Krippe, Kreuz und Eucharistie – Weihnachtliches und Nachweihnachtliches im Geist des hl. Franziskus

Weihnachten ist vorüber, wir sind aber noch in der Weihnachtszeit, wenn dieser FELS erscheint. Und so macht es Sinn, darüber nachzudenken, was die Geburt des Erlösers, was die Krippe für unser Leben nach und über Weihnachten hinaus bedeutet.
Dabei kann uns der heilige Franziskus helfen, der als Vater der Krippenfeiern gilt. Dem Heiligen ging es immer sehr um das Konkrete. Er wollte Glaubenswirklichkeiten spüren, mit den Sinnen erfahren. Und da für ihn die Menschwerdung Gottes das Größte war – diese Bereitschaft des großen Gottes, sich klein zu machen und zu den Menschen zu kommen – wollte er dieses Geschehen der Geburt Jesu, das uns vor allem das Lukasevangelium so anschaulich überliefert hat, auch ganz konkret miterleben. Dazu fand er bei dem Ort Grecchio, im Rieti-Tal, knapp 100 Kilometer von Rom entfernt, eine Höhle, in der er mit lebendigen Tieren und einer Figur des Christkinds diese Feier beging, zu der viele Brüder aus seinem Orden und Menschen aus der Umgebung gekommen waren. Ein Priester feierte das Hochamt von Weihnachten und Franziskus als Diakon sang das Evangelium und hielt die Predigt. Ebenso legte er das Jesuskind in die Krippe.
Sein Motiv nennt er – nach der Überlieferung des Thomas von Celano – im Gespräch mit dem frommen Johannes, der das Fest für ihn vorbereitete: „Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Betlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen.“
Gottes Demut, dass er sich klein macht für uns, um bei uns zu sein, das war das Zentrum der Gottesbeziehung des heiligen Franziskus. Aber diese Demut Gottes setzt sich auch in seinem gehorsamen Gang bis zum Kreuz fort. Am La Verna, dem Berg der Stigmatisierung erlebte Franziskus hautnah den gekreuzigten Herrn, seine Demut – seine Bereitschaft, für uns Menschen, zu unserer Erlösung den Tod zu erleiden. Für Franziskus waren die Wundmale Christi, die er auf dem La Verna empfangen hatte und stets vor den Menschen verbarg, etwas überaus Wertvolles, weil er hier spürte, dass ihm Christus ganz nah war. Ihm war sehr bewusst, dass dieser Gott für uns gelitten hat und gestorben ist und damit größtmögliche Liebe bewiesen hat. Daraus lebte Franziskus, indem er tagtäglich diese Liebe erwiderte.
Doch diese Nähe Gottes setzt sich fort im Sakrament der Eucharistie. Auch hier kommt er zu uns, indem er sich klein macht. Für Franziskus war die Eucharistie ebenfalls Zeichen der Demut Gottes. Doch dass Gott den Weg der Begegnung mit uns über ein schlichtes Stück Brot gesucht hat, birgt natürlich eine Gefahr in sich. Man kann – wie es oft geschieht – diese Anwesenheit Gottes in der Eucharistie übersehen oder kleinreden. Das aber ist fatal, denn dadurch verlieren wir den Sinn für das unüberschreitbar Große der Begegnung mit dem lebendigen Gott, die er uns in der Heiligen Kommunion schenken will. Darum fordert Franziskus in seinem Testament, dem Altarsakrament in größter Ehrfurcht zu begegnen: „Und diese heiligsten Geheimnisse will ich über alles hoch geachtet, verehrt und an kostbaren Stellen aufbewahrt wissen.“ In der Franziskanischen Tradition gibt es schöne Beispiele für diesen rechten Umgang mit der Eucharistie. Zwei seien zum Abschluss genannt: So wird von Bonaventura, dem bedeutenden Theologen und wegweisenden Generalminister des Ordens erzählt, dass er aus Ehrfurcht und Demut als Zelebrant der heiligen Messe auf den Empfang der Eucharistie verzichten wollte. Da kam ein Engel und ermutigte ihn zum Verzehr des Leibes Christi. Ein zweites Beispiel ist die heilige Anna Schäffer, die Mitglied des Franziskanischen Dritten Ordens war. In jungen Jahren nach einem Unfall in kochendem Wasser so schwer verwundet, dass sie nie wieder gesund wurde, hatte sie eine große Sehnsucht nach der Begegnung mit Christus in der Eucharistie. Und so erlebte sie es als wunderbares Geschenk, als Papst Pius X. den häufigen Empfang der Kommunion möglich machte, und der Pfarrer ihr oft den Leib Christi oft ans Krankenbett brachte. Davon kann unsere Zeit lernen, in der die Eucharistiefeier von vielen nicht als großes Geschenk, sondern als unbequeme Last empfunden wird und wo es nicht selten auch an der Vorbereitung und Ehrfurcht fehlt.

Raymund Fobes

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2 Antworten auf Krippe, Kreuz und Eucharistie – Weihnachtliches und Nachweihnachtliches im Geist des hl. Franziskus

  1. Bettina sagt:

    Sehr schön! Danke!!

  2. Helga Nuding sagt:

    Ich danke für die Übermittlung, ich werde noch einmal lesen

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