Habemus Papam

Als die Menschen auf dem Petersplatz, die bei Regen und Kälte ausgeharrt und für einen guten Ausgang der Papstwahl gebetet hatten, nach dem fünften Wahlgang weißen Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufsteigen sahen, ging ein Ruck durch die Menge. Und als die Glocken zu läuten begannen, hatten sie Gewissheit: Habemus Papam. Die Fernsehzuschauer konnten mitverfolgen, wie von ganz Rom Menschen aus aller Welt zum Petersplatz hinströmten.
Wer ist der neue Papst, fragten sich voller Spannung und Erwartung alle auf der Piazza San Pietro und auch die 6.000 Medienleute. Letztere hatten vier Topfavoriten ausgemacht und sie dann auf zwei Kandidaten reduziert. Sie lagen mit ihren Prognosen völlig daneben. Die für die Kandidaten vorgefertigten Kommentare samt zugedachten Erwartungen und Aufgabenbeschreibungen mussten in der Schublade bleiben. Alle wurden vom Heiligen Geist überrascht.
Der neue Papst Franziskus war der bisherige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio. Er erschien auf der Loggia, ernst und gesammelt. Er blickte zur jubelnden Menge hin, während die Musikkapelle die Papsthymne spielte. Papst Franziskus begrüßte die Menschen mit einem Buona Sera und scherzte, seine Mitbrüder, die Kardinäle hätten am Ende der Welt gesucht, um einen neuen Papst zu finden. Papst Franziskus erinnerte an seinen großen Vorgänger Benedikt XVI., betete mit den Gläubigen ein Vater Unser und ein Ave Maria für ihn und bat auch um das Gebet für sich. Danach verabschiedete er sich mit einem Gute Nacht, angenehme Ruhe. Kein Mann der vielen Worte, konzentriert auf das Wesentliche. Der Vergleich mit Papst Benedikt XVI. drängt sich auf. Kontinuität ist gewahrt. Aber die Katholische Kirche bewegt sich mit dieser Papstwahl ein Stück von Europa weg, hin zur südlichen Halbkugel, wo die Mehrzahl der Katholiken lebt und der Glaube noch dynamisch ist.
Das bescheidene Auftreten des neuen Papstes hat ihm die Herzen der Menschen in Rom und auch die der Zuschauer vor den Fernsehschirmen geöffnet. Auch die Medienleute konnten sich dem nicht entziehen. Dazu trug auch die Namenswahl bei. Franz von Assisi hat im Spätmittelalter dazu beigetragen, die Kirche zu entweltlichen. Der päpstliche Namensträger hat diesen Stil als Erzbischof von Buenos Aires vorgelebt. Er wohnte nicht in einem Palast und hatte keinen Chauffeur. Er kümmerte sich besonders um die Armen und Entrechteten in den Vorstädten der Metropole Buenos Aires. Er ist glaubwürdig.
Als Bischof einer großen Diözese hatte er auch mit Verwaltung zu tun. Man sagt dem Erzbischof von Buenos Aires Entschiedenheit und Durchsetzungskraft nach. Das wird ihm als Papst zugute kommen bei notwendigen Reformen – nicht nur in der Kurie.
Papst Franziskus kennt die Welt, auch Europa und Deutschland. Der 266. Nachfolger des Heiligen Petrus bringt alle Voraussetzungen mit, die Universalkirche zu leiten. Das momentane Wohlwollen der überraschten Medien wird nicht anhalten, zumal bekannt ist, dass Papst Franziskus keine Abstriche am Glauben und an der Morallehre der Kirche zulässt. Es ist unsere Aufgabe, ihm zur Seite zu stehen. Habemus Papam. Wir freuen uns darüber!

Hubert Gindert

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