Verwilderung im deutschen Journalismus? Das Beispiel taz

„Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab“ so lautete der Titel auf der ersten Seite der taz.die Tageszeitung vom 15.3.2013 in einem Kommentar zur Wahl von Papst Franziskus von Deniz Yücel. Und dann legte der taz-Kommentator gleich im ersten Satz wie folgt los: „Der neue Papst ist den bislang vorliegenden Informationen nach zu urteilen ein reaktionärer alter Sack wie sein Vorgänger. Der war seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte.“
Und in diesem Stil ging es dann weiter. Zwischendurch bemerkte Kommentator Yücel: „Sie (die Kirche) müssen Kritik und Spott ertragen.“
Hier geht es allerdings nicht um Spott und schon gar nicht um Kritik. Hier geht es um einen Ton und einen Stil und Inhalt, der seit dem „Stürmer“ und dem „Völkischen Beobachter“ der nationalsozialistischen Partei- und SS-Propaganda der weltweiten katholischen Kirche hierzulande gegenüber nicht mehr angewandt wurde. Selbst Sudel-Ede (Eduard von Schnitzler), Chefkommentator der SED-Propaganda, dessen Schimpfkanonaden so schrill wie abgeschmackt waren, wäre so etwas nicht eingefallen.
Dieses kommt im Jahre 2013 von der Redaktion der taz, einer linken überregionalen Tageszeitung mit Sitz in Berlin, die lautstark für sich Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde reklamiert und offensichtlich der Meinung ist, diese Werte stünden 1,2 Milliarden Katholiken auf der ganzen Welt und besonders 25 Millionen Deutschen nicht zu. Ich verkneife mir das Eingehen auf die gängige Frage, ob die taz auch so etwas über einen muslimischen Religionsführer oder den Jerusalemer Oberrabbiner geschrieben hätte.
Einige sind der Meinung, wir Katholiken hätten eigentlich allen Grund, solche wüsten Ausfällen einer Tageszeitung mit einer Auflage von 56.000 Exemplaren mit einiger Gelassenheit und der Erkenntnis, dass so etwas sich selbst richtet, zu begegnen. Damit wäre allerdings die Tragweite dieses Vorganges nicht erkannt.
Mitglieder der taz-Redaktion und vor allem die Chefredakteurin Ines Pohl und ihre Vorgängerin Bascha Mika erscheinen regelmäßig als Pressevertreter in den politischen Talk-Runden der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten, wo sie die linken Meinungsmacher verstärken trotz der relativ geringen Auflage dieses Blattes, was ja auch viel über die öffentlich-rechtlichen Fernsehmacher sagt, deren Meinungsbeeinflussung wir alle – auch die, die kein Fernsehen haben und haben wollen – bezahlen müssen.
Der Kommentar des Deniz Yüksel auf der Titelseite der taz weist eine Verwilderung journalistischer Tätigkeit auf, die -um es noch einmal zu betonen – seit dem 3. Reich nicht mehr bei uns anzutreffen war. Hier tritt uns ein Haß entgegen, der keinen Menschen guten Willens, egal ob er nun Christ ist oder nicht, gleichgültig lassen kann. Heftigen Protest gab es von verschiedenen Seiten, so z.B. vom Zentralkomitee Deutscher Katholiken (ZDK) und anderen. Aber die Tragweite dieses Vorgangs muß doch etwas ausführlicher gewürdigt werden. Wenn eine Zeitungsredaktion, deren Chefin ständig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur politischen Kommentierung geladen wird, glaubt sich solche Ausbrüche leisten zu können, dann müssen nicht nur bei den Bürgern sondern auch bei den Mitgliedern der deutschen Standesvertreter der Presse und vor allem aber bei allen Politikern die Alarmglocken schrillen.
Hier wird nicht nur Haß gegen die katholische Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Mitgliedern geschürt und ihnen Verachtung bezeugt, sondern auch alte Menschen, die in der Gesellschaft noch immer viel leisten und geleistet haben, in skandalöser Weise diskriminiert. Die Welt hat die Vorgänge in Rom mit Respekt begleitet und die große Anzahl der Journalisten haben sich eines zivilisierten Umgangs mit dem Papstrücktritt und der Neuwahl durch das Konklave befleissigt. Hier fällt die taz mit „Stürmer“-Manier aus der Rolle. Und sie ist kein Einzelfall. Auch das Blatt „Titanic“, das sich als Satiremagazin empfindet, hat die Menschenwürde schon längst in Sachen Papst und Kirche  hinter sich gelassen.
Es ist zu hoffen, dass auch dem letzten Katholiken in Deutschland und vor allem den Bischöfen, von denen man zu diesem Vorfall nichts hört, nun klar geworden ist, dass Erzbischof Müller in Rom durchaus recht hatte, als er vom Schüren einer Pogromstimmung sprach. Ein Teil der Journalisten in Deutschland und anderswo hält Katholiken, die dem Papst als dem Nachfolger Petri folgen, offensichtlich für vogelfrei.
Die Gefahr liegt darin, dass die taz-Macher/innen in Presse- und Politikerkreisen durchaus Sympathie geniessen und zu einer Stimmung beitragen, die unserer offenen Gesellschaft (K.R.Popper) immer feindseliger gegenübertritt und mit der Aufgabe jeden menschlichen Respekts Andersdenkenden gegenüber unsere freiheitliche Demokratie wirklich in Frage stellt. Wer dieses nicht sehen will, hat den Vorgang in der taz nicht in seinen möglichen Auswirkungen begriffen.
Der taz-Redaktion sei noch gesagt, dass der Friede in den Herzen der Menschen beginnt und nicht in der Niedermachung und Verächtlichmachung Andersdenkender. Wer so wenig Frieden und auch Liebe in sich selbst trägt, der ist nun wirklich nicht begabt, für den Frieden in der Gesellschaft und der Welt einzutreten.

Michael Schneider-Flagmeyer im Namen des Forums Deutscher Katholiken

 

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4 Antworten auf Verwilderung im deutschen Journalismus? Das Beispiel taz

  1. Andreas Schlagenhaufer sagt:

    Langsam, langsam…warum denn gleich mit dem „Stürmer“ kommen!
    Wenn Franziskus im Zusammenhang von Ehen der Schwulen und Lesben
    vom „Plan des Teufels“ spricht, dann halte ich das für schlimmer als die
    Rede „vom alten Sack“. Wir Katholiken wissen die Rede vom Teufel einzu-
    ordnen und sollten es ebenso mit dem „alten Sack“ machen

    • dominik sagt:

      Wenn man den Gesamtton und Inhalt einschließlich der Überschrift des Kommentars der taz und die Tatsache, dass es sich um den „Aufmacher“ auf der ersten Seite handelt, berücksichtigt, dann drängt sich der Vergleich mit dem Stürmer schon auf sowie die Frage, ob sich denn nun in diesem verwilderten Stil der sozialistische Friedenswille und der Respekt vor Andersdenkenden ausdrückt. Darin zeigt sich eine gefährliche Tendenz. Und darin zeigt sich auch der Stil des „Stürmers“. Ein solches journalistisches Niveau ist beispiellos in der Geschichte der Bundesrepublik. Man kann nicht ein einzelnes Wort herausnehmen, dieses für nicht so schlimm halten und damit den ganzen Kommentar entschuldigen.
      Außerdem habe ich nirgendwo gelesen oder am Fernseher gehört, dass Papst Franziskus im Zusammenhang mit der Schwulenehe vom Teufel gesprochen hat.

    • quer sagt:

      Selbst wenn der Papst so gesprochen hätte: Als Katholik hat man nur zwei Möglichkeiten, in dieser Sache auszuwählen. Ein Plan Gottes gegen die von IHM geschaffene Natur des Menschen ist doch wohl auszuschließen. Oder? Was also ist schlimm?

  2. Eduard Werner sagt:

    Die beiden Zeitungen taz und Titanic beweisen, dass in deutschen Medien eine Pogromstimmung gegen Katholiken geschürt wird, auch wenn sich Bischof Jaschke nicht traut, dies im Fernsehen zuzugeben. Die Angst vor dem medialen Pogrom hat offensichtlich auch die anderen Bischöfe schon erfasst und zum Schweigen veranlasst. Aber gemach. An der historischen Titanic hatte man beim Stapellauf 1912 geschrieben: „Es gibt keinen Gott“, und dann fuhr sie in den jämmerlichen Untergang. Das gleiche Schicksal werden die taz und die „Titanic“ in absehbarer Zeit auch erleben. Leider werden jedoch Unschuldige mit den Schuldigen büßen müssen.

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