Das ZDK hat einen neuen Präsidenten. Der Kurs bleibt derselbe

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK) hat nach dem Rücktritt von Alois Glück einen neuen Präsidenten gewählt. Nachfolger von Glück wurde der nordrheinwestfälische CDU-Abgeordnete und Leiter der Katholischen Akademie im Bistum Münster Thomas Sternberg (63). Sternberg erhielt im ersten Wahlgang 110 Stimmen. Die Mitbewerberin Maria Flachsbarth, Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium und Vorsitzende des katholischen Deutschen Frauenbundes kam im ersten Wahlgang auf 75 Stimmen. Die Wahl brachte keine Richtungsentscheidung, wie das Freiburger Konradsblatt (48.2015) feststellte: „Ihre kirchenpolitischen Positionen sind nicht sehr unterschiedlich. Beide machen aus ihrem Engagement für die innerkirchlich umstrittene Schwangerschaftskonfliktberatung „Donum Vitae“ kein Hehl. Beide teilen verschiedene Reformanliegen“. „Innerkirchlichen Reformbedarf“ sieht der neue Präsident z.B. bei Frauendiakonat, Viri probati u.a.. „Die wirklichen Gefahren“ für die Kirche seien nicht „irgendwelche Feinde von außen“, sondern sie befänden sich in ihrem Inneren (Konradsblatt (48.2015 S4). Der neue ZDK-Präsident wird an dieser Stelle leider nicht konkreter.
Die letzte wichtige Initiative des ZDK war zusammen mit dem Deutschen Familienbund die Unterstützung des vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurfs, wonach Familienangehörige, Ärzte und Personen besonderen Vertrauens aktive Sterbehilfe leisten dürfen. Das widerspricht eindeutig der Lehre der Kirche und dem, was Joh. Paul II. im Evangelium Vitae dazu sagt.
Der neugewählte ZDK-Präsident hat sich nicht zur Massenabkehr der Katholiken von der Kirche, zur Notwendigkeit der Neuevangelisierung oder zur Umsetzung des Reformprogramms geäußert, das Papst Franziskus auf dem Ad-Limina-Besuch von den deutschen Katholiken gefordert hat. Offensichtlich sind diese existentiellen Fragen der deutschen Ortskirche kein Problem für den neuen ZDK-Präsidenten. Auch der immer geringer werdende Einfluss der Katholiken in Politik und Gesellschaft ist offensichtlich kein Thema, das ihn zu Worten hinreißt.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Das ZDK hat einen neuen Präsidenten. Der Kurs bleibt derselbe

  1. Mathias Wagener sagt:

    Ich kann meine Meinung kurz zusammenfassen: Ich erwarte auch unter dem neuen Vorsitzenden dieser Institution, die keinesewegs einen Alleinvertretungsanspruch hat, keine positive Kursänderung.

  2. Michael Rieger sagt:

    Nun ja, man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Die von Ihnen zu Recht angemahnten kritischen und selbstkritischen Töne können ja noch kommen. Und es wäre doch sehr interessant, hier noch einmal nachzuhaken: wenn sich „die wirklichen Gefahren“ für die Kirche in ihrem Inneren befinden, dann darf man gespannt sein zu erfahren, wer oder was sie denn sind!
    Man denkt auch gleich an Paul VI. und seine Worte aus dem Jahr 1968: „Die Kirche wird von denen angegriffen, die zu ihr gehören.“ Und 1972 sagte er, er habe den Eindruck, dass „der Rauch Satans durch irgendwelche Ritzen in den Tempel Gottes eingedrungen“ sei. „Das sind der Zweifel, die Ungewissheit, die Problematik, die Unruhe, die Unzufriedenheit, das Vergleichen. Man vertraut der Kirche nicht.“
    Ob Paul VI. nicht auch zu dieser erschütternden Entwicklung beigetragen hat, sei dahin gestellt. Aber Zweifel, Ungewissheit, Unruhe, Unzufriedenheit sind geblieben, und dass der Kirche heute mehr Vertrauen entgegen gebracht würde als 1972, wird auch niemand behaupten.
    Insofern stellt sich die Frage, wer den Zweifel sät, die Unruhe erzeugt und das Vertrauen unterminiert. Sind es jene Kräfte, die andernorts bereits als „erzkonservativ“ tituliert wurden (vgl. den Beitrag Angriff auf das Forum Deutscher Katholiken vom 5. Februar 2016), weil sie nicht jede Woche die Dogmatik und die Mess-Ordnung umschreiben wollen? Oder sind es jene Kräfte, die über Jahrzehnte mild lächelnd und zu allem Elend Ja und Amen sagend zur Erschlaffung, Erlahmung, Ermüdung, Verödung und zum Abbruch des Glaubens beigetragen haben? Aus welcher Richtung weht der „Rauch Satans“?
    Wer könnte es besser wissen als das ZDK?

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