Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Dom Nicolaas de Wolf OSB (1931-2015)

Nicht alle Berufungen und Sendungen geschehen im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Viele bleiben zunächst unerkannt und unbekannt und beginnen erst später aufzuleuchten.
Dom Nikolaas de Wolf (*16. Juli 1931) wuchs in einer Familie mit sieben Kindern auf. Mit 20 Jahren begann er das Studium der Medizin, sah sich aber zum Ordensleben berufen, legte 1954 in der Abtei Oosterhout die Profess ab und wurde 1959 zum Priester geweiht. Fünf Jahre später war er Abt von Vaals. Die Liturgiereform des Konzils führte er strikt nach den Weisungen des 2. Vatikanums mit der lateinischen Sprache durch. In der Zeit des Niedergangs der katholischen Kirche in Holland trat er gelegen und ungelegen gegen den Glaubensverfall und das Reformationsgehabe auf und nahm den medialen Widerspruch und öffentliche Anfeindungen in Kauf. Zum Visitator der Kongregation von Solesmes gewählt, verstand er es, zwischen Tradition und Fortschritt zu vermitteln und so schweren Schaden von der Kongregation abzuwenden.
Aufgrund der Blüte seiner Ordensgemeinschaft trug er sich mit dem Gedanken einer Neugründung. Von der französischen stigmatisierten Mystikerin Marthe Robin († 1981) wurde ihm bedeutet, er werde eines Tages ein kleines Kloster in Deutschland stiften, aber mit großen Schwierigkeiten („avec des larmes et des douleurs“ = verbunden mit Tränen und Leiden).
Im November 1989 erhielt Dom Nicolaas durch ein Testament ein ehemaliges klösterliches Anwesen in Gräfinthal (Saarland). Nach intensiven Gesprächen auch mit seinem vertrauten Berater Kardinal Joseph Ratzinger sah er sich ermutigt und in die Pflicht genommen. 1993 wurde mit dem Gründungsvertrag zwischen Abt und Bischof ein Priorat mit drei Mönchen gegründet: einem Holländer, einem Franzosen und einem Deutschen. 1996 trat Dom Nicolaas im Alter von 65 Jahren nach 32 Jahren als Abt von seinem Amt zurück.
Jetzt konnte er sich ganz der Neugründung widmen, wenn er auch mit seinem Herzen der Heimat Vaals verbunden blieb. 1999 kam die Mitteilung aus Rom, dass Gräfinthal zum Priorat Päpstlichen Rechtes erhoben wurde. Als erstes lag ihm nun die Spiritualität am Herzen: die beständige Anwesenheit im Kloster, das liturgische Offizium nach der Regel des hl. Benedikt in lateinischer Sprache, die Klausur und das Schweigen. Im Gebet, in der Stille und im Ausharren vor dem Allerheiligsten, brachte er sich, seine Ordensgemeinschaft, die Kirche und die Welt vor Gott. Er begegnete den Menschen mit sehr großer Aufmerksamkeit, mit Feingefühl und in aller Bescheidenheit. Er war kein Mann der lauten und aufdringlichen Worte. Kontemplation hatte ihn zutiefst geprägt.
Alles, was an ihn und das Priorat als Hemmnisse, übles Gerede, Anfeindungen herangetragen wurde, nahm er an und ertrug es avec des douleurs im Gebet. Auf dem Weg zu einer Einbindung in eine größere Gemeinschaft fand sich, unter Mitwirken von Papst Benedikt XVI., die Verbindung zur Benediktiner-Kongregation von Monte Oliveto in der Toscana, einer Mönchsgemeinschaft, die anstatt des schwarzen Habits ein weißes Gewand trägt. Dieser Habit entspricht der eucharistischen und marianischen Spiritualität und verweist auf das Eremitentum zu Beginn der Kongregation. Der Generalabt von Monte Oliveto bestätigte 2013 das bisherige Priorat als zugehöriges Haus mit eigenem Statut. Damit hatte Abt Nicolaas sein Gründungswerk in sichere Hände gelegt.
Was eifrige Wanderer und Romantiker als Ruine unter Bäumen ohne Kloster erhalten wollten, wovon Politiker und Wellnesfreunde als einem Ort mit klösterlicher mentaler Entspannung träumten, was sich Pfarreien als personales Zentrum zum Abruf der Unterstützung für pfarrliche Seelsorge vorstellten, das darf vielleicht in langsamen Schritten auf ein geistliches benediktinisches Refugium zugehen.
Die Fürsprache von Abt Nicolaas de Wolf, der wohl auch den Segen Gottes für die ganze Region vermittelt, ist gewiss. Sein Grab befindet sich seinem Wunsch gemäß in Gräfinthal, in der Marienkapelle unter der Statue der Muttergottes vor dem Altar.

Foto: (c) Benediktinerkloster Gräfinthal

Gerhard Stumpf

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