Was ist die Hölle? Gibt es sie und wer kommt hinein?

Mein alter Pfarrer pflegte immer zu sagen: „In die Hölle kommt, wer dort hinein will:“ Ja, wer will denn schon in die Hölle? Wir Menschen sind mitunter schnell bei der Hand, wenn es darum geht, wer in die Hölle muss. Aber niemand auf Erden weiß das. Maria Simma – die Arme-Seelen-Maria – aus dem Großen Walsertal, die ich noch persönlich erlebt habe und für absolut authentisch halte, hat immer gesagt, dass die Armen Seelen niemals sagen, wer in der Hölle ist.
Dass es die Hölle, die Verdammnis, das ewige Feuer, dass dem Satan und seinen Engeln bereitet ist, gibt, bezeugt uns Jesus selbst. In der Kirche gibt es eine Auffassung: die mit an Gewissheit grenzende Hoffnung Hans Urs von Balthasars, die auch der bis auf die Knochen katholische Dogmatiker Michael Schmaus vertrat, das Gottes Barmherzigkeit im letzten Augenblick noch die Tür öffnen wird und damit die Hölle leer bleiben könnte. Dass das nicht so sein muss, bezeugt den drei Seherkindern von Fatima die Muttergottes. Sie zeigt ihnen die Hölle, aber nicht, wer dort ist. Sicher ist, dass Gott dem Menschen die Freiheit gelassen hat, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. In meiner Zeit der Krankenhaus-Seelsorgearbeit in Heidelberg, bin ich einmal von einem Sterbenden und seiner wutentbrannten Frau aus dem Sterbezimmer gejagt worden mit dem Ruf: „Wir brauchen und wollen Gott nicht.“ War das nun das letzte Wort? Ich weiß es nicht. Die Kirche – und wir alle sollten das täglich tun – betet, das niemand verloren gehen möge. Gott will dieses Gebet und er wird es auch erhören. Aber im Gegensatz zu Luther glaube ich nicht, dass Gott die Freiheit des Menschen zur Entscheidung auch nicht „in extremis“ aufheben wird. Aber ich hoffe, dass er sich jedem Sterbenden zeigt und dass dieser ihn dann auch erkennt.
Wir Menschen sprechen sehr oft von der Hölle auf Erden. Das aber trifft es nicht. Auch in Auschwitz war Gott anwesend mit dem Kreuz Christi und litt mit den Leidenden. Auschwitz war nicht die Hölle. Die Hölle stelle ich mir vor, als einen Ort (Zustand) der vollkommenen Abwesenheit Gottes, der die Freiheit des Menschen Nein zu sagen nicht aufhebt und sich ihm nicht aufdrängt, aber mit offenen Armen auf seine umkehrenden Kinder wartet. Und ein solcher Ort oder Zustand der vollkommenen Abwesenheit Gottes ist so schrecklich, dass er jede Vorstellungskraft des Menschen übersteigt, die immer noch alle in der „Zeit der Gnade“ leben und sich der unendlichen Barmherzigkeit Gottes und seiner Sündenvergebung sicher sein dürfen. Aber Jesus selbst hat gesagt, dass eine Sünde nicht vergeben wird, die Sünde wider den Heiligen Geist. Was ist diese Sünde? Vor Jahren habe ich in Hegne am Bodensee einen jüngeren Schönstatt-Pfarrer, der weder „liberal“ noch „konservativ“ war in einer Predigt zu diesem Evangelium sagen hören, dass die Sünde wider den Heiligen Geist die Ablehnung der göttlichen Vollmacht Jesu sei. Nach der Messe bin ich in die Sakristei gegangen und habe den Pfarrer gefragt, ob er sich darüber im Klaren sei, dass nach dieser Definition ein sehr großer Teil der Theologen und seiner priesterlichen Mitbrüder verloren gehe. Die Antwort war: Er sei sich darüber im Klaren.
Nun kann man sich fragen, ob denn nicht viele Theologen und auch Priester das Opfer von „weg“-Führern statt Wegführern in der Kirche sind. Ich wage keine Antwort. Sicher ist, dass Theologen und Priestern die Lehre der Kirche auf dem Fundament  des Herrn selbst und der Apostel bekannt sein muss und auch gewöhnlich ist. Deshalb ist diese Aussage des ehemaligen Pfarrers von Hegne durchaus ernst zu nehmen.
Trotzdem wollen wir Gottes Barmherzigkeit nicht klein reden und darin ganz den Päpsten besonders jetzt Papst Franziskus folgen. Aber wir sollen uns auch hüten auf Gottes Barmherzigkeit hin zu sündigen; denn das wäre Blasphemie. Gottes Barmherzigkeit ist kein Praliné und auch kein Mäntelchen, dass über unsere Sauereien gebreitet wird, sondern die Misericordia Dei ist die Verwandlung unseres Elends durch das heiligste Herz Jesu. Und eine solche Verwandlung kann sehr schmerzhaft und langwierig sein, weil wir Menschen uns nur sehr schwer von unseren Kompensationen trennen wollen.
Uns so komme ich für mich zu dem Schluss, dass ich nichts mehr will, als in den Himmel zu kommen trotz meiner erbärmlichen Schwäche und meinen vielen Sünden; denn mein ganzes Wesen sehnt sich nach dem vollkommmen Einssein mit Gott, Christus ähnlich zu werden. Und Gottes Barmherzigkeit wird mir den Weg dazu ebnen. Um noch einmal meinen alten Pfarrer zu zitieren: „Wenn Du in den Himmel wirklich willst, wirst Du auch hinein kommen.“
Dazu helfe uns der Dreifaltige Gott auf die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, die sich auch über uns arme, schwache und kranke Kinder beugt, wie jede gute Mutter.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Was ist die Hölle? Gibt es sie und wer kommt hinein?

  1. Herbert Klupp sagt:

    Ein guter und wichtiger Artikel. Ein bewußtes Aufgreifen dessen, was von Pfarrern und Bischöfen (seit vielen Jahren) ständig verschämt ausgeklammert und tabuisiert wird, zum Schaden der Gläubigen und zur Schwächung der Kraft kirchlicher Lehre. Inhaltlich ist mir wichtig, daß wir von niemand konkret sagen sollen (dürfen) daß er „in die Hölle kommt“ oder schon „in der Hölle schmort“. Nein. Wie wunderbar ist katholische Lehre, weil sie (sich) diese Aussage schon immer verboten hat. Doch an eine (fast) Allversöhnung (im Tode) glaube ich nie und nimmer. Wenn ich mich an Jesus halte, dann muß ich einsehen, daß er nur eine „kleine Herde“ als gerettet ansieht. Müht euch, durch die enge Pforte einzugehen, denn viele werden verlorengehen. Der Weg zum Himmel ist schmal und steil, der zur ewigen Verdammnis breit und gut ausgebaut. Die MASSEN spazieren darauf, munter, überheblich, besserwisserisch, und giftig gegen jeden, die auch nur vorsichtig warnen will. Ich gebe zu, daß ich mir die Seelen meiner Lieben, Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels usw nicht anders als durch Christus gerettet im Jenseits vorstellen kann (obwohl da „solche und solche“ dabei waren). Aber angesichts der mir fremden Menschen, die Kirche verdammen und beschimpfen, Verleumdungen gegen Gläubige starten, Angriffe inklusive Brandanschlägen auf deren Autos usw, auch jene, die ständig den islam hofieren, und die elende Not der verfolgten Christen (die keinen Schlepper nach Deutschland bezahlen können) klein reden und tabuisieren, medienmächtig, diese mir fremden Personen sehe ich definitiv NICHT als gerettet, sondern als verloren (so sie nicht noch umkehren). Summe: die Frage ist zu groß für mich. Gott allein gebührt die Ehre.

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