Die Hoffnung für die deutsche Teilkirche liegt in der völligen Umkehr der Mehrheit ihrer Amtsträger.

Die Menschen sind mit einer Bürde ungelöster Probleme in das Jahr 2016 eingetreten. Die offenen Konfliktherde des „Dritten Weltkrieges“ (Papst Fanziskus), z.B. in Syrien sind nicht eingedämmt, sie drohen sich vielmehr auszuweiten. Der Massenansturm von Kriegsflüchtlingen und Asylanten auf Europa hat deutlich gemacht: Die Länder der EU stehen im Krisenfall nicht solidarisch zusammen. Das Nationalstaatsprinzip, wonach sich jeder selbst der Nächste ist, triumphiert. Die oft beschworenen europäischen Werte, auf denen die Gründungsväter das gemeinsame europäische Haus errichtet haben, sind verkommen. Den heute führenden europäischen Politikern kommt selbst in Sonntagsreden das Wort Gott nicht mehr über die Lippen. Gott ist im öffentlichen Leben zum Tabu geworden.
Die Macher auf der europäischen Bühne hetzen von einem Termin zum nächsten. Statt Erfolge erleben sie die Auswirkungen eines kollektiven europäischen Egoismus und die Ohnmacht derer, die glauben, den Turmbau von Babel im 21. Jahrhundert errichten zu können.
„Was gibt dem Menschen Hofnung für die Zukunft?“ fragt der diesjährige Kongress „Freude am Glauben“. Vor allem von der Kirche erwarten sich die Menschen tragfähige Antworten. Können die Bischöfe der Ortskirchen diese Erwartungen erfüllen, wenn sie sich selbst in einem desolaten Zustand befinden? Die deutschen Diözesanbischöfe waren im November bei ihrem alle fünf Jahre fälligen Ad-Limina-Besuch in Rom. Der Papst zeigte sich außerordentlich gut über die Zustände der Kirche in Deutschland informiert. Er hat den Bischöfen das Röntgenbild der deutschen Ortskirche vorgelegt: Es ist das einer absterbenden und dahinsiechenden Kirche. Die mangelnde religiöse Vitalität und der fehlende missionarische Geist lassen sich nicht mehr durch aufgeblähte „perfekte Apparate“ und „immer neue Strukturen, für die eigentlich die Gläubigen fehlen“ überdecken. Der Papst ließ sich aber durch diese Situation nicht entmutigen und stellte den Bischöfen ein Reformprogramm vor Augen. Papst Franziskus nannte die Schwerpunkte und fasste zusammen: „Das Gebot der Stunde ist die pastorale Neuausrichtung.“ Und es ist dafür zu sorgen, „dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden“. Der Papst sprach nicht über die Köpfe der Bischöfe hinweg. Papst Franziskus verlangte, dass der Bischof seine Aufgaben „in den vielfältigen Bereichen seines Hirtendienstes gewissenhaft wahrnimmt.“
Es verwundert nicht, dass die Rede des Papstes in den Medien, auch in den kirchlichen, nicht groß herauskommt, weil der Papst nicht kleine kosmetische Korrekturen, sondern eine komplette pastorale Neuausrichtung, eine Wende um 180° gefordert hat.
Kirchenverbundene und reformbereite Katholiken können nicht mehr erwarten, dass Apparate, das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und alle ihr angeschlossenen Organisationen, die Rede des Papstes zu ihrem Thema machen. Was Katholiken erhoffen ist, dass reformbereite Diözesanbischöfe das Schreiben des Papstes als Auftrag und Chance für ihre Diözesen sehen. Diese Bischöfe verdienen jede Unterstützung der Katholiken.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Februarheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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