Georg Schelling – ein Priester in Dachau.

Die Märztage 1938 waren auch für die österreichischen Priester dramatische Tage.

Am 12. März 1938 ist die österreichische Regierung Schuschnigg zurückgetreten, weil sie der Gewaltandrohung Hitlers nicht länger standhalten konnte. Der Regierungschef verabschiedete sich in einer Rundfunkansprache mit den Worten: „Gott schütze Österreich.“ Diese Worte waren kaum verklungen, da begannen die Nationalsozialisten als neue Machthaber auch schon damit, ihre Gegner zu verhaften. Zu diesen Gegnern gehörte auch der Vorarlberger Priester und Chefredakteur Georg Schelling in Bregenz. Er wusste, in welcher Gefahr er nun lebte. Er hatte ja seit Jahren im „Vorarlberger Volksblatt“ über den Nationalsozialismus aufgeklärt. Dass die Kirche die pseudogermanische Weltanschauung Hitlers grundsätzlich ablehnte, war jedem Leser klar. Schelling berichtete, dass Papst Pius XI. am 25. März 1928 den Antisemitismus scharf verurteilt hatte. Im März 1937 hatte Schelling in seiner Zeitung auch über das päpstliche Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ berichtet. In dieser Enzyklika wurden dem Hitler-Regime alle Irrtümer und Rechtsverletzungen vor der Weltöffentlichkeit vorgeworfen. In Deutschland war die Verbreitung dieses Rundschreibens verboten. Deutsche, die vor der Gestapo nach Österreich geflohen waren, hatten in der Zeitung von Georg Schelling ein offenes Forum gefunden, um vor den wahren Absichten Hitlers zu warnen. Nun musste Kaplan Schelling selbst vor den Gestapo-Häschern fliehen. Bevor er von Bregenz in Richtung Innsbruck floh, vernichtete er noch schnell belastendes Material. Dann kehrte er jedoch wieder nach Vorarlberg zurück, wo er prompt verhaftet wurde. Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt in Innsbruck kam Schelling ins KZ Dachau. Dort wurde er wie alle anderen KZ-Häftlinge auch mit den Worten begrüßt: „Ihr seid Schädlinge des deutschen Volkes. Ihr seid ehrlos, wehrlos und rechtlos!“
Die Priester waren dort wie alle Häftlinge den Repressalien der SS-Aufseher ausgesetzt. Aus reiner Willkür wurde Kaplan Schelling 47 Tage lang in den Hungerbunker eingesperrt, wo die Insassen nur alle vier Tage eine kleine Brotration bekamen. Nur sehr stabile Häftlinge haben diese Torturen überlebt. Anschließend kam Kaplan Schelling in die Strafkompanie des KZs, wo Misshandlungen und Schläge üblich waren. Im März 1941 erreichte die deutsche Bischofskonferenz, dass für die Geistlichen in Dachau eine Kapelle errichtet werden durfte. Georg Schelling arbeitete von da an in der Schreibstube. Später wurde er zunächst zum „Lagerkaplan“ und schließlich zum Lagerdekan bestellt, womit er zum offiziellen Ansprechpartner für die Geistlichen wurde.
Damit bekam Georg Schelling etwas Bewegungsfreiheit im Lager, die allerdings sehr eingeschränkt war. Schelling nutzte jede Möglichkeit, um manche Gefahren von den 2756 Priestern abzuwenden. Dennoch musste er mit ansehen, wie etwa 1000 Priester an Misshandlungen und Hunger starben. Kurz vor dem Ende des Krieges wurden viele Priester aus dem KZ entlassen. Auch Georg Schelling war dabei. Mit der Bahn und teilweise zu Fuß erreichte er seine Heimat. Unmittelbar nach Kriegsende war Georg Schelling wieder in der Seelsorge. tätig. Seine Erinnerungen legte er in der Publikation „Festung Vorarlberg“ vor. Dabei erinnerte er zwar an das erlittene Unrecht – aber völlig frei von Hass und Vergeltung.

Eduard Werner

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