doch nochmal drängt sich mir die Frage auf: „Wo bin ich, wo bleibe ich?“  „Wie steh ich da vor meinem Gott? Und hier kommt die Barmherzigkeit Gottes ins Spiel. Eben diese Haltung Gottes, die ihn ja auch drängte, seinen Sohn als Erlöser hinzugeben. Aber:  Nicht nur an Maria hat Gott wunderbar gehandelt. Auch mich hat er erwählt, angenommen, als Sohn oder Tochter. Auch mir will Gott seine Gnade schenken, ja er will sich immer wieder an mir barmherzig zeigen. Der Gruß des Engels an die Gottesmutter: „Du bist voll der Gnade“- dieser Gruß gilt auch Dir und mir: Du– und da kann jeder seinen Namen hineinlegen: DU bist in ,meiner Gnade“, in meiner Barmherzigkeit, in meiner Liebe. Und nun ist es an mir, und wieder können wir dies kleiden in das Symbol der Tür: nun ist es an mir, mich zu öffnen, die Tür meines Herzens und meiner Seele zu öffnen, eine offene Tür zu sein, für die Barmherzigkeit und Wegbegleitung Gottes, die so hilfreich und wohltuend, ja heilbringend ist auf der Wanderschaft  durch diese Zeit zur Ewigkeit hin, im Bild bleibend zur Himmelstür. Ich bin also nicht nur ein Rädchen im Getriebe dieser Welt. Ich bin Kind Gottes, einmalig, einzigartig, besonders und doch, wie jedes Menschenkind, SEIN Ebenbild. Dies ist ein wirklicher Grund zur Dankbarkeit, zur Freude und zur Glaubenstreue.  Heute Morgen, liebe Schwestern und Brüder hat Papst Franziskus in Rom auch eine Tür geöffnet (wir haben es eben noch einmal gesehen)- die Heilige Pforte, die aufgestoßen wurde zum „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“. Ein Jahr, eine Zeit die einlädt, uns auf die wunderbare Barmherzigkeit Gottes zu besinnen und zugleich eine Einladung, selber Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Menschlichkeit zu geben und dadurch überreich selber beschenkt zu werden.  Gerade die Zeichen der Zeit, die uns in diesem Advent so markant und augenscheinlich, um Barmherzigkeit und Toleranz bittend begegnen:  die Vielen, die wie Maria und Josef Herberge suchen und vor Gefahren flüchten, wie die Heilige Familie vor den Soldaten des Herodes,  die Ohnmacht  vor der Bedrohung der Welt durch Hass, Terror und Gewalt, die Bedrohung von Gottes Schöpfung, die nur im Zusammenwirken der Menschheitsfamilie zu lindern ist: all dies drängt zu Umkehr, Wertesuche und Werken der Barmherzigkeit.

„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist “, – dieser Leitgedanke, diese Richtschnur des Heiligen Jahres soll uns führen durch ein besonderes Jahr, der Erneuerung im Glauben und der Neuentdeckung barmherziger Liebe.

Eine alte Legende – sie handelt wiederum von der Himmelstür – diese Erzählung berichtet vom erstaunten und verwunderten Pförtner Petrus. Dieser staunt auf einmal im Gottesreich so viele Neuankömmlinge zu sehen. „Die und den habe ich doch noch gar nicht hereingebeten. Die sind doch noch in der Warteschleife für das Himmelreich“, so sind seine Gedanken. Da sieht er auf der Mauer des Paradieses Maria, die Mutter des Herrn, die mit dem Zipfel ihres Mantels die Sünder,  die um Einlass Bittenden in den Himmel hineinzieht.  Die Pforte des Himmels, Maria, Zuflucht der Sünder.

Das Heilige Jahr, das wir feiern, könnte so ein Mantelzipfel sein, ein Mantelzipfel, den Gott uns entgegenstreckt um uns an sich zu ziehen, um uns erfahren zu lassen:

Mit ewiger Liebe liebe ich dich. Ich lasse und verlasse dich nicht. Geh vertrauensvoll deinen Weg, denn du hast ein gutes Ziel. Das Ziel ist Gott selber.  Amen

Pfarrer Ralf Hiebert, Lebach-Saar am 8.12.2015

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*