Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Robert Schuman

Auf der Suche nach Vertrauen erweckenden Reformern und Wegbereitern stößt man unweigerlich auf Robert Schuman. Er wurde 1886 in Luxemburg geboren. Als Heimat betrachtete er aber darüber hinaus auch das zweisprachige Lothringen, aus dem sein Vater stammte. Nach seiner Schulzeit in Luxemburg legte er in Metz die Reifeprüfung ab, um in Deutschland Jura studieren zu können. Seine Ausbildungsorte waren Bonn, München, Berlin und Straßburg.
In dieser Zeit schloss sich Schuman dem „Wissenschaftlichen Katholischen Studentenverband Unitas“ an. Freundschaft mit Gleichgesinnten war ihm wichtig. Während des Referendariats traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Seine Mutter verunglückte tödlich, was den sensiblen Sohn sehr erschütterte. Er wollte daraufhin in ein Kloster eintreten. Doch sein Freund Heinrich Eschbach riet ihm davon ab. „Dein Platz ist in der Welt! Auch dort kannst Du Gott und den Menschen dienen. In unserer Gesellschaft ist das Laienapostolat eine dringende Notwendigkeit. Die Heiligen der Zukunft tragen zivil.“ Von da an arbeitete Schuman für Menschen und für Aufgaben, für die er dringend gebraucht wurde – als hilfsbereiter Rechtsanwalt in Metz und als ehrenamtlicher Organisator des Deutschen Katholikentages 1913 in Metz. Schon früh schloss er sich der damaligen katholischen Reformbewegung an, die in Maria Laach, in Metz und in Löwen Stützpunkte hatte. Es folgte eine starke Hinwendung zu den Sakramenten, wozu auch die regelmäßige Beichte und der tägliche Messbesuch gehörten. Nach dem Ersten Weltkrieg trat wieder eine Wende im Leben von Robert Schuman ein. Er wurde Franzose. Mit der Rückgliederung von Elsaß-Lothringen an Frankreich kam dort auch die „laicité“, die totale Trennung von Kirche und Staat. Schuman setzte vor dem französischen Verfassungsgericht die Fortgeltung des Konkordats durch, das noch von Napoleon abgeschlossen worden war. Vor allem in der Schulgesetzgebung und in der Sozialgesetzgebung stieg der Bedarf an Fachjuristen. Mit einer mönchischen Lebensweise widmete er sich konsequent der Politik als Abgeordneter, als Minister und später auch als Ministerpräsident Frankreichs. Dabei wollte er nichts für sich persönlich erreichen. Vielmehr verstand er sich als Werkzeug Gottes. Und als solches sah er gewaltige Aufgaben vor sich. Nach drei aufeinander folgenden Kriegen herrschte zwischen Deutschland und Frankreich ein Hass, den sich heute niemand mehr vorstellen kann. Es war zunächst allein Robert Schuman, der frei von Hass auf den innenpolitischen Gegner und auch auf den außenpolitischen Gegner zuging und ihnen unvoreingenommen die Hand reichte. Beleidigungen ertrug er klaglos, weil er auch im Gegner den Bruder in Christus sah. Das war zunächst sehr ungewöhnlich, aber schließlich doch entwaffnend und überzeugend. Schuman wurde Abgeordneter für den Wahlkreis Metz und blieb es 43 Jahre lang. 1947 entging Frankreich nur knapp einer kommunistischen Machtergreifung infolge eines von Moskau aus gesteuerten Generalstreiks. Schuman behielt dank seines Gottvertrauens auch in diesem Fall die Nerven. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erweckte er zusammen mit Adenauer und de Gasperi den Europa-Gedanken und er entwickelte die europäischen Verträge. Unsere Aufgabe ist es heute, den ursprünglichen Geist dieser Verträge wieder zu entdecken. Dabei könnte uns die Seligsprechung dieser großartigen Persönlichkeit helfen. Als Schuman 1963 starb, hielten ihn bereits Viele für einen Heiligen. Die Akten zur Seligsprechung liegen jetzt in Rom. Für die Seligsprechung fehlt nur noch ein Wunder. Das ist die vorgeschriebene Bestätigung des Himmels für ein heroisches Leben.

Eduard Werner

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