Auferstehung (?)

Liebe Leser,
in wenigen Wochen steht Ostern im Kalender. Nur ein Kalenderdatum? Ostern: Auferstehung Christi von den Toten, Erlösung von den Sünden als Voraussetzung für ein Leben bei Gott. Sagen uns solche Worte noch etwas, berühren sie uns in unserem Inneren?
Wollen wir noch erlöst werden? Erlösungswünsche haben wir schon, persönliche und auch solche, die das Zusammenleben mit Menschen betreffen. So wollen wir z.B. frei sein von Krankheiten, von Stress in jeder Form, von den Gebrechen und der Vereinsamung im Alter. Aber eine solche „Erlösung“ erwarten wir von der modernen Medizin, von den sozialen Versicherungseinrichtungen und vom Staat. Und wir wollen da ein wichtiges Wort mitreden, bis hin zum selbstbestimmten Tod. Gott steht bei diesen Überlegungen ganz am Rand.
Der Zugang zum Ostergeheimnis ist heutigen Menschen auch deswegen verschlossen, weil ihnen das Wort „Erlösung von den Sünden“ fremd geworden ist. Was ein „Fehlverhalten“ ist, will man, solange nicht ein anderer schwer geschädigt wird, schon selber entscheiden.
Schließlich wird die Auferstehung von den Toten, d.h. ein Weiterleben in einer anderen Existenzform, nur mehr von einer Minderheit akzeptiert. Die Zahl der Sadduzäer, die zu Jesu Zeiten nicht an ein Leben nach dem Tod geglaubt haben, ist groß geworden. Selbstverständlich wollen die meisten möglichst lange leben und weil die Gesundheit die Voraussetzung dafür ist, wünscht man sich … „besonders Gesundheit!“. Aber solange die Wissenschaft den Tod noch nicht besiegt hat, muss man sich mit dem Tod als dem „Aus“ abfinden.
Im Fall von Ostern geht es um die Auferstehung Christi, des Sohnes Gottes. Wenn aber selbst katholische Theologen, wie am 8.12.2015 auf dem Kongress in der katholischen Akademie in München geschehen, von einem „Religionspluralismus“ sprechen, der die besondere Stellung Jesu Christi als Gottes Sohn in Frage stellt, dann darf man sich nicht wundern, dass die Mehrheit der katholischen Christen an der Auferstehung Christi zweifelt.
Bleibt die Frage, die mit Ostern verknüpft ist, nämlich das „Weiterleben bei Gott“. Gott, wer ist das? Seit es denkende Menschen gibt, haben sie sich damit beschäftigt. Die Christen glauben, dass ihnen das Geheimnis durch den Gottessohn eröffnet wurde. Das Ergebnis ist uns vom Apostel Johannes überliefert. Papst Benedikt XVI. hat dieser Frage eine Enzyklika gewidmet. Sie trägt den Namen „Gott ist Liebe“. Was diese Liebe ist, wird in dieser Enzyklika entfaltet. Wer bereit ist, die Liebe Gottes zur Kenntnis zu nehmen, wird sich ihr nicht entziehen können, selbst wenn er Gott noch in Frage stellt. Der wirklich Suchende wird ihn nach dem Wort von Augustinus „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“ entdecken. Die Liebe Gottes zu entdecken oder neu zu finden, wäre eine lohnende Aufgabe für die Fastenzeit, insbesondere in dem von Papst Franziskus ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Märzheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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