Pfarrer Coenen: „Wir treten als Kämpfer Christi auf!“

Wer behauptet, die katholische Kirche hätte dem NS-Regime keinen Widerstand entgegengesetzt, kennt entweder die Geschichte nicht oder er will sie nicht kennen. Die Kirche, ihre Priester und die Gläubigen haben für ihren unermüdlichen Widerstand einen hohen Blutzoll entrichtet. Ein Beispiel hierfür ist das Leben und Sterben von Pfarrer Franz Coenen aus Aachen. Er wurde 1909 in Köln zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Einsätzen als Kaplan wurde er 1932 Pfarrer in Stetternich bei Jülich. Dort kritisierte er bereits 1933 die nationalsozialistische Weltanschauung. Auch gegen die Beschlagnahme des Vermögens der kirchlichen Vereine und gegen ihre Auflösung predigte er. Pfarrer Coenen ahnte damals schon, dass seine Predigten von Gestapo-Spitzeln abgehört wurden. Dieser Verdacht bestätigte sich bald, als der Regierungspräsident die Versetzung des Pfarrers wegen „staatsabträglicher“ Predigten verlangte. Aber Pfarrer Coenen blieb. Da bei der letzten noch halbwegs freien Wahl in Stetternich nur 20,76% die NSDAP gewählt hatten, wusste er, dass die überwiegende Mehrheit der Bewohner hinter ihm stand. Eine Woche nach der Wahl sagte er in der Predigt u.a.: „Vergesst nicht, dass wir Priester auch als Kämpfer Christi auftreten!“
Pfarrer Coenen kritisierte immer wieder den Antisemitismus und Alfred Rosenbergs Rassenlehre. Damit folgte er dem Vorgehen Papst Pius XI. , der schon am 25. März 1928 den Antisemitismus verurteilt hatte und Rosenbergs Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher gesetzt hatte. Auch in den Amtsblättern der Diözesen Münster und Köln waren diese Verurteilungen bekannt gemacht worden. Pfarrer Coenen konnte sich auf seine Vorgesetzten berufen. Daraufhin verhörte die Geheime Staatspolizei den Pfarrer und der Regierungspräsident verbot ihm, Religionsunterricht zu erteilen. Darauf lud der Pfarrer die Erstkommunionkinder zur Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion ins Pfarrhaus ein. Am 18. Mai 1935, als die Nürnberger Rasse-Gesetze diskutiert wurden, predigte er: „Wenn die Menschen einmal im Grab liegen und vor den göttlichen Richter treten, dann werden sie nicht gefragt. „Bist du arischer Abstammung?“ Daraufhin schaltete sich die Gestapo wieder ein. Pfarrer Coenen wurde jedoch nicht verhaftet, sondern nur mit einer Geldstrafe von 150 Reichsmark belegt. Am 29. Oktober 1938 erließ der Regierungspräsident jedoch ein Aufenthaltsverbot gegen den Pfarrer für den Regierungsbezirk Aachen. In einer Blitzaktion wurde der Pfarrer binnen weniger Stunden unter polizeilicher Bewachung an die Bezirksgrenze gebracht. Pfarrer Coenen fand zunächst eine Unterkunft in Köln und schließlich in Moitzsfeld bei Bensberg, wo er auch die Liturgie feiern konnte. Die ständigen Verhöre und eine drohende Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe hatten Pfarrer Coenen so zugesetzt, dass er am 13. Oktober 1939 nach der Messe noch in der Kirche tot zusammenbrach.
Pfarrer Coenen hat wie 4000 andere Priester dem Nationalsozialismus Widerstand geleistet und dabei sein Leben in die Waagschale geworfen. Dazu gehörten Mut und Gottvertrauen, ein Verhalten, das als Widerstand anerkannt werden muss. Für uns gehört Pfarrer Coenen zu den Zeugen für Christus gegen eine unmenschlich totalitäre Welt.

Eduard Werner

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