Ostern – Hochfest der Auferstehung Jesu Christi

Jesus Christus ist nach seinem Tod am Kreuz mit seiner Seele, die mit seiner göttlichen Person verbunden blieb, als Retter und Sieger hinabgestiegen in die Unterwelt – das Reich der Toten (vgl. KKK 631-635), um dort das Evangelium zu verkünden (1 Petr 4,6; 3,18f). Die Heilige Schrift nennt diesen Aufenthaltsort der Seelen der verstorbenen Menschen vor Christus auch Hölle, Scheol oder Hades (Phil 2,10; Apg 2,24; Offb 1,18; Eph 4,9), da dort die Anschauung Gottes wegen der Erbschuld noch nicht möglich gewesen ist (Ps 6,6; 88,11-13). In diesem Aufenthaltsort sind die Seelen der Gerechten durch einen großen unüberwindlichen Graben getrennt von denjenigen der Bösen, wie uns Jesus im Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Prasser verdeutlicht (Lk 16,22-26). Christus stieg hinab in die Unterwelt, damit alle Toten seine Stimme hören (Eph 4,9; Röm 10,7; Mt 12,40; Joh 5,25) und die Gerechten durch ihn aus der Knechtschaft der Sünde, des Todes und des Teufels befreit werden (Hebr 2,14f). Die Menschen aller Zeiten sollen der Erlösung durch Christus teilhaftig werden und ihre Knie vor Ihm beugen (Phil 2,10). Der Aufenthaltsort der verdammten Dämonen und Menschen ist damit nicht aufgehoben, sie bleiben auf ewig von Gott getrennt.
Jesus Christus wurde als Mensch vom Vater am dritten Tag von den Toten auferweckt (Apg 2,24; 13,32f): Er ist als Mensch in seiner göttlichen Kraft von den Toten erstanden (Lk 24,5f; Joh 10,17f). Dieses Glaubensgeheimnis (KKK 638-658) ist ein wirkliches Geschehen, da der auferstandene Herr Jesus Christus den Aposteln und Frauen erschienen ist, sich von Thomas den Finger in die Seitenwunde legen ließ und mit den Aposteln gegessen hat (Mt 28,9; Joh 20,11-18.24-27; Lk 24,9f.34.39; Apg 1,22; 1 Kor 15,5)
Die Phantasie hat den Aposteln und den Frauen keinen Streich gespielt. Sie waren viel zu ängstlich und in alle Richtungen zerstreut, so dass man auch eine gemeinsame Wunschvorstellung sicher ausschließen kann, die dann von allen verkündet sowie mit größten Nachteilen bis zum eigenen Tod gegen den Widerstand der Mächtigen bezeugt wurde. Jesus Christus ist wahrhaftig von den Toten auferstanden, so dass eine kleine Schar ohne militärische Gewalt das übermächtige römische Reich in der Kraft und Gnade Gottes evangelisieren konnte. Wie verschieden fand und findet doch die Ausbreitung des Islams statt!
Wegen der guten Bewachung des Grabes und der großen Furcht der Apostel und Jünger ist auch ein Diebstahl des Leichnams oder eine Bestechung der Soldaten auszuschließen (Joh 20,13; Mt 28,11-15): Das leere Grab ist ein weiteres Zeichen für die Auferstehung Jesu Christi, was leider von vielen Theologen heruntergespielt wird.
Die Auferstehung Jesu Christi ist keine Rückkehr in das irdische Leben wie bei der Totenerweckung des Lazarus, der Tochter des Jairus oder des Jünglings von Naim, die alle wieder gestorben sind. Der verklärte Auferstehungsleib Jesu (Lk 24,40; Joh 20,20.27) ist nicht mehr an Raum und Zeit gebunden, geht durch verschlossene Türen, trägt die Wundmale, hat für immer Anteil am Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und stirbt nicht mehr (1 Kor 15,35-50). Christi Auferstehung von den Toten bedeutet die Verbindung der Seele mit dem toten Leib bei gleichzeitigem Hinübergang in das übernatürliche göttliche Leben, was einen strahlenden und verklärten Leib mit einschließt.
In der Auferstehung Jesu Christi erfüllen sich die Verheißungen Jesu (Mk 10,34) sowie des Alten Bundes (Lk 6,7; 24,26f; 27,44-48; Apg 13,32f; 1 Kor 15,3) und es werden das Leben, die Worte und die Werke Jesu sowie seine wahre Gottheit bestätigt (Joh 8,28). Der Kreuzestod und die Auferstehung Jesu befreien uns von Sünde, Tod und Teufel. Diese Gnade der Teilhabe am Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit wird uns in der Taufe zugewendet, so dass wir zu Kindern Gottes werden. Wir tragen diesen Schatz in irdenen Gefäßen (2 Kor 4,6-10). Falls wir ihn durch eine Todsünde verlieren, empfängt uns der barmherzige Vater in der heiligen Beichte, um uns nach Reue, Bekenntnis und Vorsatz, die Sünden zu vergeben, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.
Jesu Auferstehung bereitet die Auferstehung der Toten (KKK 988-1004) im Fleisch am Ende der Zeiten vor (1 Kor 15,20-22). Die Gottesmutter Maria erhielt von ihrem Sohn das besondere Privileg, sofort mit Leib und Seele in seine himmlische Herrlichkeit eingehen zu dürfen. „’Auferstehung des Fleisches’ […] bedeutet somit, dass nach dem Tod nicht nur die unsterbliche Seele weiterlebt, sondern auch unsere ‚sterblichen Leiber’ (Röm 8,11) wieder lebendig werden“ (KKK 990). Die Gerechten werden zur ewigen Freude am Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auferstehen, die Bösen in die ewige Verdammnis eingehen (2 Makk 7,9.14; Dan 12,1-13; Joh 5,29). Dort werden sie immer von Gott getrennt sein und furchtbare Qualen an Leib und Seele erleiden. Die Sadduzäer lehnten eine Auferstehung der Toten ab, worauf Jesus ihnen antwortet, dass sie weder die Heilige Schrift noch die Macht Gottes, der ein Gott der Lebenden ist, kennen (Mk 12,24.27).
Der auferstandene Herr und Gott Jesus Christus wird in seiner Allmacht am Jüngsten Tag die Gerechten auferwecken (Joh 4,24f; 6,54). Im Tod trennen sich Leib und Seele, was leicht an einer Leiche zu beobachten ist, die man mit einem lebenden Menschen vergleichen kann. Die Seele tritt in ihrem persönlichen Gericht (KKK 1021f) vor den Richterstuhl Gottes und kommt danach entweder zu Gott in den Himmel (KKK 1023-1029), in die Reinigung (Fegfeuer: KKK 1030-1032) oder in die Hölle (KKK 1033-1037).
Bei der Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten (Joh 6,39f.44.54; 11,24; 1 Thess 4,16) werden alle Toten auferstehen und die Scheidung der Guten von den Bösen wird für alle durch die Allmacht Gottes offenbar werden (KKK 1038-1041; Joh 5,28f). Alle Seelen erhalten vom allmächtigen Schöpfergott wieder ihren Leib, selbst dann, wenn er zum Staub, aus dem er gemacht wurde, zurückgekehrt ist (KKK 999). Die Gerechten erhalten einen schönen verklärten Leib, der nach dem Vorbild des verklärten Auferstehungsleibes Jesu Christi gestaltet sein wird, aber natürlich nicht dessen Schönheit erreichen wird (vgl. KKK 999f.1002f und 1 Kor 15,35-37.42.52f; Kol 2,12;3,1.4; Eph 2,6). Die Verdammten werden die ewige Strafe erhalten, die Gerechten in das ewige Leben eingehen (Mt 25,31-33.46).
Üben wir deshalb die Gottes- und Nächstenliebe, sind wir gut zu allen Menschen und beginnen damit im Gebet; denn Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). Dafür gibt Gott allen Menschen ausreichend Gnade, auch wenn sie in noch so schlechte Situationen hineingeboren wurden. Gott wartet bis zum Schluss, denken wir nur an den rechten Schächer am Kreuz, den Jesus begnadigt hat und sofort mit sich in das Paradies genommen hat (Lk 23,42f). Wenn Menschen verloren gehen, liegt dies nicht an Gott, sondern an ihrem eigenen freien Willen, den sie zur Sünde missbraucht haben! Leben und verkünden wir unsere Hoffnung auf die Auferstehung der Toten: Christus ist uns im Tod und in der Auferstehung vorangegangen, was in der Heiligen Schrift bezeugt wird und unseren Glauben sowie unser Vertrauen auf Gott stärkt, der weder täuscht noch getäuscht werden kann, da Er die Allmacht der Liebe ist (1 Joh 4,8.16)

P. Andreas Hirsch FSSP

(Bild: O.Fischer: Albrecht Dürer, Gelbe Verlag, Abb. 17)

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