Die Früchte des Heiligen Geistes Longanimitas und Bonitas

Longanimitas wird auf dieser Abbildung mit Langmut übersetzt. Zur Langmut steht im AT: „Wer Langmut übt, ist reich an Einsicht; wer Jähzorn hegt, vermehrt die Torheit“ (Spr 14, 29). Weiter findet sich die Aussage: „Langmütig gibt den Menschen kluge Einsicht; sein Ruhm ist, über böses Tun hinwegzugehen“ (Spr 19,11). Auf diesem Stich ist der Begriff „Langmut“ mit einem Zitat aus dem 2. Petrusbrief erklärt. Der erste Papst erinnert hier an die Ankunft des Herrn, die man langmütig erwarten soll. Langmut ist die Chance, die Gott den Menschen gibt, das Gute, zu tun und so gerettet zu werden bzw. das Heil zu erreichen.
Diese Zeit gilt es jedoch auch kämpferisch zu nutzen. Damit dies gelingt, muss man die Waffenrüstung Gottes anziehen (Eph 6,20). Deshalb ist auf diesem Stich die Personifikation der Langmut in einer Rüstung zu sehen.
Die Personifikation der Langmut hält einen Reif. Dieser hat keinen Anfang und kein Ende. Er erinnert an die Ewigkeit, deren Anfang und Ende niemand kennt. Dies ergibt einen Bezug zur Langmut. Die Langmut gibt die Zeit zum Reifen, um so das Lebensziel zu erreichen.
Die Palme, welche die Langmut umfasst, versteckt ihre Blüten und Früchte, bis sie ihre Reife erreicht haben. Gute Früchte brauchen eben ihre Zeit zum Wachsen und Reifen. Über diesen Baum sagt man auch: Jene Palme, welche die besten Früchte abwirft, braucht am längsten, sie hervorzubringen.
Die Langmut kniet halb auf einem Steinblock. Dies ist ein Symbol für Beständigkeit. Es braucht Jahrtausende, bis ein Steinblock verwittert. Ebenso hält der Langmütige seinen Bedrohungen, seiner „Verwitterung“ stand. Diese Symbolik wird im Bild unten noch aufgegriffen durch die Wellen, welche an die Küste spülen. Je nach Beschaffenheit der Küste wird diese kürzer oder länger standhalten. In einem Kirchenlied von 1659 heißt es dazu: Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf Ihn allezeit. Den wird er wunderbar erhalten, in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.
Die zweite Figur auf dem Stich personifiziert die Güte. Der zu ihr gehörende Spruch ist einem Paulusbrief entnommen: „Lasst uns aber Gutes tun, und nicht aufhören“ (Gal 6,9). „Denn wenn wir nicht nachlassen, werden wir zu seiner Zeit auch ernten“ (Gal 6, 10).
Die Güte wird hier abgeleitet von „Gutes tun“, wie der Pelikan, welcher seine Brust aufreißt, um mit seinem eigenen Blut die Jungen zu füttern. Berührt die Personifikation der Gütigkeit mit einer Hand ein Pelikannest, so hält sie mit der anderen Hand eine Weizenähre. Dies dürfte sich auf die oben von Paulus angesprochene „Ernte“ beziehen. Hier ist auch ein Bezug zur Langmut. Langmütig muss man auf die gute Ernte warten.
An dem altarartig gestalteten Block befindet sich ein Medaillon. Auf diesem sind eine aufgehende Sonne und rechts davon Regenwolken zu sehen. Dieses Emblem bezieht sich auf das Bibelwort: „… auf dass ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen … lässt“ (Mt 5, 45). Weil also Gott gütig ist, so soll es auch der Mensch sein.
Das Bild ist klassisch aufgebaut: Zwei Figuren stehen sich spiegelbildlich zur Mittelachse gegenüber. An ihren Außenseiten werden sie jeweils durch eine Staffage hinterfangen und vom Bildrand getrennt. Dies ist einmal eine Palme, auf der anderen Seite ein Architekturaufbau. Den natürlichen Palmblättern entsprechen auf der anderen Seite die Rocaillen einer Vase. Der Stich zeigt nur geringe Tiefe. Diese wird erreicht, indem man die linke Figur etwas zurücksetzt. Damit rückt ihr Gesicht ins Licht und kontrastiert zum anderen Gesicht im Schatten.                                    (Foto:privat)

A. Epple

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Märzheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

 

 

 

 

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